Vollständige Version anzeigen : Die Sage um Rungholt
Moin, Moin,
und auch dieses Thema gehört hierher, die Sage um "Rungholt"....der versunkenen Stadt um 1362. Hier in diesem Thema möchte ich viele und interessante Infos zusammen tragen....um unsere Fantasie und die bisher vermuteten Erkenntnisse mit Leben zufüllen. Bitte habt Verständnis, das unpassende Beiträge sofort gelöscht werden. Ansonsten freue ich mich auf eine rege Beteiligung und auf informative Beiträge.
Als erstes dazu ein Gedicht von
Detlev von Liliencron
Trutz, blanke Hans
Heut bin ich über Rungholt gefahren,
die Stadt ging unter vor fünfhundert Jahren.
Noch schlagen die Wellen da wild und empört,
wie damals, als sie die Marschen zerstört.
Die Maschine des Dampfers zitterte, stöhnte,
aus den Wassern rief es unheimlich und höhnte:
Trutz, blanke Hans.
Von der Nordsee, der Mordsee, vom Festland geschieden,
liegen die friesischen Inseln im Frieden.
Und Zeugen weltenvernichtender Wut,
taucht Hallig auf Hallig aus fliehender Flut.
Die Möwe zankt schon auf wachsenden Watten,
der Seehund sonnt sich auf sandigen Platten.
Trutz, blanke Hans.
Im Ozean, mitten, schläft bis zur Stunde
ein Ungeheuer, tief auf dem Grunde.
Sein Haupt ruht dicht vor Englands Strand,
die Schwanzflosse spielt bei Brasiliens Sand.
Es zieht, sechs Stunden, den Atem nach innen,
und treibt ihn, sechs Stunden, wieder von hinnen.
Trutz, blanke Hans.
Doch einmal in jedem Jahrhundert entlassen
die Kiemen gewaltige Wassermassen.
Dann holt das Untier tiefer Atem ein
und peitscht die Wellen und schläft wieder ein.
Viel tausend Menschen im Nordland ertrinken,
viel reiche Länder und Städte versinken.
Trutz, blanke Hans.
Rungholt ist reich und wird immer reicher,
kein Korn mehr faßt selbst der größte Speicher.
Wie zur Blütezeit im alten Rom
staut hier täglich der Menschenstrom.
Die Sänften tragen Syrer und Mohren,
mit Goldblech und Flitter in Nasen und Ohren.
Trutz, blanke Hans.
Auf allen Märkten, auf allen Gassen
lärmende Leute, betrunkene Massen.
Sie ziehn am Abend hinaus auf den Deich:
»Wir trutzen dir, blanker Hans, Nordseeteich!«
Und wie sie drohend die Fäuste ballen,
zieht leis aus dem Schlamm der Krake die Krallen.
Trutz, blanke Hans.
Die Wasser ebben, die Vögel ruhen,
der liebe Gott geht auf leisesten Schuhen.
Der Mond zieht am Himmel gelassen die Bahn,
belächelt der protzigen Rungholter Wahn.
Von Brasilien glänzt bis zu Norwegs Riffen
das Meer wie schlafender Stahl, der geschliffen.
Trutz, blanke Hans.
Und überall Friede, im Meer, in den Landen.
Plötzlich wie Ruf eines Raubtiers in Banden:
Das Scheusal wälzte sich, atmete tief
und schloß die Augen wieder und schlief.
Und rauschende, schwarze, langmähnige Wogen
kommen wie rasende Rosse geflogen.
Trutz, blanke Hans.
Ein einziger Schrei - die Stadt ist versunken,
und Hunderttausende sind ertrunken.
Wo gestern noch Lärm und lustiger Tisch,
schwamm andern Tags der stumme Fisch.
Heut bin ich über Rungholt gefahren,
die Stadt ging unter vor fünfhundert Jahren.
Trutz, blanke Hans?
So und nun dürft Ihr!!!! :)
meerkieker
21.06.2006, 21:33
Also ich habe von der Sage das erste Mal gehört, als ich Pellworm besucht habe. Da hat man uns auch erzählt, dass der Briefträger, der bei Ebbe zu Fuß die Post nach Nordstrandischmoor usw. bringt, ab und an nach Sturmfluten Dinge findet, die aus dem alten Rungholt stammen könnten. Außerdem habe man Reste gefunden, die auf eine Siedlung hindeuten.
