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Vollständige Version anzeigen : Eine Halligfahrt: Von Langeneß nach Oland und Gröde (Teil 1)


Bea
05.06.2006, 15:29
Die Hallig Langeneß ist umgeben von Halligen und Inseln. Föhr, Amrum, die Südspitze von Sylt, Hooge, Pellworm, Oland, Gröde - alles in Sichtweite.
Doch da mal hin zu kommen von Langeneß aus, das ist gar nicht so einfach.
Gut, nach Hooge kann man in der Sommersaison von April bis Oktober täglich mit der Hilligenley I, der Fähre der WDR, fahren. Wer jedoch von Langeneß aus einen Tagesausflug nach Hooge macht, ist abends meist froh, wieder zurück auf Langeneß zu sein.

Nach Amrum kann man auch mit der Fähre fahren. Aber die hat da noch nicht mal zwei Stunden Aufenthalt, das lohnt sich nicht. Doch da gibt's noch eine andere Rückfahrmöglichkeit am Abend. Mit dem Adler Express von Amrum nach Hooge, dort dann auf die WDR-Fähre umsteigen. Tja, aber die Umsteigzeit ist knapp bemessen - hoffentlich wird der Fahrplan auch eingehalten. Und nicht vergessen, der Fährbesatzung schon auf der Hinfahrt Bescheid zu geben, dass man am Abend mit dem Adler Express nach Hooge kommt und mit der Fähre weiter nach Langeneß möchte. Sonst könnte es knapp werden.

Nein, das muss ich nicht haben.
Eine Halligfahrt mit dem kleinen Ausflugsschiff MS Eilun, die in den Sommermonaten etwa alle zwei Wochen ab Langeneß stattfindet, reizt mich da schon mehr. Zu den Halligen Oland und Gröde soll es gehen. Warum findet diese Fahrt nur so selten statt? Nun, es gibt einerseits nur wenige Passagiere, die mitfahren wollen, außerdem haben Oland und Gröde gezeitenabhängige Anleger, das heißt nur wenige Stunden um Hochwasser herum können dort überhaupt Ausflugsschiffe anlegen. Für eine Ausflugsfahrt sollte dieses Zeitfenster dann auch günstig am Tag liegen.

An einem Donnerstag im Mai 2006, Christi Himmelfahrt, Vatertag, ist es wieder mal soweit. Die MS Eilun fährt, von Amrum kommend, über Langeneß nach Oland und Gröde. Man möchte meinen, dass an einem solchen Tag zahlreiche Schiffsausflügler unterwegs sind. Nein, gerade mal eine gute Handvoll Passagiere aus Amrum steigen am Anleger Langeneß aus. Rund fünf Stunden haben diese Ausflügler, um die größte Hallig zu erkunden. Wenn sie Langeneß in dieser Zeit wirklich kennen lernen wollen, ist es angebracht, ein Fahrrad zu mieten.

Nur vier Passagiere steigen auf Langeneß ein und fahren mit der MS Eilun nach Oland und Gröde. Ich bin dabei. Insgesamt sind jetzt nicht mehr als 30, höchstens 35 Passagiere an Bord. Das Wetter ist fast bilderbuchmäßig, man kann draußen sitzen und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Die Fahrt geht an der gesamten Südseite von Langeneß entlang. Spätestens jetzt merkt man, dass Langeneß wirklich sehr lang ist und seinen Namen zu Recht trägt. Das Halligland ist so flach, dass nur die einzelnen Warften mit den Häusern aus dem Wasser schauen. Im Hintergrund ist die Insel Föhr zum Greifen nah, doch dahin fährt kein Ausflugsschiff.

Als wir die Hallig Langeneß endgültig hinter uns gelassen haben, erreichen wir auch schon bald die Hallig Oland. Die MS Eilun legt im kleinen, gezeitenabhängigen Hafen an. Von dort aus sind es nur wenige Schritte bis zur einzigen Warft, auf der insgesamt 17 Gebäude stehen. Der Kapitän kommt, nachdem er sein Schiff festgemacht hat, mit hoch zur Warft und gibt kurze Erklärungen zu Kirche, Friedhof, Schule, Leuchtturm. Auf Oland steht der einzige reetgedeckte Leuchtturm weltweit. Auf der anderen Seite geht's wieder runter von der Warft. Dort verläuft das schmale Gleis der Lorenbahn. Dieses Gleis verbindet auf einem Steindamm durchs Wattenmeer die Hallig Oland mit dem Festland einerseits und mit der Hallig Langeneß andererseits. Die etwas abenteuerlich anmutenden Loren werden besichtigt, dann zieht es viele Passagiere wieder auf die Warft, genauer gesagt auf die Terrasse des Gasthauses. Mir ist die Zeit zu schade, die knappe dreiviertel Stunde, die jetzt bis zur Abfahrt des Schiffes noch bleibt, nutze ich lieber für einen Spaziergang. Dem Gleis folgend bis an die Halligkante, ein Stück an der Kante entlang, dann den Weg durch's Weideland nehmen, irgendwann umkehren und zurück. Dabei die typischen Halliggeräusche im Ohr: Vogelgezwitscher, das Muhen der Kühe, das Geräusch des Windes. Bevor ich wieder zum Hafen gehe, bummele ich noch einmal über die dorfähnlich angelegte Warft. Hübsch anzusehen ist das Ensemble der reetgedeckten Häuser mit den gepflegten kleinen Gärten und weiß gestrichenen Gartenzäunen auf jeden Fall. Dazwischen schmale, gepflasterte Fußwege. Aber es ist doch alles sehr eng hier. Auf einer Terrasse wird gegrillt. Wie würde mir das gefallen, wenn bei einer privaten Grillfete 30 oder 35 Ausflügler direkt am gedeckten Tisch vorbei laufen würden?


