Vollständige Version anzeigen : Lebensmittelverschwendung in Büsum
Während meines Urlaubes im Juni 2009 habe ich bei der Deichwanderung am Rande von Büsum (hinter dem Hundestrand) das beigefügte Bild gemacht. Da wurden doch tatsächlich den Schafen ganze LKW Ladungen (von der Menge her) bester Kohlköpfe als Futter hingekippt.
Ich glaube, da würde sich vielen Menschen in der dritten Welt der Magen umdrehen. Unser Überflussgesellschaft schafft solche Possen. Da werden in Spanien Tonnen von Tomaten weggekippt, in Büsum Kohlköpfe an Schafe verfüttert.:mad:
P.S.: Die Kohlköpfe waren nicht faulig oder gammelig, sahen aus wie im Laden.
Unsere Pferde bekommen tatsächlich ab und zu Hafer, unsere Schweine Mais und Kartoffeln und unsere Schwiegermütter Apfelkuchen!!!
Stephan
LKW-Ladungen waren es sicher nicht. LKW dürfen dort gar nicht fahren!
Beste Kohlköpfe waren es garantiert ebenfalls nicht. Kein Landwirt würde so mit diesen Feldfrüchten umgehen. Es kann viele Gründe geben, warum der Kohl nicht marktfähig war. In Dithmarschen ist die Verfütterung nicht marktfähiger Ware an Schafe normal. Sie ist bei fortschreitender Ernte noch viel mehr auf den Feldern anzutreffen.
Und gleich noch ein Hinweis: Schafe fressen den Kohl gern und vertragen ihn auch. Rinder hingegen fressen ihn nicht.
KatzemitHut
27.08.2009, 05:46
Unsere Pferde bekommen tatsächlich ab und zu Hafer, unsere Schweine Mais und Kartoffeln und unsere Schwiegermütter Apfelkuchen!!!
Stephan:D :D
------------------und So findet alles eine Verwendung.Unter Verschwendung verstehe ich eher wenn übersättigte und verfettete Wohlstandskinder ganze Schalen mit Pommes Frittes oder ganze Wurstbrötchen auf die Strasse schmeissen,weil sie gerade
*keinen Bock auf essen* haben!!!!!
Täglich zu "bewundern" - sogar mitten in der Fußgängerzone.
( und natürlich sind die Einwurfklappen der Mülltonnen viel zu klein - das geht IMMER einen halben Meter daneben :mad: )
In meinen Augen ist das Verfüttern des nicht marktfähigen Kohls immer noch besser, als ihn zu vernichten. Es landet viel zu viel im Abfall.
Auch Tiere sind Lebewesen ...
Unser Überflussgesellschaft schafft solche Possen. Da werden in Spanien Tonnen von Tomaten weggekippt, in Büsum Kohlköpfe an Schafe verfüttert.
Damals, als die Milchbauern gegen den niedrigen Milchpreis demonstriert haben, da wurde die Milch in den Abguss gegossen - das ist schlimm, aber trotzdem verständlich.
Wenn der Erzeuger (sei es für Milch oder Feldfrüchte) am Ende nicht fair entlohnt wird, dann kommen solche Aktionen raus, und die zeigen dann erst die Missstände auf.
Trotzdem können wir an dieser Stelle nur Vermutungen anstellen.
Bienenvater
27.08.2009, 20:13
Ich glaube, da würde sich vielen Menschen in der dritten Welt der Magen umdrehen. Unser Überflussgesellschaft schafft solche Possen. Da werden in Spanien Tonnen von Tomaten weggekippt, in Büsum Kohlköpfe an Schafe verfüttert.:mad:
P.S.: Die Kohlköpfe waren nicht faulig oder gammelig, sahen aus wie im Laden.
Das mit der "Dritten Welt" ist IMHO reichlich daneben. Wer bitte soll für den Kühltransport die Kosten ünernehmen? Das mit den Schafen ist schon i.O.
Aber --- solange in Drittweltländern viele Regierende sich ihre eigenen Taschen vollstopfen indem sie Lizensen vergeben an Großkonzerne für Palmölanbau, Kaffeeproduktion und ähnlichem, statt daß die einheimische Bevölkerung ihre traditionellen Lebensmittel in ausreichendem Maße anbauen kann, solange wird in der "Dritten Welt" gehungert werden.
