Strandfloh
16.06.2006, 14:50
Moin!
Hier mal wieder eine Geschichte von mir....
Ein Morgen in SPO
Es ist kurz nach sieben. Ich liege wach in meiner Koje im Wohnwagen und kann nicht mehr schlafen. Es ist drückendwarm und ich muß dringend auf die Toilette. Das heißt also: aufstehen. Mühsam schäle ich mich aus meinem Schlafsack und muß dabei aufpassen, dass ich mir nicht, wie gewöhnlich, den Kopf stoße und nicht all zuviel Lärm mache, schließlich soll ja niemand aufwachen.
Nachdem ich dann erfolgreich und ohne Radau das Hochbett verlassen habe, begebe ich mich auf die Suche nach meiner Hose und meinen Schuhen. Das ist in dem Halbdunkel gar nicht so einfach. Aber ich brauche zum Glück nicht lange zu suchen, da ich mich erinnere, dass ich die Hose am Vorabend auf die Eckbank gelegt und die Schuhe direkt neben die Tür gestellt hatte. Schnell ziehe ich mir die Hose an. Ich öffne die Tür. Mir kommt ein kühler Wind entgegen. Dann greife ich schnell nach meiner Jacke, nehme meine Schuhe in die Hand, steig die Stufe runter, schließe die Tür von außen, zieh mir die Jacke über und schlüpfe in die Schuhe. Dann erst betrachte ich mir die Umgebung.
Nebelschleier liegen über dem ganzen Campingplatz und auf den angrenzenden Wiesen. Die darauf weidenden Schafe und Kühe sind teilweise nur schemenhaft zu erkennen. Das Licht ist noch sehr gedämpft und man kann die Farben noch nicht ganz erkennen. Einige Hasen hoppeln verspielt über den Platz, verstecken sich unter den Wohnwagen und in den Sträuchern, die auf dem Platz als Sichtschutz dienen. Es ist ganz still. Vereinzelt hört man das leise Blöken eines Schafes oder das Muhen einer Kuh. Ein paar Möwen sind auch schon wach und fliegen Richtung Meer. Die Sonne versucht sich ihren Weg zu bahnen und ringsumher erwachen die Singvögel.
Nun wird es aber dringend, ich muß ganz schnell erst mal verschwinden. Also Füße in die Hand und los. Warum müssen wir nur so weit hinten auf dem Platz stehen. Es ist zwar recht ruhig dort, aber bis zu den Sanitäreinrichtungen ist es immer ein ganz schöner Weg. Wir hätten ja ruhig alles anschließen können, aber für die paar Tage lohnt es sich wirklich nicht. Also heißt es daher: laufen bis zum stillen Örtchen.... :) Aber egal, das hält jung und in der kühlen, feuchten Luft ist es richtig herrlich.
Genau den Gedanken habe ich auch, als ich wieder auf dem Rückweg zum Wohnwagen bin. „Nee“, denke ich mir. „Jetzt nicht zurück in den warmen, stickigen Wohnwagen.“ Also schnell Schuhe zugebunden, Jacke bis zum Hals zugezogen, Kehrtwende um 180° und Retour. Ich laufe an den Wohnwagen vorbei, in denen noch alles zu schlafen scheint. Vorbei an der Rezeption, die noch geschlossen ist, genau wie der kleine Laden unten an der Ecke. Mein Weg führt nun nach rechts, die Treppen am Deich hoch. Hier bleibe ich erst mal stehen, hole tief Luft, lasse den Blick in alle Richtungen schweifen und genieße.
Zu meiner Rechten erhebt sich, wie gewohnt, der Leuchtturm von Westerheversand. Zu meiner Linken stehen die Pfahlbauten von Ording gigantisch emporragend auf dem weiten Sandstrand. Vor mir liegen die Dünen, der Stand und das Meer und hinter mir liegt der noch schlafende Campingplatz.
Ich gehe nun langsam den Deich hinunter, den Pfad durch die Dünen durch und stehe am Strand. Welch eine Weite! Kurz entschlossen gehe ich einfach weiter, raus ans Meer. Mir begegnet eine Frau mit ihrem Hund. Ansonsten treffe ich niemanden. Der Strand ist leer, menschenleer. Es ist ein komisches Gefühl: Ich ganz alleine am Meer. Ich, das Meer, der Sand, der Strand, die Wellen, der Wind, die Möwen und die Weite ganz alleine.
