Bea
11.11.2006, 20:28
Auch der schönste Urlaub geht mal zu Ende.
Es ist regnerisch und ungemütlich an diesem Morgen Ende Mai. Der Himmel weint zum Abschied, kommt es mir in den Sinn. Nein, nur nicht sentimental werden. Es war wieder eine schöne Zeit hier auf Langeneß, ich habe wieder jeden Winkel der Hallig erwandert, habe mich super erholt.
Die Vermieterin bringt mich zum Fähranleger. Die Hilligenley I wartet auch schon. Ich verstaue meinen Koffer im Gepäckwagen und gehe auf die Fähre. Es ist windig und es regnet, aber anders als die meisten Passagiere gehe ich nicht schnurstracks in den Salon, sondern begebe mich auf's offene Oberdeck. Ich will das Ablegen beobachten. Obwohl ich das schon so oft gesehen habe. Aber das ist eine Art Urlaubsritual. Ganz bewusst Abschied nehmen von der Hallig. Bis zum nächsten mal.
Ein Auto rollt noch auf die Fähre. Aha, nicht nur Urlauber reisen ab, auch Halligbewohner wollen heute auf's Festland. Ich kann mittlerweile fast jeden PKW auf der Hallig seinem Besitzer zuordnen.
Die Schranke am Anleger wird geschlossen, Die Fähre legt ab. Ich stehe noch lange oben an der Reling, sehe die Hallig immer kleiner werden. So langsam wird mir kalt. Ich gehe hinunter in den Salon und frühstücke erst mal. Eine Gruppe junger Leute, die ein paar Tage im Jugendlager untergebracht waren, haben sich auf den Sitzbänken ausgestreckt. Wohl ausgiebig Abschied gefeiert gestern Abend. Am Tisch in der Ecke sitzt die Frau von der Hallig mit ihrem Kind. Vielleicht wollen sie über's Wochenende die Großeltern auf dem Festland besuchen.
Bald schon legen wir auf Hooge an. Der Aufenthalt ist nur kurz. Es wird voll im Salon. Ich überlege, ob ich wieder nach draußen gehen soll, aber das ist mir dann doch etwas zu ungemütlich. Ich bleibe unten und vertreibe mir die Zeit mit Leute beobachten.
Irgendwann verändert sich das Motorengeräusch. Ich schaue durch's Bullauge. Viel sieht man nicht, denn das Bullauge liegt nur wenig über der Wasseroberfläche. Ein Stückchen in Fahrtrichtung voraus kann ich eine Tonne erkennen, eine Fahrwassermarkierung. Fahrtrichtung? Fahren wir? Bewegt sich die Tonne überhaupt? Nein. Wir liegen fest, wird mir sofort klar. Tja, das kann mal passieren hier im Wattenmeer. Die Fähre hat nur wenig Tiefgang, aber die Fahrrinne ist auch nicht wirklich tief. Durch Schlickablagerungen wird sie noch flacher, so dass sie in regelmäßigen Abständen ausgebaggert werden muss. Schon, als wir von Langeneß weg fuhren, stand das Wasser sehr niedrig. Jetzt müsste Niedrigwasser gerade vorbei sein.
Ich ziehe meine Jacke an und gehe nach oben. Das will ich sehen. Tatsächlich, wir liegen fest. Unmittelbar rechts von der Fähre liegen freie Wattflächen. Seevögel spazieren hin und her. Ich gehe von Steuerbord nach Backbord, vom Bug zum Heck der Fähre, bin überall am Schauen. So richtig viel Wasser ist nirgends. Vor uns ist der kleine Fährhafen Schlüttsiel schon gut zu erkennen, aber er kommt nicht näher. Weitere Passagiere sind aufs Oberdeck gekommen und schauen. Nicht nur auf's Wasser, besser gesagt auf Schlick und Watt, sondern auch auf die Uhr. Ganz unruhig. Aufgeregt sind einige am Diskutieren.
