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Vollständige Version anzeigen : Meerkampf. Watt?


Momme Mannüberbord
05.05.2009, 08:05
Über die besonderen Kämpfe der Menschen hinter den Deichen.....


Sie betrachten das Watt der norddeutschen Elbmündung als kreative Spielwiese: Die Macher der “Wattolümpiade“. Vordergründig geht es um die sinnliche Lust am Schlick, um sportähnliche Wettkämpfe bei Ebbe und um die eigenwillige Gedankenwelt der “Watt-Psychologie“. Dahinter geht es mit dem Künstler Jens Rusch als Hauptfigur um Spendengelder für Beratungsstellen der Krebsgesellschaft, um das Niemals-Aufgeben und um eine von Ebbe und Flut geprägte Haltung zum Leben.

Das amphibische Watt und die Deichlandschaft bilden die Kulisse, vor der sich “Wattikan“ und “Wattleten“ austoben. Sie stampfen ein Spektakel aus dem Deich, das trotz seines ernsten Hintergrunds nicht ganz von dieser Welt zu sein scheint.


Hier kann man den Trailer zum Film von Frank D. Müller betrachten:


Meerkampf. Watt? (http://www.meerkampf-watt.de/trailer.html)

http://www.meerkampf-watt.de/Resources/item2a.jpeg

Momme Mannüberbord
19.08.2009, 07:52
„Der Krebs ist ein Kriegsherr, der seine Gefangenen hilflos macht und oft grausam zu Tode foltert. Besser kann ich das nicht ausdrücken.
Mir kam während meiner eigenen Tortour immer wieder die Szene aus dem Film von Ridley Scott in Erinnerung, als sein „Alien“ im Bauch des Astronauten rumort und schließlich die Magenwand durchbricht um „geboren“ zu werden. Nie wurde eine passendere Metapher für Krebs geschaffen und es war ein Filmemacher, kein Arzt oder Wissenschaftler, der latente Ängste auf geniale Weise transformierte.

Das ist deshalb so ungeheuer wirksam, weil man damit an verdrängte, individuelle Angstvisionen appellieren kann.

Daher gilt eines der Hauptanliegen unseres Engagements eben auch dem Abbau dieser Verdrängungsmechanismen, die sich um den Umgang mit Krebs und Krebsbetroffenen entwickelt haben.

Wie aber erreicht man Menschen, deren psychologisches Schutzschild, deren Verdrängungspotential ja nicht grundlos eine Selbstschutzfunktion ausführt?

Wir fassten vor sechs Jahren den waghalsigen Entschluss, diese Extreme in ihr absolutes Gegenteil zu kehren: In Spaß und Ausgelassenheit, in kuriose Kreativität, in pure Vordergründigkeit.

Wir waren unsicher, ob das verstanden werden würde, denn der Nutzen für die Krebsbetroffenen sollte konsequent hintergründig verlaufen. Ein fragiler Balance-Akt, der jedoch bestimmend für Akzeptanz und Unterstützungsbereitschaft werden könnte.

Genau diesen Aspekt zu illuminieren hat sich der Filmemacher Frank D. Müller zur Aufgabe gemacht – und war sich bis zum Abschluss der Schneidearbeiten unsicher, ob er diesem Anspruch gerecht werden könnte.

Wie bringt man die rund um den Erdball kolportierten Fotos und Filmszenen von schlammverschmierten „Wattleten“, von semierotischen Watt-Sufragetten und Schlammfetischisten mit diesem ernsthaften Anliegen in Einklang? Wie kann die chaotische Sprachregelung der Organisatoren, des sogenannten „Wattikans“, können verrückte Sportarten wie „Aalstaffellauf“ oder „Fischtennis“ eine Unterstützungsbereitschaft bei Skeptikern entfachen?

Es scheint zwischen diesen Aspekten eine unüberwindbare Kluft zu geben, eine Nichtdarstellbarkeit.

Müller scheint den einzigen Weg gefunden zu haben. Es sind die wenigen Personen, in deren Köpfen die Pole sich zusammenfinden. In diesem minimalistischen Schmelztigel lokaler
Kreativität scheinen die Widersprüche aufgehoben, hat sich eine positive Spiegelfechterei mit dem Damoklesschwert „Krebs“ seinen Weg gesucht.

Frank D. Müller gewann das Vertrauen der Beteiligten und sie ließen ihn in ihre mentalen Intimbereiche, verhüllten auch dort kein Lindenblatt im Drachenblut.

Sein Stilmittel, ein lockerer Reportagecharakter, erleichterte den Beteiligten die Selbstdarstellung. Einige der Mitstreiter leben inzwischen bereits nicht mehr, ihnen bleibt eine Premiere leider versagt.