Mir läuft ein Lächeln über das Gesicht.
Ich könnte schreien, weil ich mich so wohl fühle, weil ich für den Moment eins zu sein scheine mit meinem geliebten Norden, weil ich frei bin und weil ich aufatmen kann.
Ich bin alleine, fühle mich aber so geborgen und so sicher wie im Kreis meiner Lieben.
Ich bin eins mit mir, eins mit der Natur und könnte einfach nur fliegen.
Plötzlich stehe ich vorne an einem Priel. Eigentlich will ich ja bis nach ganz vorne ans Wasser, aber dazu müsste ich mir die Schuhe ausziehen und dazu ist es noch zu kalt. Die Sonne hat noch nicht die Kraft und da der Sommer vorbei ist, hat sie auch tags über nicht die Kraft, den Sand so aufzuwärmen, dass am nächsten Tag noch eine Restwärme im Boden vorhanden ist. „Schade!“ denke ich mir, aber das hindert mich trotzdem nicht daran, am Stand noch einen Moment weiter zu laufen.
Ich genieße die Einsamkeit, das monotone Rauschen des Meeres, die Stille und den kühlen Wind. Er streicht mir über das Gesicht, durch die Haare, er spielt mit den Haarsträhnen und ‚liebkost’ meine Haut.
Es ist ein tolles Gefühl.
Das Gefühl der Freiheit.
Das Gefühl zu Hause zu sein.
Das Gefühl geborgen zu sein.
Das Gefühl, das man sonst nur bei seiner Familie, seinem Partner und bei ganz engen Freunden findet.
Man ist einfach man selbst, so wie man ist, so wird man angenommen.
Ohne Wenn und ohne Aber.
Einfach so.
Einfach natürlich, ungewaschen, ungekämmt, frisch aus dem Bett gekrabbelt, halb verpennt aber dennoch wach.
Ich bleibe stehen, schaue raus aufs Meer. Es schläft nicht, es schläft nie, es ist immer in Bewegung, tagaus, tagein, mal mehr, mal weniger. Es ist grau, tiefgrau. Die Wolken hängen tief über dem Wasser. Es sieht nach Regen aus, die Luft richt danach. Da ich keine Regenjacke mit habe, mache ich mich auf den Rückweg. Immer noch kein Mensch am Stand, immer noch alleine.
Mein Blick geht immer wieder zurück, zurück aufs Meer, zurück in die Weite. Kurz vor den Dünen dann Menschen mit ihren Hunden. Trotzdem Stille. Keine Stimmen, kein Kindergeschrei einfach nur Natur.
Ich ‚erklimme’ den Deich, geh die Treppenstufen wieder runter, am Laden vorbei, über den Campingplatz zum Wohnwagen. Ich weiß nicht, ob ich jemanden gesehen oder getroffen habe. Ich weiß nicht, ob der Laden und die Rezeption schon geöffnet sind. Ich bin überwältigt.
Leise mach ich die Tür auf, ziehe die Schuhe aus und betrete den Wohnwagen. Hier ist es warm drin und ganz still. Man hört nur die gleichmäßigen Atemzüge. Niemand wach, alles schläft noch. Es hat niemand mitbekommen, dass ich eine Stunde lang weg war.
Ich ziehe die Jacke und die Hose wieder aus, krabbel die Leiter wieder hoch und verkrümel mich wieder in meinem Schlafsack. Ich döse noch mal ein, bis ich das Rumoren höre. Zeit zum Aufstehen. Ich erzähle von meinem Ausflug an den Strand, von meinem Morgenspaziergang. Es hat wirklich niemand mitbekommen. Ich krieche wieder aus meinem Schlafsack, gehe mich waschen und genieße dann das leckere Frühstück. Wir planen den Tag. Für mich steht aber schon fest: ‚Morgen früh gehe ich wieder an den Strand einfach nur um zu genießen und für einen Moment ganz alleine zu sein!’
©by Strandfloh 2006
Grüße,
Strandfloh.