Zu den Bildern:
1. Das Halligland ist so flach, dass nur die einzelnen Warften mit den Häusern aus dem Wasser schauen. Im Hintergrund ist die Insel Föhr zum Greifen nah, doch dahin fährt kein Ausflugsschiff.
2. Als wir die Hallig Langeneß endgültig hinter uns gelassen haben, erreichen wir auch schon bald die Hallig Oland.
3. Auf Oland steht der einzige reetgedeckte Leuchtturm weltweit.
4. Die Warft auf Oland - hübsch anzusehen ist das Ensemble der reetgedeckten Häuser mit den gepflegten kleinen Gärten und weiß gestrichenen Gartenzäunen auf jeden Fall.

Bea
05.06.2006, 15:45
Pünktlich legt die MS Eilun wieder von Oland ab. Die Fahrt geht weiter durchs Wattenmeer. Richtung Gröde. Am Vormittag hatte der Kapitän noch befürchtet, dass er nicht auf Gröde wird anlegen können, da Wind und Seegang zu stark wären. Mittlerweile hat sich der Wind jedoch etwas gelegt, so dass einem Abstecher nach Gröde nichts mehr im Wege steht. Schon bald kommt auch diese Hallig mit ihren beiden Warften in Sicht. Gröde hat nur 18 Einwohner. Die meisten wohnen in den großen, reetgedeckten Wohnhäusern auf der Knudswarft. Auf der Kirchwarft steht nur ein kleineres, ebenfalls reetgedecktes Haus, in dem die Kirche, der Schulsaal und auch die Lehrerwohnung untergebracht ist.

Als die MS Eilun am Westanleger von Gröde anlegt, ist Hochwasser schon wieder seit gut einer halben Stunde vorbei. Zum Glück, denn ansonsten hätten wir beim Aussteigen und beim Weg an der Halligkante entlang nasse Füße bekommen. Bald schon erreichen wir die Knudswarft. Außer den Wohnhäusern gibt es dort einen kleinen Kiosk, das war dann auch schon alles. Zwei Kinder sitzen im Gras am Warftabhang, einige Erwachsene stehen zusammen und klönen. Die Kioskbetreiberin eilt herbei, als sie die Ausflügler kommen sieht. Ein paar Postkarten, einige Eis am Stiel, auch das eine oder andere Tütchen mit selbstgebackenen Halligknerken, einem traditionellem Gebäck, wird sie verkaufen. Die Kirche auf der benachbarten Warft ist sehenswert, wie alle Halligkirchen. Ganz nahe bei der Kirche steht eine neue Informationstafel, auf der erklärt wird, was am Horizont so alles zu sehen ist. Die Sicht ist heute extrem gut, man kann das Festland gut erkennen, ganz hinten die Silos von Husum, viel näher die charakteristischen grünen Dächer des Sönke-Nissen-Koogs. Die ganzen umliegenden Inseln und Halligen, Pellworm, Nordstrandischmoor, Habel, Hooge, Langeneß. Doch noch bleibt Zeit für einen Spaziergang auf Gröde. Groß genug ist diese Hallig allemal. Am Anleger sieht man die MS Eilun liegen. Im Hintergrund die Warften von Langeneß. Ein zweites Ausflugsschiff hatte nur ganz kurz festgemacht um eine Handvoll Passagiere aussteigen zu lassen. Diese tragen Taschen und Kisten die Warft hoch. Sie wollen wohl länger auf Gröde bleiben. Für uns wird es jedoch schon bald Zeit, wieder abzulegen.

Der Kapitän warnt die Passagiere, die im Heck sitzen, dass es etwas feucht werden könnte, wenn er rückwärts vom Anleger wegfährt. Es schwappt tatsächlich ein bisschen Wasser ins Schiff rein, aber kaum der Rede wert. Das ist doch das Schöne an so kleinen Ausflugsschiffen, man ist dem Meer viel näher als auf einer Fähre oder einem Express-Ausflugsdampfer.