Ich bin ganz ruhig. Ich weiß, dass der Bus in Schlüttsiel auf die Ankunft der Fähre wartet. In Husum habe ich normalerweise eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges. Ich könnte sogar noch den nächsten Zug nehmen.
Die Motoren der Fähre heulen auf. Der Kapitän versucht noch mal, ob er nicht doch los kommt. Aber nichts zu machen. Dann die Durchsage, dass wir wohl eine dreiviertel Stunde warten müssen, bis wieder mehr Wasser da ist. Die Motoren verstummen.
Tja, so ist das hier nun mal. Leben im Gezeiten-Takt. Reisen auch.
Die Hallig lässt mich nicht los, denke ich. Das Wattenmeer hält mich noch ein Weilchen fest.
Von Schlüttsiel her kommt uns die Hauke Haien entgegen. Dieses Ausflugsschiff ist kleiner als die Fähre und hat daher auch weniger Tiefgang. Da reicht's noch für eine Handbreit Wasser unter'm Kiel. Die Ausflügler winken zur Fähre herüber. Einige stehen an der Reling und schauen mitleidig herüber. Wieso Mitleid? Das ist doch auch mal ein Erlebnis, im Wattenmeer festzustecken.
Nach gut einer halben Stunde wieder Motorengeräusch. Es ruckelt auf der Fähre. Tatsächlich, sie bewegt sich wieder. Ganz langsam tuckert sie Richtung Schlüttsiel. Eine Reihe von Pricken zeigen an, wie das Fahrwasser verläuft. Man könnte das jetzt auch ohne diese Markierung erkennen, denn noch immer liegen links und rechts davon freie Wattflächen. Aber so langsam kommt Schlüttsiel näher. Dort stehen viele Leute ganz aufgeregt am Anleger. Sie warten schon fast eine Stunde ungeduldig auf die Fähre, die sie zu ihrem Urlaubsziel bringen soll.
Leute, habt doch Geduld. Ihr wollt auf eine Hallig. Dort lebt man mitten im Meer und man lebt mit dem Meer. Der Gezeitenwechsel bestimmt den Tagesablauf. Stellt euch doch schon mal drauf ein. ;)
Es ist regnerisch und ungemütlich an diesem Morgen Ende Mai. Der Himmel weint zum Abschied, kommt es mir in den Sinn. Nein, nur nicht sentimental werden. Es war wieder eine schöne Zeit hier auf Langeneß, ich habe wieder jeden Winkel der Hallig erwandert, habe mich super erholt.
Die Vermieterin bringt mich zum Fähranleger. Die Hilligenley I wartet auch schon. Ich verstaue meinen Koffer im Gepäckwagen und gehe auf die Fähre. Es ist windig und es regnet, aber anders als die meisten Passagiere gehe ich nicht schnurstracks in den Salon, sondern begebe mich auf's offene Oberdeck. Ich will das Ablegen beobachten. Obwohl ich das schon so oft gesehen habe. Aber das ist eine Art Urlaubsritual. Ganz bewusst Abschied nehmen von der Hallig. Bis zum nächsten mal.
Ein Auto rollt noch auf die Fähre. Aha, nicht nur Urlauber reisen ab, auch Halligbewohner wollen heute auf's Festland. Ich kann mittlerweile fast jeden PKW auf der Hallig seinem Besitzer zuordnen.
Die Schranke am Anleger wird geschlossen, Die Fähre legt ab. Ich stehe noch lange oben an der Reling, sehe die Hallig immer kleiner werden. So langsam wird mir kalt. Ich gehe hinunter in den Salon und frühstücke erst mal. Eine Gruppe junger Leute, die ein paar Tage im Jugendlager untergebracht waren, haben sich auf den Sitzbänken ausgestreckt. Wohl ausgiebig Abschied gefeiert gestern Abend. Am Tisch in der Ecke sitzt die Frau von der Hallig mit ihrem Kind. Vielleicht wollen sie über's Wochenende die Großeltern auf dem Festland besuchen.