Ob das nun Seemannsgarn war oder den Tatsachen entspricht... naja ich weiß nicht. ;)
Lieben Gruß
Ulrike
Da gibt es auch sehr interessante Literatur dazu...und damits nicht zu trocken ist, würde ich den Roman: Die große Flut von Waldemar Augustiny empfehlen. Habe lange danach gesucht und dann in Friedrichstadt am Marktplatz in einem Schreibwaren und Zeitschtiftenlädchen gefunden.Ist wahnsinnig gut geschrieben und dreht sich um den Untergang der Insel Strand ( oder wie man vermutet Rungholt). Gruß free
MOIN MOIN,
Rungholt...ein spannendes Thema,
bin schon einige male in dem Gebiet bei der Hallig Südfall im Watt gewesen. Das Gebiet liegt ca. 7 KM von Nordstrand entfernt im Watt. Ein geschichtsträchtiges Gebiet. Man sieht hier und da Kulturspuren. Es gibt Leute, die meinen zu wissen, wo genau Rungholt gewesen sein muß. Einer, der es mit Sicherheit am besten weiß, ist Robert Brauer, der sogenannte Halligfürst. Er hat viele Jahre auf der Hallig Südfall gelebt und kennt sie, wie kein anderer. Ich habe einige male mit Ihm Gespräche geführt und Ihn auf der Hallig besucht, da ich mich ohnehin sehr für die Halligen und ihre Geschichte interessiere. Robert Brauer war ja für den Küstenschutz und für den Vogelschutzverein Jordsand auf Hallig Südfall tätig. Der Verein Jordsand betreut auch einige andere Halligen, wie z.B. Hallig Habel oder die Hallig Norderoog. Um auf Rungholt zurückzukommen, möchte ich hierzu folgendes sagen: die schwersten Sturmfluten an der nordfriesischen Westküste sind in den Jahren 1362, 1634, 1717, 1825 und 1962 verzeichnet. Die erste große Flut, die sogenannte Marcellus-Flut oder -de grote Mandränke- war 1362 und ging 2,40 m über die höchsten Deiche von Altnordstrand, sodaß der Ort Rungholt und sieben weitere in der Edomsharde untergingen. 7600 Menschen ertranken. Rungholt war der Sage nach der reichste Ort der sogenannten Edomsharde. Alles in allem eine interessante Geschichte. Manu, SUPER dass Du das Thema aufgegriffen hast und ich bin gespannt, welche Beiträge da noch folgen. Ich werde hier noch Karten etc. zu beitragen!
Gruß
Megane
Feenhaar
22.06.2006, 21:34
Während das echte Rungholt ein bäuerlicher Handelshafen an einem gut schiffbaren Fluss war und vornehmlich aus Grassoden-Häusern bestand, wurde der Reichtum Rungholts nach seinem Untergang in immer prunkvollere Beschreibungen gefasst.
Noch heute erzählt man sich Wunderdinge über den Reichtum, die Größe und die Gottlosigkeit der Stadt. Besonders der dramatische Untergang Rungholts bot Stoff für eine Legende, die hier gemäß der ältesten Fassung von Anton Heimreich wiedergegeben wird:
Eines Abends hätten demnach mehrere Bauern in einer Kneipe Rungholts zusammen gesessen und getrunken. Dabei hätten sie den Scherz ersonnen, das Schwein des Wirts betrunken zu machen und dann den Pfarrer zu rufen, damit er dem Schwein das Abendmahl geben solle. Als der Pfarrer kam und das Schwein erkannte, weigerte er sich natürlich, ihm den letzten Segen zu geben, worauf die Bauern ihm Prügel androhen wollten. Der Pfarrer aber konnte heimlich entkommen, während sich die Bauern besprachen, was sie mit ihm tun wollten.
Zwei der Bauern aber konnten den Pfarrer verfolgen und ihn auf der Strasse abfangen. Der Pfarrer erkannte sie nicht, und so erzählte er ihnen auf ihre Frage hin, welche Schmach in der Schänke ihm und dem Heiligen Sakrament (= den Hostien) hatte angetan werden sollen. Daraufhin fragten die beiden Bauern, ob er denn die Hostien bei sich hätte, und als der Pfarrer bejahte, baten sie ihn um die Büchse mit den Hostien, die der Pfarrer ihnen auch guten Glaubens gab. Die Bauern aber schütteten Bier in die Büchse, lachten und sagten dazu: „Wenn diese Hostien der Leib Jesu sind, dann säuft er jetzt auch mit uns!“.
Danach hätten sie den Pfarrer ziehen lassen.
