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Vollständige Version anzeigen : "Kunst-Landschaft"06


KatzemitHut
24.06.2006, 12:18
Am Zufahrtsweg zum Speicherkoog glänzt das neueste Kunstwerk der "Kunstlandschaft 06"!Die Wuppertaler Künstlerin Susanne Kessler hat den "Fliegenden Tempel" kreiert!
Von der Straße aus:

http://foto.arcor-online.net/palb/alben/94/1852594/1024_3333656632306439.jpg
Sieht man leider etwas "Flach"-----
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/94/1852594/1024_6436376661373761.jpg
-------und vom Deich wird die Sicht auch nicht besser.
Nun frage ich mich: a) was sucht ein griechicher Tempelgrundriss in Dithmarschen und WAS bitteschön fliegt da?? b) gibt es keine eigene Kultur,die man zur Kunst heran ziehen könnte?? c) Warum setzt man "Kunstwerke " inmitten von Kuh-und Schafweiden - für den Betrachter nur aus größerem Abstand zu betrachten?(Oder wie hier - auch nicht)Man kann es nicht aus der Nähe ansehen,denn es gibt keinen >Zugang zu "dem Gebilde".

Das eigentliche Kunstwerk für mich,war diese uralte Deichverstärkung ( ich nehme an,es ist etwas in der Art?) auf dem Schafsdeich oberhalb des "Kunstwerkes"!!
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/94/1852594/1024_6630316362336263.jpg
Ach ja - noch nebenbei bemerkt:diese "Kunstinteressierten Deichgänger" schauten etwas verärgert - ob des Lärms,der vom "Golfclub" durchs Land schallte!!
http://foto.arcor-online.net/palb/alben/94/1852594/1024_3832653734663661.jpg

Findus
25.06.2006, 18:17
Also - auf so ein Minenfeld würde ich mich gerne einmal begeben und mit diesen Künstler ein wenig plaudern. Ich nehme mir nämlich das Recht heraus, so etwas allerhöchstens als "Objekt" zu bezeichnen. :o Und ich meine so ein Recht auch zu haben - vor allem als Mensch und obendrein bin ich auch Künstler (Schauspieler/Puppenspieler & Regisseur).

Das ganze erinnert an einen Kunstpfad, der vor zwei Jahren in Braunschweig rund um die Oker "angelegt" wurde und bei dem fast alle Objekte solche Sch.... wachsinns-Objekte waren. Bei einer solchen Kunstführung habe ich mir auch das Maul verbrannt - aber das hat allen anderen Teilnehmern der Führung auch den Mut gegeben, sich ehrlich über diese "Kunst" zu äussern. Die Führerin wusste gar nicht, wo ihr der Kopf stand. Vielleicht sollten viel mehr Menschen einfach mal ehrlich sagen, was sie von solcher "Kunst" halten....?

kk
25.06.2006, 21:02
Ich finde es doch etwas befremdlich, wie sich hier zwei "Künstler" über die Arbeit einer Kollegin auslassen.
Es soll vorkommen, dass man mit dem was als Kunst gelten soll nichts anfangen kann, geht den beiden Herren mit ihren Künsten sicher auch manchmal so.

Um mal eine Lanze für die Künstlerin des "Fliegenden Tempels" zu brechen hier mal ein Zitat von den Internetseiten des Kulturnetz Schleswig-Holstein (http://www.kulturnetz-sh.de/news/anz.php?id=1877):
„Der Fliegende Tempel“, Standort: Warwerort
Grundlage und Ausgangspunkt für den „Fliegenden Tempel“ von Susanne Kessler bildet die antike Tempelanlage von Poseidonia (Paestum), erbaut vor etwa 2.500 Jahren von Griechen im heutigen Italien. Die Stadt entstand in einem Landstrich, der durch Landgewinnung und Entwässerung den Sümpfen abgerungen wurde. Susanne Kessler zeichnet den Grundriss dieses Tempels an der Dithmarscher Küste in Form einer Installation nach – im Originalformat 32,50 x 14,30 Meter, aber mit Seilen, Draht, Pfählen und Alugestänge. Sie führt die Seile in Anlehnung an die Göttin Athene wie eine Weberin zu einem Ganzen. Die Maße und Proportionen werden aus uralter Landschaft entliehen und versetzt in die junge Landschaft, die vollständig erst 1978 dem Meer entrissen wurde, als sich die Deichlinie vor der Meldorfer Bucht schloss. Es entstehen neue Bezüge, die Parallelen bei der Landgewinnungs- und Meeresproblematik sind frappierend: Wie die Stadt am Golf von Salerno wurde auch dieser Ort dem Meer entrissen. Der sakrale Ort aus einer anderen Zeit tritt in Dialog mit den Kultstätten auf der nahen Geest. Geschichte wird zum Event, über Zeit und Raum überraschend neu erfahrbar. Susanne Kessler, 1955 geboren in Wuppertal, 1975-82 Hochschule der Künste, Berlin Meisterschülerin von Prof. Gerhard Bergmann, 1982-83 DAAD- Stipendium, Royal College of Art, London, Royal College of Art Exchange Scholarship, 1984 Stipendium des Deutsch –Französischen Jugendwerk, Paris, 1992 Paul-Strecker-Preis, Mainz, 1995 Kaiserringstipendium, Mönchehausmuseum für moderne Kunst Goslar, 1995 “Artist in Residence”, Lalit Kala Academi, New Delhi - Max Mueller Bhavan,1996 “Artist in Residence”, Goethe-Institut Lahore, Pakistan, 2001/2 Gastdozentin der California State University, Stanislaus – USA, 2003 “Artist in Residence” Int.Fadjr Festival, Teheran, Iran, lebt und arbeitet in Rom und Wuppertal
Ich habe mir erlaubt darin einige Zeilen blau zu markieren, damit bekommt das "Objekt" eine ganz andere Bedeutung, einen ganz anderen Bezug zum Standort.