Hilfsprogramme nützen dann auch nur den Mächtigen und machen den Rest der Menschen zu Almosenempfängern. Wenn hingegen es den afrikanischen Völkern gelänge, Stammesegoismen hintan zu stellen und als ein einig Afrika aufzutreten, dann könnten sie dem Rest der Welt auf Augenhöhe entgegentreten. Au Backe!
So ketzerisch debkt der Bienenvater
:rolleyes:
Natürlich hast du unter ökonomischen Gesichtspunten recht, auch ich weiß dass die Transportkosten mancher Lebensmittel nicht im Verhältnis zum Preis stehen...
Ich meinte ja auch "was würden die denken bei solchen Bildern?"
Im ersten Moment kann man bei solchen Bildern halt nur den Kopf schütteln, auch wenn es vielleicht wirtschaftlich gesehen okay ist. Ich wollte ja nur mal meinem "Bauchgefühl" Ausdruck verleihen.:o
geoHartmut
28.08.2009, 15:42
Moin moin,
weil mich das Thema unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie interessiert hat, habe ich mal ein wenig unter Zuhilfenahme von Google recherchiert.
Hier (http://www.bauernblattsh.de/markt/kommentar_link_index_171_20332_4_archiv.html) ein interessanter Artikel aus dem Bauernblatt (http://www.bauernblattsh.de/markt/kommentar_link_index_171_20332_4_archiv.html) vom 27.10.2008.
Zwei Auszüge:
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Die ersten Erntevorschätzungen für Weißkohl sind von guten bis sehr guten Kulturständen in Norddeutschland ausgegangen. Die Ertragserwartungen lagen vielerorts weit über den langjährigen Durchschnittswerten und man ist von einer Gesamternte von über 215.000 Tonnen Weißkohl ausgegangen. Unter diesen Vorzeichen und aufgrund der nur mäßigen Abverkaufszahlen in der Frühsaison 2008 haben sich die Preise für Weißkohl nach dem recht guten Saisonverlauf 2007-2008 schnell auf Talfahrt begeben. Bereits vor der Haupternte lagen die Erzeugerpreise für Weißkohl an den Märkten auf einem Niveau, bei dem sich die Produzenten sehr genau überlegen mussten, ob sich eine Ernte überhaupt noch lohnt. Die Gewinnmarge der Erzeuger wurde zudem durch die steigenden Kosten für Dünger, Pflanzenschutz und Energie stark eingeschränkt. Verschärfend kommen die steigenden Lohnkosten für die Erntehelfer hinzu, die eher auf ein dickes Minus als auf ein Plus im Portmonee der Erzeuger schließen lassen.
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Ein weiterer Negativfaktor im Weißkohlmarkt ist der fehlende Export in Richtung England. In der Frühsaison 2007 war der Absatz nach Großbritannien der treibende Motor für den Preisverlauf. Dieser Motor ist in der Saison 2008 nicht nur ins Stottern gekommen, er ist gänzlich ausgefallen.
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Wenn also überschüssiger Weisskohl an Schafe verfüttert wird, dann sehe ich das eher als eine Art Nahrungsmittelveredelung an. Es ist allemal ökonomischer, den Kohl an die Schafe zu verfüttern, als ihn z.B. zu kompostieren.
Hier (http://de.wikipedia.org/wiki/Veredelung_(Landwirtschaft)) noch ein sehr guter Wikipedialink zur Veredelung in der Landwirtschaft (http://de.wikipedia.org/wiki/Veredelung_(Landwirtschaft)), passt gut zu diesem Thema.
Ich mag übrigens sehr gerne fast alle Arten von Kohlgerichten, grille und esse aber auch sehr gerne Lammfleisch...
LG Hartmut
Bleichrodt
30.08.2009, 15:03
… den Schafen sei eine Abwechselung vom ewigen Graseinerlei gegönnt.
Aber sind sie nicht beruflich für den Schutz der Deiche sozusagen im Regierungsauftrag tätig? Die Oberschafe sollten schon dafür sorgen, dass nicht infolge mangelhafter Mäharbeit die Standfestigkeit der Deiche leidet. Dann saufen die veredelten Kohlfresser ab.
Die Darstellung in Wikipedia zur Veredelung geht am Kern des Problems vorbei und ist ziemlich dünn.
Veredelt wird mit richtiger Wertschöpfung in einem eigenen Industriezweig (alles Müller oder was). Da steckt die Kohle.
Schbasss? Oh nein. Schafe sind wichtiger als manche Nationalparknutzer, besonders ohne Zufütterung von halbverdorbenem Kohl.