Der Pfarrer begab sich daraufhin sofort in die nahe Kirche und betete, dass dieser Frevel an ihm und Gott gerächt würde. In derselben Nacht wurde er daraufhin im Traum gewarnt, dass er sofort gehen solle, denn Gott wolle Land und Leute verderben. Der Pfarrer verließ sofort das Bett und machte sich auf den Weg. Er war kaum in Sicherheit, als die Sturmflut kam. Nur er und zwei Mädchen, die sich auf einer entfernten Kirchweih befunden hätten, wären die einzigen Rungholter Überlebenden gewesen.
In einer anderen Version der Geschichte wird anstelle der Oblaten der Abendmahlkelch des Pfarrers entweiht. Der liturgische Gebrauch eines Kelches kam aber erst 200 Jahre nach dem Untergang Rungholts, nämlich mit der Reformation in dieser Gegend auf. Daher ist sie noch etwas mehr als Legende anzusehen als die erste Sage.
Zu den Legenden um Rungholt zählt auch, dass bei ruhigem Wetter seine Glocken unter der Wasseroberfläche zu hören seien und dass die Stadt unversehrt alle sieben Jahre in der Johannisnacht aus der Erde auftauche. Bei Vineta dagegen will man die Glocken bei stürmischem Wetter hören.
Feenhaar
22.06.2006, 21:39
Die erste große Flut, die sogenannte Marcellus-Flut oder -de grote Mandränke- war 1362 und ging 2,40 m über die höchsten Deiche von Altnordstrand, sodaß der Ort Rungholt und sieben weitere in der Edomsharde untergingen.
@ Megane Du meinst sicher die zweite Marcellusflut, die erste Marcellusflut war im Jahre 1219 und man glaubt, dass damals (1219) rund 36.000 Menschen ums Leben kamen, hauptsächlich im Gebiet der heutigen Niederlande :)
LG
Feenhaar
Moin Moin,
Feenhaar, ich habe mich hier auf die Geschichte Rungholts bezogen. In diesem Fall spricht man von der ERSTEN GROßEN FLUT auch Marcellus-Flut genannt und diese brach am "Tag Marcelli Pontificis", dem 16.Januar Anno 1362 über Nordfriesland herein und dabei ging Rungholt unter. So berichten es die großen nordfriesischen Chronisten in den Büchern über Rongholt und auch die Experten an der Küste.
Gruß
megane
Rungholt
17.01.2007, 12:58
Moin.
Eine kleine Literaturempfehlung.
Ich weiß zwar nicht mehr wer den Roman geschrieben hat aber sein Titel lautet: Die letzten Tage von Rungholt.
Fand das Buch recht gut.
Also ebay aufrufen, bestellen, lesen.
Rungholt
Autorin des Buches "Die letzten Tage von Rungholt" ist Kari Köster-Lösche.
Sie hat noch mehr historische Romane geschrieben, viele spielen in der Region der nordfriesischen Inseln und Halligen.
Ich kann vor allem ihre beiden jüngsten Werke, die historischen Krimis "Mit der Flut kommt der Tod" und "Der Austermörder" empfehlen. Oder die Erzählung "Stille Nacht, eisige Nacht. Als Nis Puk das Weihnachtsfest rettete".
Erstanden habe ich all diese Bücher bei meiner Lieblingsbuchhändlerin auf Langeneß, bei der ein netter Klönschnack im Preis immer inbegriffen ist. Ich habe sogar mal das letzte signierte Exemplar bekommen. :)
Gruß
Bea
rotmalte
17.01.2007, 17:00
Sehr viele spannende und informative Seiten findet Ihr hier:;)
http://www.boelling.de/rungholt/start.htm
bitte alles anklicken, es ist sehr interressant und informativ, obwohl nicht letztendlich aufklärend.:o
LG Andreas
Meine kleine Empfehlung dazu :
Jörn Hagemeister: "Rungholt Sage und Wirklichkeit" Verlag H.Lühr & Dircks
ISBN 3-921416 -10-8
Kleines Buch mit etwa 60 Seiten, gibt einen sehr guten Abriß über den Stand der Rungholtforschung bis 1979.
Die Rungholtforschung wurde ganz besonders von einem Mann geprägt: dem Nordstrander Bauern Andreas Busch. Seine unendlich vielen Untersuchungen und die daraus abgeleiteten Beweise sind durch die Verleihung der Universitätsmedallie der Uni Kiel gewürdigt worden.
Seit 1921 hatte Andreas Busch in der Nähe der Hallig Südfall Warften, Pflugspuren und Kulturspuren entdeckt und als realistischer Forscher und Praktiker versucht, daraus belastbare Rückschlüsse zu ziehen.
