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Momme Mannüberbord
07.08.2008, 10:25
Wattolümpiade vor dem Aus
Veranstalter sehen ehrenamtliches Engagement ausgereizt und Stadt in der Pflicht
Von Stefan Schmid DLZ / BZ
Brunsbüttel – Die Zukunft der Wattolümpiade steht in den Sternen. Die Veranstalter wollen die national und international medienwirksame Benefizveranstaltung nur dann fortsetzen, wenn die Stadt deutlicher als bisher dahinter steht und sich vor allem mehr engagiert.
Die fünfte Wattolümpiade sprengte erneut die Dimension – 6000 Besucher, davon allein 2500 zahlende Zuhörer beim Wattstock-Festival, der Abschiedsauftritt der Star-Band „Fury in the Slaughterhouse“ und am Ende 36 000 Euro in der Kasse für die Krebsgesellschaft (abzüglich Steuern allerdings). So ein Aufwand läuft aber nicht mehr ohne professionelle Hilfe ab. Michael Behrendt, Präsident des Wattolümpischen Komitees: „Wir haben Leistungen dort vergeben, wo wir uns früher körperlich aufgerieben haben.“ Zum Beispiel beim Bühnenaufbau oder bei der Installation der Technik. Auch ein Sicherheitsdienst wurde engagiert.
So etwas hat seinen Preis: Auf 30 000 Euro beliefen sich die Kosten nur für die Ausrichtung der Benefizveranstaltung. Damit die Wattolümpiade-Macher aber mit „Null Euro Schulden“ (Behrendt) herausgehen, wurden wieder Sponsoren gesucht – und auch gefunden. Doch diesen teils nervigen Aufwand der Akquise, für die Jens Rusch verantwortlich war, will sich der Brunsbütteler Künstler nicht mehr zumuten – sowohl aus beruflichen als auch aus gesundheitlichen Gründen. „Für die Sponsorensuche gingen mir mindestens zweieinhalb Monate Arbeit im Atelier verloren“, begründet er. Dieser auch emotionale Kraftakt habe eine Dimension erlangt, die „existenzbedrohend“ sei. Obendrein habe er mit ortsansässigen Firmen zahlreiche „Erniedrigungen“ erlebt, während Firmen von außerhalb aufgeschlossener und bereitwilliger der Wattolümpiade und ihrem guten Zweck gegenüber stünden. Einige Tage vor der Wattolümpiade teilte er dem Komitee seinen Wunsch mit, auszusteigen.
Seine Mitstreiter sind ihm nicht böse, im Gegenteil, sie können den Schritt angesichts des eigenen Kräfteeinsatzes nachvollziehen. Nur, so Michael Behrendt: „Ohne Jens, der über die Kontakte verfügt, können wir die Sponsorensuche nicht betreiben.“ Daher sei die Wattolümpiade zum derzeitigen Zeitpunkt tot. „Wir müssen über ein neues Gesamtkonzept nachdenken“, betont Behrendt.
Die Bereitschaft zum Weitermachen des ehrenamtlichen Komitees ist aber vorhanden – allerdings nur, wenn sich Stadt und Politik engagierter hinter das werbewirksame Spektakel am Elbdeich stellen. Das Rathaus hatte seinerzeit für eine Anschubfinanzierung (10 000 Euro) sowie zur Sicherheit weitere 10 000 Euro bereitgestellt, die die Veranstalter bislang nicht angerührt haben. Auch Kräfte vom Bauhof wurden jedes Jahr für den Auf- und Abbau abkommandiert.
Dennoch fühlen sich die Macher der Wattolümpiade von der Stadt allein gelassen. „Uns wurde jetzt sogar vorgeschlagen, von den eigentlichen Spendengeldern für die Krebsgesellschaft eine Summe für die laufenden Kosten abzuzweigen“, erläutert Rusch. Er ist erbost. Nicht nur er. Dieter Wölfert vom Komitee: „Wer solche Vorschläge macht, der hat unser Konzept gar nicht verstanden.“ Vor allem würde man ein Tabu brechen. Behrendt: „Damit geraten wir in eine kommerzielle Zone, was wir prinzipiell nicht wollen, auch nicht in Zukunft.“
In einem Brief an das Rathaus und Politiker der Ratsversammlung kündigte Jens Rusch daher seinen Rückzug an und machte auch aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Resonanz gibt es bis dato nicht.
Ein großes Fragezeichen hängt daher über der Wattolümpiade 2009. Und nicht nur über ihr. Wenn nicht weiter Spenden gesammelt werden, sind auch die Krebs-Beratungsstellen in Heide und Brunsbüttel in Gefahr.