KatzemitHut
26.06.2006, 07:34
Eine gestern verfaßte Antwort habe ich gelöscht ( Grund :falsche Formulierung)!

Ich habe mir erlaubt darin einige Zeilen blau zu markieren, damit bekommt das "Objekt" eine ganz andere Bedeutung, einen ganz anderen Bezug zum Standort.
__________________
http://www.cosgan.de/images/more/bigs/c031.gif -----das "blau" könnte man aber "zweideutig" auffassen!!;)

Danke für die ausführliche Deutung des Kunstwerkes!Selbstverständlich bekommt es einen Bezug zu dieser Landschaft.Vergiß aber bitte nicht - mehr,als die Hälfte der Bevölkerung bezieht keine Tageszeitung und so bleibt für viele der Sinn dieser Aktion verborgen.
Die in der Presse abgebildete Variation ist durch optische Raffinesse ganz anders zu sehen,als die,mit dem Auge erfaßte Darstellung.
Für den normalen Spaziergäner,zeigt es sich so,wie auf den Fotos oben -
ein wenig "weitab vom Betrachter"!;)
Schade finde ich allerdings - das Du das Wort Künstler im Bezug auf Findus und Jens so abwertest ("")!Eine "begreifliche Kunst",wie Jens sie (unter anderem) in seinen Plastiken zeigt - sagt dem "Kunstlaien" aber entschieden mehr,als ein Gewirr aus Wäscheleinen,die hochtrabend "Tauwerk" genannt werden.Zu Findus - darstellende Kunst(Schauspiel/Regie) ist auch nicht mit bildender Kunst (Bildhauerei/Malerei/Fotokunst) zu vergleichen.Jede Form von Kunst ist in sich einmalig - nur WAS alles als Kunst "hoch gejubelt" wird - das ist oft ein wenig überdreht.
Ganz zum Schluß noch eine Frage:soll Kunst für die Allgemeinheit gemacht - oder nur für,einige wenige "Kunstexperten" ( oder die sich dafür halten!!)sein??????
Du verzeihst,lieber kk :D , ich habe die Frechheit einer "eigenen Meinung" - Du nimmst es mir hoffentlich nicht krumm.:D:D :D

Findus
26.06.2006, 12:06
Auch ich nehme es Dir, kk, nicht krumm, was Du geschrieben hat.
Ich vergass, zu erwähnen, dass ich bei meinen Produktionen und denen, in denen ich mitwirke, darauf achte, dass ich klare Aussagen schaffe, die jeder Mensch sofort erkennt und die für die breite Masse gedacht sind - für Otto (&Ottilie) Normalschauer. Nix abstraktes sondern eben greifbar und für jedermann/frau verständlich.

Ich ecke bei Kollegen an, weil ich "nur" unterhalten und nicht "tiefsinnig belehren" will.

Zitat:"Der sakrale Ort aus einer anderen Zeit tritt in Dialog mit den Kultstätten auf der nahen Geest. Geschichte wird zum Event, über Zeit und Raum überraschend neu erfahrbar."

Das stimmt eben nur teilweise, für "normale" Betrachter würde ein grosses Plakat mit der gesamten Beschreibung eher helfen (obwohl diese teilweise auch sehr abstrakt abgefasst ist) oder ein richtiger Nachbau des Tempels - da kann man sich nämlich mehr drunter vorstellen als unter den "Leinenquadraten".

Croudy
26.06.2006, 12:41
Wie wollen die das Gras dadrunter eigentlich kurz halten bzw. mähen? Das wächst bestimmt irgendwann zu, vielleicht nimmt dann der Tempel Gestalt in Form eines riesigen Grashauses an... :D

Findus
26.06.2006, 20:32
Schön wär's - dann wird's begreifbar. (siehe oben)! :D

KatzemitHut
27.06.2006, 06:46
Wie wollen die das Gras dadrunter eigentlich kurz halten bzw. mähen? Das wächst bestimmt irgendwann zu, vielleicht nimmt dann der Tempel Gestalt in Form eines riesigen Grashauses an... :D

Eine durchaus interessante Frage!!:D :D :D
Werde in Abständen ( komme ja öfter dort vorbei) sehen wie sich das dort verändert.Falls es sich lohnt,werde ich noch einmal fotografieren.