Ob Rungholt selbst exisiterte oder nur ein Fantasiegebilde war, was der Ausschmückung der Sage diente und die Fundstellen etwas anderes zu bedeuten hatte, ein eindeutiger Beweis blieb bis 1979 aus, da gelang es Albert A. Panten im vierten Band des Hamburgischen Urkundenbuches eine Notiz zu finden, die tatsächlich den Namen Rungholt nannte.
Dieses erhaltene Originalpergament belegte die tatsächliche Existenz der Edomsharde Rungholt noch im Jahre 1345 ( Testament Wolterus im Staatsarchiv Hamburg Senat CI.X. Vol 4 Ser I ) auf dessen Rückseite eine Aufschrift aus dem Lateinischen übersetzt lautet : "Edomsharde Kirchspiel Rungholt Richter , Ratsleute, Geschworene Thedo Bonisson samt Erben"
Dieser entgültige Beweis über die Existenz Rungholts und die kritische Prüfung sämtlicher verfügbarer Quellen zeigen, dass das Kirchspiel Rungholt in etwa in der Gegend von Südfall gelegen haben muß.
Wie gesagt, ein Abriß / Überblick über die Rungholtforschung, der Autor selbst kam seinerzeit aus SPO.
Vermutlich gibt es mittlerweile aktuellere und ausführlichere Werke, aber zum Einstieg zu empfehlen
Gruß HB
Hallo zusammen.
Detailierte Infos zu Rungholt sind auch bei Wikipedia zu finden unter dem Link
http://de.wikipedia.org/wiki/Rungholt
Viele Grüße
Volker
ProphetVS
17.02.2007, 22:13
Hallo!
Folgende Bücher kann ich auch sehr empfehlen:
Rungholt, Der Weg in die Katastrophe, Bd.1+2, Die Entstehungsgeschichte Rungholts, seine Ortslage, heutige Kulturspuren im Wattenmeer und die Geschichte und Bedeutung von Hans-Herbert Henningsen
Sehr informativ und spannend zu lesen.
Gruß TJ
moin moin,
in dem Buch 'Theodor Storms Schimmelreiter Land ' ist eine Karte von Johannes Mejer, der als der herausragende Kartograph seiner Zeit das Wattenmeer um 1240 kartiert hat.
Dort ist Rungholt nördlich von der heutigen Hallig Südfall eingezeichnet. Weitere Infos gibt es auch in diesem Artikel:http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/19/0,1872,2383187,00.html
viel Spaß beim lesen.
hape
moin moin,
so richtig wird es kaum einer wissen, wo genau Rungholt lag.
Es gibt nur EINEN, der wohl das meiste über Rungholt weiß und wo es einmal war, weil er Jahrzehnte in der unmittelbaren Nähe gelebt hat. Es ist der Halligfürst Robert Brauer.
Viele meinen zu wissen wo es war, es sind aber nur Vermutungen.....
Gruß
megane
moin moin,
zu diesem Thema empfehle ich das Buch von Hans Peter Duerr - Rungholt :top:
Das beschreibt sehr ausführlich seine Suche nach der versunkenen Stadt und die Schwierigkeiten, die mit der sehr dickfelligen Bürokratie seitens des archäologischen Landesamts SH auftraten. Der Aufbau des Buches ist allerdings sehr sachlich gehalten, wer also einen romanähnliches Werk erwartet wird sicher enttäuscht sein.
Letztendlich wird es aber wohl so sein (ich habe das Buch noch nicht ganz durch :D ), dass er zwar sauber die Fakten aufzählt, die die Lage der Stadt plausibel erscheinen lassen, aber den letztendlichen Beweis nicht antreten kann. Ich werde bei Zeiten über den Ausgang berichten.
LG
hape
19leseratte48
01.03.2007, 09:57
Und die Legende lebt weiter - Jahr für Jahr "pilgern" hunderte von
Hobby-Archäologen zu den "Pellwormer Rungholttagen" an Himmelfahrt
http://www.sh-tourist.de/radderge/sagen/rungholt.htm
und hier ist die Sage:
http://gutenberg.spiegel.de/sagen/schleswi/roel0063.htm
Auf Pellworm gibt es das privat geführte "Rungholtmuseum" von Hellmut Bahnsen. Herr Bahnsen sammelt seit über 30 Jahren Artefakte aus der Nordsee und weiß eine Menge über in den Fluten versunkenen Städte und Dörfer. Wer Pellworm besucht, sollte sich dieses Museum nicht entgehen lassen.
Hallo zusammen.