Bald schon legen wir auf Hooge an. Der Aufenthalt ist nur kurz. Es wird voll im Salon. Ich überlege, ob ich wieder nach draußen gehen soll, aber das ist mir dann doch etwas zu ungemütlich. Ich bleibe unten und vertreibe mir die Zeit mit Leute beobachten.
Irgendwann verändert sich das Motorengeräusch. Ich schaue durch's Bullauge. Viel sieht man nicht, denn das Bullauge liegt nur wenig über der Wasseroberfläche. Ein Stückchen in Fahrtrichtung voraus kann ich eine Tonne erkennen, eine Fahrwassermarkierung. Fahrtrichtung? Fahren wir? Bewegt sich die Tonne überhaupt? Nein. Wir liegen fest, wird mir sofort klar. Tja, das kann mal passieren hier im Wattenmeer. Die Fähre hat nur wenig Tiefgang, aber die Fahrrinne ist auch nicht wirklich tief. Durch Schlickablagerungen wird sie noch flacher, so dass sie in regelmäßigen Abständen ausgebaggert werden muss. Schon, als wir von Langeneß weg fuhren, stand das Wasser sehr niedrig. Jetzt müsste Niedrigwasser gerade vorbei sein.
Ich ziehe meine Jacke an und gehe nach oben. Das will ich sehen. Tatsächlich, wir liegen fest. Unmittelbar rechts von der Fähre liegen freie Wattflächen. Seevögel spazieren hin und her. Ich gehe von Steuerbord nach Backbord, vom Bug zum Heck der Fähre, bin überall am Schauen. So richtig viel Wasser ist nirgends. Vor uns ist der kleine Fährhafen Schlüttsiel schon gut zu erkennen, aber er kommt nicht näher. Weitere Passagiere sind aufs Oberdeck gekommen und schauen. Nicht nur auf's Wasser, besser gesagt auf Schlick und Watt, sondern auch auf die Uhr. Ganz unruhig. Aufgeregt sind einige am Diskutieren.
Ich bin ganz ruhig. Ich weiß, dass der Bus in Schlüttsiel auf die Ankunft der Fähre wartet. In Husum habe ich normalerweise eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt meines Zuges. Ich könnte sogar noch den nächsten Zug nehmen.
Die Motoren der Fähre heulen auf. Der Kapitän versucht noch mal, ob er nicht doch los kommt. Aber nichts zu machen. Dann die Durchsage, dass wir wohl eine dreiviertel Stunde warten müssen, bis wieder mehr Wasser da ist. Die Motoren verstummen.
Tja, so ist das hier nun mal. Leben im Gezeiten-Takt. Reisen auch.
Die Hallig lässt mich nicht los, denke ich. Das Wattenmeer hält mich noch ein Weilchen fest.
Von Schlüttsiel her kommt uns die Hauke Haien entgegen. Dieses Ausflugsschiff ist kleiner als die Fähre und hat daher auch weniger Tiefgang. Da reicht's noch für eine Handbreit Wasser unter'm Kiel. Die Ausflügler winken zur Fähre herüber. Einige stehen an der Reling und schauen mitleidig herüber. Wieso Mitleid? Das ist doch auch mal ein Erlebnis, im Wattenmeer festzustecken.
Nach gut einer halben Stunde wieder Motorengeräusch. Es ruckelt auf der Fähre. Tatsächlich, sie bewegt sich wieder. Ganz langsam tuckert sie Richtung Schlüttsiel. Eine Reihe von Pricken zeigen an, wie das Fahrwasser verläuft. Man könnte das jetzt auch ohne diese Markierung erkennen, denn noch immer liegen links und rechts davon freie Wattflächen. Aber so langsam kommt Schlüttsiel näher. Dort stehen viele Leute ganz aufgeregt am Anleger. Sie warten schon fast eine Stunde ungeduldig auf die Fähre, die sie zu ihrem Urlaubsziel bringen soll.
Leute, habt doch Geduld. Ihr wollt auf eine Hallig. Dort lebt man mitten im Meer und man lebt mit dem Meer. Der Gezeitenwechsel bestimmt den Tagesablauf. Stellt euch doch schon mal drauf ein. ;)