Auf der Rückfahrt nach Langeneß genieße ich die Aussicht und auch die Sonne. Die Warften der umliegenden Halligen erheben sich aus dem Meer. Als 'schwimmende Träume' hat sie der Dichter Theodor Storm einmal bezeichnet. Ich kann ihm nur zustimmen. Ich lasse diesen kleinen Ausflug Revue passieren. Gänzlich unspektakulär war er, wie auch nicht anders zu erwarten, aber sehr schön – gemütlich, beschaulich. Es wurde bestätigt, dass keine Hallig der anderen gleicht. Jede ist ganz einzigartig.


Zu den Bildern:
1. Pünktlich legt die MS Eilun wieder von Oland ab. Die Fahrt geht weiter durchs Wattenmeer.
2. Schon bald kommt auch Hallig Gröde mit ihren beiden Warften in Sicht.
3. Auf der Kirchwarft steht nur ein kleineres, ebenfalls reetgedecktes Haus, in dem die Kirche, der Schulsaal und auch die Lehrerwohnung untergebracht ist.
4. Am Anleger sieht man die MS Eilun liegen. Im Hintergrund die Warften von Langeneß.

Bea
23.09.2008, 20:25
Im September 2008 mache ich diesen Ausflug erneut mit. Wieder bei Bilderbuchwetter. Ich setzte mich aufs Sonnendeck im Heck des kleinen Ausflugsschiffes und genieße die Fahrt. Wir fahren ganz nah an der Südseite von Langeneß entlang. Ich kenne und erkenne jede Warft, fast jedes Haus(Bild 1). Aus dieser Perspektive kommt mir Strecke, die ich sonst zu Fuß gehe, doch ganz schön weit vor. ;)

Im kleinen Hafen von Oland muss eine kleine private Yacht erst mal Platz machen für unser Ausflugsschifflein. Nach uns kommt noch ein weiteres rein, noch ein bisschen kleiner, aber der Platz am Kai muss optimal genutzt werden (Bild 2). Nach dem Anlegen entferne ich mich rasch von der Ausflugsgruppe, die zuerst die Warft besichtigt und dann wohl fast geschlossen das Halliggasthaus stürmt. Ich wandere ein bisschen über das Halligland, schaue mich um. Die Sicht ist wieder phantastisch. Ich kann den regen Betrieb am Fähranleger von Dagebüll erkennen, wo die Fähren nach Föhr und Amrum abfahren. Später schaue ich mir die Oländer Kirche und den Friedhof an, auch wenn ich beides schon mehrfach besichtigt habe. Ich bummle ein bisschen über die einzige Warft von Oland, die wie immer aufgeräumt und sehr gepflegt wirkt. Fast wie ein verwunschenes Dorf aus dem Märchenbuch. In einem Vorgarten steht ein Apfelbaum mit roten, pausbäckigen Äpfeln (Bild 3). Fehlt nur noch die böse Stiefmutter.

Die Fahrt geht dann bald weiter nach Gröde. Der Kapitän erklärt der Ausflugsgruppe den Weg zur Kirche. Na ja, verlaufen kann man sich auf dieser Hallig eigentlich nicht, aber die Kirche muss man erst mal als Kirche erkennen. Ein niedriges, lang gestrecktes Reetdachhaus, das auch noch den Schulsaal und die Lehrerwohnung beherbergt (Bild 4). Wir gehen an der Halligkante entlang, die seit meinem letzten Besuch auf Gröde verstärk wurde, dann biegen wir zur Kirchwarft ab. Als wir dort ankommen, ist der Kapitän, der erst noch das Schiff festmachen musste, auch schon da. Er hat eine Abkürzung über die Halligwiesen genommen.

Der Kapitän gibt einige interessante Erklärungen zur Kirche und zum Leben auf dieser kleinen Hallig, die keine regelmäßige Schiffsanbindung hat. Ich schaue mich danach noch auf dem kleinen Friedhof um. Die Namen auf den Grabsteinen wiederholen sich vielfach.

Auf der Nachbarwarft eilt Monika zu ihrem Kiosk. Öffnungszeiten nach Bedarf, also nach Ankunft der Ausflugsschiffe. All zu lange sind die Öffnungszeiten heute nicht. Die Gruppe ist nicht groß, sie folgt zuerst noch dem Kapitän einmal um den Feting und lauscht seinen weiteren Erklärungen.

Auch auf der Rückfahrt sitze ich wieder im Heck des Schiffleins, ganz nah am Wasser. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich mein Gesicht der Sonne entgegen strecken oder die wechselnde Aussicht auf die umliegenden Inseln und Halligen genießen soll.