Zum Thema Rungholt hatte ich vor einiger Zeit ein paar Nachforschungen im Internet angestellt. Eigentlich bin ich durch eine Wattkarrenfahrt nach Südfall auf diese Geschichte aufmerksam geworden. Die Frau des Halligwartes hatte uns von der geheimnisvollen Stadt erzählt. Die Ergebnisse dieser Nachforschungen schlummerten auf der Festplatte meines Computers die ganze Zeit vor sich hin. Heute bin ich per Zufall wieder darauf gestoßen. Da war auch eine Karte um 1650 dabei, auf der die Lage von Rungholt eingezeichnet sein soll. Ich habe zwar auch gelesen, dass diese Karte mit Vorsicht zu genießen sei, poste sie aber trotzdem hier, da sie zum Thema passt.
http://img113.imageshack.us/img113/8560/halligen1650lizensfreile3.png
Viele Grüße
Volker
12. September 2008 | Von Sebastian Bronst
Ein Mythos oder wahre Geschichte? Das versunkene Rungholt beschäftigt Archäologen und Historiker. Sie suchen im Nordseeschlick nach Resten der mittelalterlichen Siedlung.
Oft entstehen historische Legenden durch Fantasie und Zufall. Im Fall von Rungholt war es die Leidenschaft eines Hobbydichters, der ein uraltes Schauermärchen vor dem Vergessen bewahrte: 1882 ließ sich der Pellwormer Landvogt Detlev von Liliencron von lokalen Sagen zu einer romantischen Ballade über die sagenhaft reiche, in den Fluten der Nordsee versunkene Stadt inspirieren. Das Stück wurde berühmt, und spätestens als ein Husumer Bauer rund 40 Jahre später im Nordseewatt auf die Überreste jener Siedlung gestoßen zu sein glaubte, war der Rungholt-Mythos geboren. Hatte das unglückliche "Nordsee-Atlantis" tatsächlich existiert?
Hier der ganze Artikel:
http://www.shz.de/schleswig-holstein/panorama/artikeldetail/article/237/rungholt-archaeologen-entzaubern-die-legende-vom-nordsee-atlantis.html
Wie man sehen kann, ist dieser thread in unserem Forum schon seit zwei Jahren offen und viel Interessantes wurde berichtet... nun muss ich selber endlich mal ein wenig "Geschichte" lernen...:o :top:
dervomeer
14.09.2008, 20:49
Ein paar Dinge sind mir beim Durchlesen aufgefallen.
Meerkieker
dass der Briefträger, der bei Ebbe zu Fuß die Post nach Nordstrandischmoor usw. bringt
Da Du auf Pellworm warst, wirst Du den Briefträger meinen, der einzig nach Südfall rübergeht zufuß. Nach Nordstrandischmoor (Lüttmoor) verläuft ein Damm und wird nicht vom Briefträger angelaufen.
free
Die große Flut von Waldemar Augustiny
Das Buch hat zwei verstrickte Handlungen über Flut. Zum einen die große Ostseeflut 1842 auf der Halbinsel Birknack, einer Landspitze am Ausgang der Flensburgen Förde. Zum anderen das Schicksal mehrerer Menschen in der Flut ihres Lebens. Sehr lesenswert.
Augustiny nebenbei war Chefingenieur einer großen Werft in Hamburg.
Megane/Feenhaar
Gemeint ist die 2. Marcellusflut = 1. Grote Mandränke im Jahre 1362.
Dabei gingen große Gebiete unter, nicht nur Rungholt.
HB
da gelang es Albert A. Panten im vierten Band des Hamburgischen Urkundenbuches eine Notiz zu finden, die tatsächlich den Namen Rungholt nannte
Darüber hinaus gibt es schriftliche Einträge der Brügger Kaufmannschaft über Handelsfreiheit für Rungholter Kauffahrteischiffe, was insgesamt Rungholt wohl aus der Ecke der Sagen heraushebt.
Zu den Bücher, meiner persönlichen Einschätzung nach:
Hagemeister: Interessant und sachdienlich. Hat aber einen Rechenfehler, was Wasserstandshöhen angeht. Ist aber unmaßgeblich für den Gesamtinhalt.
Henningsen: Für so ein umfangreiches Werk zuviel Vermutung, Theorie und Deutung. Zuwenig handfeste Ergebnisse.
Duerr: Grob gesagt: Findet im Watt eine pastorale Fibel und stellt fest: Hier war ein Pastor, also hat hier die Kirche gestanden, also war hier das Dorf, also war hier Rungholt.