Hier mal wieder eine Geschichte von mir....
Ein Morgen in SPO
Es ist kurz nach sieben. Ich liege wach in meiner Koje im Wohnwagen und kann nicht mehr schlafen. Es ist drückendwarm und ich muß dringend auf die Toilette. Das heißt also: aufstehen. Mühsam schäle ich mich aus meinem Schlafsack und muß dabei aufpassen, dass ich mir nicht, wie gewöhnlich, den Kopf stoße und nicht all zuviel Lärm mache, schließlich soll ja niemand aufwachen.
Nachdem ich dann erfolgreich und ohne Radau das Hochbett verlassen habe, begebe ich mich auf die Suche nach meiner Hose und meinen Schuhen. Das ist in dem Halbdunkel gar nicht so einfach. Aber ich brauche zum Glück nicht lange zu suchen, da ich mich erinnere, dass ich die Hose am Vorabend auf die Eckbank gelegt und die Schuhe direkt neben die Tür gestellt hatte. Schnell ziehe ich mir die Hose an. Ich öffne die Tür. Mir kommt ein kühler Wind entgegen. Dann greife ich schnell nach meiner Jacke, nehme meine Schuhe in die Hand, steig die Stufe runter, schließe die Tür von außen, zieh mir die Jacke über und schlüpfe in die Schuhe. Dann erst betrachte ich mir die Umgebung.
Nebelschleier liegen über dem ganzen Campingplatz und auf den angrenzenden Wiesen. Die darauf weidenden Schafe und Kühe sind teilweise nur schemenhaft zu erkennen. Das Licht ist noch sehr gedämpft und man kann die Farben noch nicht ganz erkennen. Einige Hasen hoppeln verspielt über den Platz, verstecken sich unter den Wohnwagen und in den Sträuchern, die auf dem Platz als Sichtschutz dienen. Es ist ganz still. Vereinzelt hört man das leise Blöken eines Schafes oder das Muhen einer Kuh. Ein paar Möwen sind auch schon wach und fliegen Richtung Meer. Die Sonne versucht sich ihren Weg zu bahnen und ringsumher erwachen die Singvögel.
Nun wird es aber dringend, ich muß ganz schnell erst mal verschwinden. Also Füße in die Hand und los. Warum müssen wir nur so weit hinten auf dem Platz stehen. Es ist zwar recht ruhig dort, aber bis zu den Sanitäreinrichtungen ist es immer ein ganz schöner Weg. Wir hätten ja ruhig alles anschließen können, aber für die paar Tage lohnt es sich wirklich nicht. Also heißt es daher: laufen bis zum stillen Örtchen.... :) Aber egal, das hält jung und in der kühlen, feuchten Luft ist es richtig herrlich.
Genau den Gedanken habe ich auch, als ich wieder auf dem Rückweg zum Wohnwagen bin. „Nee“, denke ich mir. „Jetzt nicht zurück in den warmen, stickigen Wohnwagen.“ Also schnell Schuhe zugebunden, Jacke bis zum Hals zugezogen, Kehrtwende um 180° und Retour. Ich laufe an den Wohnwagen vorbei, in denen noch alles zu schlafen scheint. Vorbei an der Rezeption, die noch geschlossen ist, genau wie der kleine Laden unten an der Ecke. Mein Weg führt nun nach rechts, die Treppen am Deich hoch. Hier bleibe ich erst mal stehen, hole tief Luft, lasse den Blick in alle Richtungen schweifen und genieße.
Zu meiner Rechten erhebt sich, wie gewohnt, der Leuchtturm von Westerheversand. Zu meiner Linken stehen die Pfahlbauten von Ording gigantisch emporragend auf dem weiten Sandstrand. Vor mir liegen die Dünen, der Stand und das Meer und hinter mir liegt der noch schlafende Campingplatz.
Ich gehe nun langsam den Deich hinunter, den Pfad durch die Dünen durch und stehe am Strand. Welch eine Weite! Kurz entschlossen gehe ich einfach weiter, raus ans Meer. Mir begegnet eine Frau mit ihrem Hund. Ansonsten treffe ich niemanden. Der Strand ist leer, menschenleer. Es ist ein komisches Gefühl: Ich ganz alleine am Meer. Ich, das Meer, der Sand, der Strand, die Wellen, der Wind, die Möwen und die Weite ganz alleine.