free
27.06.2006, 14:40
:D Klasse eure Ansichten, ...die , die sich trauen zu sagen, was andere denken....
Ich sachs ja immer ...was das iss Kunst.?..nee nee, Kunst mag ich nich....
Gebs ja zu, vielleicht bin ich eine Kunstpanause... aber was solls ich mag auch lieber Sachen die man versteht ohne daß man dreimal nachfragen muß. Theaterstücke, bei denen ich auch mal laut lachen darf und nicht am Husten ersticken muß, da die Luft zu trocken ist. Und Musicals und die Natur wie sie Gott geschaffen hat. Ob nun Griechenland in Dithmarschen oder Windmühlen in Griechenland ist doch egal . Hauptsache schööön .... Und Schönheit ist halt nun mal Ansichtssache. Gruß free:)

Jochen
28.06.2006, 08:15
... polarisiert
... ist einmalig
... ist subjektiv
... ist ein Werk
... ist politisch
... besitzt Schöpfungshöhe
... ist die Verwirklichung einer Idee
... kann gefallen, muss es aber nicht
... ist hintergründig
... hinterfragt
... erklärt
... ist philosophisch
... schafft Wissen
... undundund

Über was wird hier eigentlich diskutiert? Darüber, dass jemandem etwas nicht gefällt, was andere als Kunst bezeichnen? Na und? Wie viele Kunstwerke gibt es? Wie sinnig- oder unsinnig empfindet man sie? Mir gefallen z.B. einige Werke von Beuys oder Christo nicht, aber das spielt keine Rolle und es ist und bleibt Kunst. Man hat sich etwas dabei gedacht (was auch immer), es umgesetzt, einen Sinn darin erklärt, fertig - es ist definitiv Kunst. Wir stehen jeden Tag Kunstwerken gegenüber, die wir als solche nicht betrachten und die trotzdem Kunst sind (Architektur, Designs, Grafiken, Texte, Fotografien, ... auch das Leben im weitesten Sinne). Diskutieren wir darüber? Nein. Fakt ist, Kunst ist Kunst. Es gibt Definitionen, die aber nie eindeutig sein können, da Kunst eben subjektiv ist. Kunst ist einmalig. Kunst wird auch immer die Meinungen spalten, Kunst wird immer diskutiert werden. Aber genau dadurch wird es zu Kunst. Also sollten wir es als das akzeptieren, auch wenn man es nicht mag und vielleicht auch keinen Sinn darin sieht. Ach ja, selbst Schimpansen können Kunst produzieren, nicht weil sie sich etwas gedacht haben, sondern weil es irgendjemandem gefallen hat, Millionen kostet und einmalig ist.

Da bleibt nur noch der Satz:"Kunst ist, was gefällt" (Und dabei ist es egal, wem und wie vielen)

Ich denke kk hat mit seinem Zitat die Erklärung geliefert. Diese finde ich sogar äußerst interessant. Ich würde sagen: aktzeptieren und dem Werk offen gegenüberstehen. Was meint Ihr?

Gruß
Jochen

KatzemitHut
28.06.2006, 10:43
Ich habe mit niemand diskutiert - und schon überhaupt nicht gesagt,"das gefällt mir nicht"!
Es war mehr eine persönliche Überlegung über den Sinn ( oder Unsinn?) den Kunst im öffentlichen Leben hat.
Die Fragen,die ich (mehr MIR selbst ) gestellt hatte,sind auch mit den ( oft zitierten ) Sprüchen im vorstehenden Beitrag nicht beantwortet. http://www.cosgan.de/images/smilie/konfus/a050.gif http://www.cosgan.de/images/smilie/konfus/a050.gif Angesichts ausgestellter Leichen muß ich allerdings NICHT mehr über "Kunst" nachdenken!!

Jochen
28.06.2006, 14:20
Wollte niemanden angreifen und mit Sicherheit keinen Ärger mit meinem Posting heraufbeschwören.

Habe mir nur meinerseits Gedanken zum Thema Kunst gemacht und diese gepostet. Und Kunst zu erklären nehme ich mir nicht heraus, das sollte der Künstler tun.

blue
29.06.2006, 20:22
Warum das Kunst ist:

Der Bauer, der die Grünfläche mit den Bespannungen mähen soll, sagt:

Dat kunst nich mehr meihen... ;-)

Momme Mannüberbord
29.12.2008, 17:46
Dieser Disput liegt weit genug zurück, um vielleicht mit ein wenig sachlicher Distanz über einige generelle Dinge zu reden.



1. Sollte man sich darüber klarwerden, daß die generelle Unmöglichkeit einer objektiven "Bewertung" automatisch auch mißbrauchbare Freiräume schafft.
2. Sollten jene, die dieses soweit akzeptieren, auch eine Diskussion darüber zulassen, wie diese Mißbräuche perfektioniert werden können, um in das alltägliche Kunstgeschehen kritiklos einfließen zu können.
3. Fachleute, die hierüber befinden könnten, sollten zumindest Historiker, möglichst jedoch selbst erfahrene Künstler sein.
4. Äussern sich Künstler in dieser Form, ist es realitätsfern, sofort von "Kollegenschelte" zu reden.