Man geht heute davon aus, dass er einen ebenfalls untergegangenen, dann aber wieder aufgebauten Nachbarort gefunden hat.
Zur abgebildeten Karte von Johannes Bleau, 1662:
Wenn man davon ausgeht, dass fast das gesamte erfasste Gebiet vor 1362 fast durchgängig nicht Festland, aber geschlossen war, dann zeigt die Karte annähernd die Insel Nordstrand von nach der Flut. Geblieben von der ehemaligen Insel Strand ist ein Halbbogen vom heutigen Pellworm zum heutigen Nordstrand. Dazu oberhalb die Reste der vorher bereits durch Flussläufe getrennten Landstriche. In der Mitte die große Bucht und darunter der Heverstrom. Natürlich, wie man heute weiß, befand sich Rungholt nicht an der dort bezeicheten Stelle in der Mitte der Bucht. Es sollte eher auf der Nordwestseite der Hallig Südfall zugeordnet werden. Man muss davon ausgehen, dass die Karte erst nach der zweiten großen Mandränke 1634 gezeichnet worden ist, als von dem hier abgebildeten Halbbogen nur noch die beiden Zipfel übrig waren; die Halligen nicht miterwähnt. Täuschen mag auch der seit alter Zeit bekannte Rungholtsand, der sich heute vor Nordstrand befindet.Tatsächlich ist er ein Wanderer und lag früher weiter westlich.
Man sollte sich unter Untergang auch nicht vorstellen, dass die Landstriche in einer Nacht weg waren. So wurde, wie oben erwähnt, der Nachbarort Frederingscap vel Rip wieder aufgebaut. Mit wieviel Erfolg auch immer. Es ist eher so zu verstehen, dass eine Gegend in der Sturmflut unterging. Die Deiche soweit vorhanden warden weggerissen, das Land überflutet. Da das Land zumeißt tief lag und nun schutzlos war wurde es in der Folgezeit natürlich zweimal täglich überspült. Das war dann der schleichende Untergang des Gebietes, wenn es nicht gelang, es rechtzeitig wieder `Wasserfest´ zu machen, bevor es zu Watt geworden war. In manchen Gegendes gelang das unter unbeschreiblichem Aufwand, in anderen nicht. Auf jeden Fall war es auch für Jahre landwirtschaftlich wegen der Versalzung nicht zu bewirtschaften. Die aufgegebenen Gebiete mussten dann irgendwann von den Einwohnern verlassen werden, soweit sie bis dahin überlebt hatten. Aber nicht alle waren darüber traurig. So finden sich in der Hooger Kirche Einrichtungsgegenstände der aufgegeben Osterwohlder Kirche. Man nimmt an, dass selbst ihre Mauersteine dort abgetragen wurden.
nordstrander
14.09.2008, 21:22
Es ist der Briefträger nach Süderoog, denn nach Südfall wird die Post nicht gebracht, da der Bewohner seinen Hauptwohnsitz auf Nordstrand hat und dort auch die Post landet. Die Post von Nordstrandischmoor wird zweimal wöchentlich auf Nordstrand abgeholt.
Ich habe noch eine Karte von vor 1362 und werde die, wenn ich die auf eine normale Grösse gescannt habe, hier einstellen.
Juliane Werding und auch Achim Reichel haben die Sage von Rungholt vertont, jeder auf seine Weise und beide Lieder toll!
Bine
dervomeer
15.09.2008, 19:20
Tschuldigung, tut mir leid. Da habe ich mich natürlich verdaddelt. Selbstverständlich läuft der Briefträger nach Süderoog.
Moin zusammen!
Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie Rungholt (möglicherweise) ausgesehen hat, kann das demnächst im Heimatmuseum Nordstrand tun. Dort soll ein Modell von Rungholt ausgestellt werden.
Mehr dazu unter http://www.shz.de/lokales/husumer-nachrichten/artikeldetails/article/805/rungholt-zum-greifen-nah.html
Ich finde es sehr beachtlich, dass dies ehrenamtlich auf die Beine gestellt wird! :cool:
Gruß
Bea
nordstrander
02.10.2008, 13:25
Ich finde es immer lustig, wie Namen in einem Zeitungsbericht verfälscht werden können.
Da der Bastler mein Vater ist, kann ich mit 100%iger Sicherheit sagen, er heißt Heino Hansen.
Aber es macht echt Spaß, zu sehen, wie das Modell jeden Tag ein wenig mehr wächst und Gestalt annimmt.
Wenn Interesse besteht, kann ich mal Bilder posten von dem Modell.