Mir läuft ein Lächeln über das Gesicht.
Ich könnte schreien, weil ich mich so wohl fühle, weil ich für den Moment eins zu sein scheine mit meinem geliebten Norden, weil ich frei bin und weil ich aufatmen kann.
Ich bin alleine, fühle mich aber so geborgen und so sicher wie im Kreis meiner Lieben.
Ich bin eins mit mir, eins mit der Natur und könnte einfach nur fliegen.
Plötzlich stehe ich vorne an einem Priel. Eigentlich will ich ja bis nach ganz vorne ans Wasser, aber dazu müsste ich mir die Schuhe ausziehen und dazu ist es noch zu kalt. Die Sonne hat noch nicht die Kraft und da der Sommer vorbei ist, hat sie auch tags über nicht die Kraft, den Sand so aufzuwärmen, dass am nächsten Tag noch eine Restwärme im Boden vorhanden ist. „Schade!“ denke ich mir, aber das hindert mich trotzdem nicht daran, am Stand noch einen Moment weiter zu laufen.
Ich genieße die Einsamkeit, das monotone Rauschen des Meeres, die Stille und den kühlen Wind. Er streicht mir über das Gesicht, durch die Haare, er spielt mit den Haarsträhnen und ‚liebkost’ meine Haut.
Es ist ein tolles Gefühl.
Das Gefühl der Freiheit.
Das Gefühl zu Hause zu sein.
Das Gefühl geborgen zu sein.
Das Gefühl, das man sonst nur bei seiner Familie, seinem Partner und bei ganz engen Freunden findet.
Man ist einfach man selbst, so wie man ist, so wird man angenommen.
Ohne Wenn und ohne Aber.
Einfach so.
Einfach natürlich, ungewaschen, ungekämmt, frisch aus dem Bett gekrabbelt, halb verpennt aber dennoch wach.
Ich bleibe stehen, schaue raus aufs Meer. Es schläft nicht, es schläft nie, es ist immer in Bewegung, tagaus, tagein, mal mehr, mal weniger. Es ist grau, tiefgrau. Die Wolken hängen tief über dem Wasser. Es sieht nach Regen aus, die Luft richt danach. Da ich keine Regenjacke mit habe, mache ich mich auf den Rückweg. Immer noch kein Mensch am Stand, immer noch alleine.
Mein Blick geht immer wieder zurück, zurück aufs Meer, zurück in die Weite. Kurz vor den Dünen dann Menschen mit ihren Hunden. Trotzdem Stille. Keine Stimmen, kein Kindergeschrei einfach nur Natur.
Ich ‚erklimme’ den Deich, geh die Treppenstufen wieder runter, am Laden vorbei, über den Campingplatz zum Wohnwagen. Ich weiß nicht, ob ich jemanden gesehen oder getroffen habe. Ich weiß nicht, ob der Laden und die Rezeption schon geöffnet sind. Ich bin überwältigt.
Leise mach ich die Tür auf, ziehe die Schuhe aus und betrete den Wohnwagen. Hier ist es warm drin und ganz still. Man hört nur die gleichmäßigen Atemzüge. Niemand wach, alles schläft noch. Es hat niemand mitbekommen, dass ich eine Stunde lang weg war.
Ich ziehe die Jacke und die Hose wieder aus, krabbel die Leiter wieder hoch und verkrümel mich wieder in meinem Schlafsack. Ich döse noch mal ein, bis ich das Rumoren höre. Zeit zum Aufstehen. Ich erzähle von meinem Ausflug an den Strand, von meinem Morgenspaziergang. Es hat wirklich niemand mitbekommen. Ich krieche wieder aus meinem Schlafsack, gehe mich waschen und genieße dann das leckere Frühstück. Wir planen den Tag. Für mich steht aber schon fest: ‚Morgen früh gehe ich wieder an den Strand einfach nur um zu genießen und für einen Moment ganz alleine zu sein!’
©by Strandfloh 2006
Grüße,
Strandfloh.