Ich für meinen Teil kann nur sagen, ich bin gespannt auf das neue Heimatmuseum. Wenn in alle Ausstellungstücke so viel Liebe zum Detail gesteckt wird, muss es super werden.
Wenn Interesse besteht, kann ich mal Bilder posten von dem Modell.
Ja, das würde mich - und bestimmt auch andere Forumsmitglieder - sehr interessieren.
Gruß
Bea
nordstrander
08.10.2008, 15:32
Hier wie versprochen die Bilder:
http://img79.imageshack.us/img79/6755/pict1993pl6.jpg
Das Modell ohne Südfall und auch noch ohne Warften, Deiche, Häuser, Schleusen, Büsche
http://img505.imageshack.us/img505/5669/pict1997gg1.jpg
Eine Detailansicht. Modellbauer erkennen das Gras von Modelleisenbahnen, die Straße ist aus buntem Sand, die Wasserläufe bekommen noch Schleusen. Die Deiche werden an der weissen Linie sein und rechts ist gepfügter Acker zu erkennen.
http://img352.imageshack.us/img352/7785/pict1998mi3.jpg
Die Warften und Häuser: hergestellt aus Gips
http://img376.imageshack.us/img376/1927/pict1999hc7.jpg
Die Deiche noch in der Rohfassung aus Gips
http://img58.imageshack.us/img58/2228/pict1990ps0.jpg
Die Zäune und Schleusen
http://img148.imageshack.us/img148/8646/pict1991wu7.jpg
Die Büsche auch aus dem Modellbau
http://img519.imageshack.us/img519/2558/pict1992wp2.jpg
Südfall heute, noch in der Rohfassung. Es wird am Ende als abnehmbares Teil auf dem Modell liegen.
http://img355.imageshack.us/img355/8080/pict2000qv1.jpg
So in etwa wird Südfall auf dem Modell liegen.
@ Nordstrander
Vielen Dank für die Fotos.
Ist ja echt interessant.
Aber da gibt es ja noch jede Menge zu tun, bis das Modell fertig ist. Ich denke, man kann sich erst dann ein ungefähres Bild von den Dimensionen Rungholts machen, wenn auch die Warften und Häuser an Ort und Stelle sehen. Es wäre daher ganz toll, wenn Du nach der Fertigstellung weitere Fotos hier posten könntest.
Und richte bitte dem Rungholt-Erbauer meine Grüße aus. Das hat er ganz toll gemacht. :cool: :eek: :cool:
Vor allem die Zäune finde ich beeindruckend, da steckt ja wahnsinnig viel Arbeit drin.
Gruß
Bea
nordstrander
08.10.2008, 16:07
Fertig werden wird es erst im Januar oder Februar 2009. Das Heimatmuseum macht erst im Frühjahr 2009 seine Tore auf. Die Renovierung und teilweise Umbau der Räume des neuen Museums nimmt durch die Eigenleistung der Mitglieder meist Arbeitnehmer sehr viel Zeit in Anspruch. Danach geht dann die Einrichtung los, dauert auch seine Zeit.
Ich werde aber die Bilder auf jeden Fall posten.
Heute abend poste ich noch die URL für den Zeitungsartikel, der gestern in der Zeitung war.
nordstrander
10.10.2008, 19:19
Leider ist der Artikel auf shz.de nicht mehr zu finden, sorry.
Sieglinde
20.01.2009, 16:18
Moin Moin,
im heutigen Hamburger Abendblatt habe ich einen interessanten Artikel zur Sage von Rungholt gefunden:
http://www.abendblatt.de/daten/2009/01/20/1016044.html
Viel Spaß beim Lesen wünscht Sieglinde
schipperhus
22.01.2009, 12:18
Na ja, mit viel Spaß hat das nichts zu tun, denn was da steht, entspricht in nicht unwesentlichen Teilen nicht den Tatsachen.
Der "Bauer" war nicht aus Husum sondern von Nordstrand.
Die Funde im Watt belegen, dass reger Handel stattfand, so stammen z.B. die Tongefäße aus dem Rheinland und wie sollen die wohl dahingekommensein, wenn nicht mittels Schiffsverkehr.
Eine "Siedlung mit 500 - 1.000 Einwohnern" war zu dieser Zeit schon sehr bedeutend und hatte aller Wahrscheinlichkeit nach Stadtrechte. Dafür spricht auch die Tatsache, dass die Stadt ein eigenes Siegel hatte - es existiert eine entsprechende Urkunde.
Und dass man keine "Hinterlassenschaften einer vermögenden Oberschicht" gefunden hat, ist doch selbstverständlich. Es hat in 1362 mit Sicherheit Überlebende gegeben und die werden wohl kaum wertvolle Gegenstände so einfach dem Meer überlassen haben.
Fazit: Ein äußerst schwacher Kommentar des Verfassers Sebastian Bronst, der sich m.E. nach in keinster Weise auch nur ansatzweise mit der Geschichte Rungholts befasst hat.
Austernfischer
23.01.2009, 12:08
Hallo zusammen,
wer dazu kompetente Infos aus erster Hand möchte, kann sich jetzt schon zu den Nordstrander Rungholttagen 2009 vom 21.08.-23.08.2009 anmelden:
http://www.rungholttage-nordstrand.de
Wir waren letztes Jahr dabei, und es war wirklich toll. Erstklassiges Programm und sehr unterhaltsam.
Viele Grüße,
Austernfischer
nordstrander
14.02.2009, 22:01
Hallo Leute,
das Modell ist fertig und kommt Mittwoch ins Heimatmuseum.
Wie versprochen liefere ich hier die Bilder:
http://img3.imageshack.us/img3/3064/pict2138mg9.jpg
http://img3.imageshack.us/img3/8951/pict2134qq3.jpg
http://img3.imageshack.us/img3/6181/pict2142pr9.jpg
http://img3.imageshack.us/img3/9576/pict2147kv8.jpg
Heutiges Südfall, abnehmbar
http://img3.imageshack.us/img3/2862/pict2152pr6.jpg
Heutige Warft auf Südfall
http://img3.imageshack.us/img3/7703/pict2148cz9.jpg
http://img3.imageshack.us/img3/2817/pict2153wb3.jpg
Schleusentore (die zwei weißen Teile sind Schuten und werden noch bemalt)
Momme Mannüberbord
24.05.2009, 19:05
http://i188.photobucket.com/albums/z298/Lyra-Kultur/Kieferskizze573.jpg
Diese Skizzen von Fundstücken, die André Wilkerling dort fand, wo er Rungholt vermutet, habe ich bei der kleinen Ausstellungseröffnung im Hotel England auf Nordstrand vor wenigen Tagen gezeichnet. André arbeitet an einem Buch über seine Fundstücke. Das sind z. Teil ganz passable Scherben und gute Fotos, die auf Grundrisse etc. schließen lassen. André und sein Bruder Wilken betreiben das Hotel England auf Nordstrand und dort werden die Fundstücke auch in einer Vitrine gezeigt. Ich zeichne mal weiter:
http://i188.photobucket.com/albums/z298/Lyra-Kultur/Kieferskizze658.jpg
Hier nochmal etwas deutlicher:
http://i188.photobucket.com/albums/z298/Lyra-Kultur/Kieferskizze760.jpg
Die kleinen phallischen Teile scheinen Griffe gewesen zu sein.
Ich habe auch noch einen muschelbewachsenen Topf gezeichnet, aber das Foto habe ich noch nicht. Das kommt dann später.
Momme Mannüberbord
25.05.2009, 07:38
http://i188.photobucket.com/albums/z298/Lyra-Kultur/Scrapbook.jpg
Ich habe gestern Abend angefangen, eine kleine website zum Thema anzufangen und werde Ande mal bitten, seine Fundstücke einzeln zu fotografieren, um sie auf dieser Seite aufzulisten. Kann ich aus diesem Thread Inhalte verwenden, um die kleine zusammenfassende Heimseite RUNGHOLT (http://www.myspace.com/rungholt1) so nach und nach zu komplettieren?
Moin zusammen!
Ich bin gerade auf einen interessanten Artikel gestoßen: http://www.shz.de/lokales/der-inselbote/artikeldetails/article/803/rungholt-noch-immer-voller-raetsel.html
Dass Rungholt nicht nur für einheimische Hobby-Forscher oder sonstige Enthusiasten (und das ist überhaupt nicht abwertend gemeint, ganz im Gegenteil) ein interessantes Betätigungssfeld ist, sondern dass sich tatsächlich auch Wissenschaftler noch professionell intensiv mit Rungholt beschäftigen und hier durchaus noch Forschungsbedarf sehen, das war mir so gar nicht bewusst.
Rungholt soll laut Aussage eines Kieler Geographie-Professors wesentlich größer gewesen sein als bislang angenommen. Das belege eine geologische Karte aus dem Jahr 1980.
Ich bin gespannt, was die Rungholt-Forschung noch so alles ans Licht bringen wird.
Gruß
Bea