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Vollständige Version anzeigen : Langeneß im September 2010


Bea
26.09.2010, 14:31
Wieder nach Langeneß. Endlich!
Das letzte Mal ist schon sooo lange her.
Es ist wie nach Hause kommen.
Schon auf der Fähre vertraute Gesichter. Halligleute und Halliggäste.
Spätestens mit dem Matjesbrötchen auf der Fähre beginnt der Urlaub.
Die meisten Passagiere steigen schon auf Hoge aus.
Wie gut, dass es auf Langeneß keinen Massentourismus gibt.

Am Langenesser Anleger wollten mich die Vermieter abholen, aber ich kann sie nicht sehen. Mal wieder etwas verspätet, vermute ich. Da spricht mich der Warftnachbar an, mit dem wir zusammen Biike gefeiert hatten. Er soll mich heute abholen, denn die Vermieter sind nach Oland gefahren. Okay, ist in Ordnung. Schnell das Gepäck ins Auto und los geht’s. Auf der kurzen Fahrt zu unserer Warft bekomme ich erste Hallig-Neuigkeiten geliefert.
Auf der Warft wartet die Tochter der Vermieter auf mich. Sie will mir den Koffer hoch in die Ferienwohnung tragen, aber ich lehne ab. Es ist doch wie nach Hause kommen, und zu Hause trage ich mein Gepäck auch selbst rein.
Meine kleine, kuschelige Wohnung ist unverändert, seit Jahren vertraut.
Ich lasse alles stehen und liegen und gehe gleich los, Nordseeluft schnuppern, durchatmen.
Gehe an der Halligkante entlang, der untergehenden Sonne entgegen (Bild 1).
Es tut so gut wieder hier zu sein!

Ich habe während meines Aufenthalts wieder lange Touren entlang der Halligkante gemacht (Bilder 3 bis 4). Touren bei Sonne, bei Windstille, aber auch bei Sturm und auch mal bei Regen. Aber es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter. Langweilig wird mir dabei nie, obwohl ich die Hallig schon längst wie die sprichwörtliche Westentasche kenne. Es gibt immer so viel zu schauen, zu hören, zu spüren.
Und ich habe wieder viel geschaut: nach jeder Biegung eine neue Perspektive auf die Hallig, auf die Nordsee oder auf’s Watt, auf die umliegenden Inseln und Halligen. Und Vogelschwärme oder Schiffe gab’s auch immer wieder mal zu gucken. Und Leute. Ganz da vorne, die Beiden in der dunklen und in der hellgrünen Jacke, das sind doch …? Ja, sie sind es, und ein kurzer Schnack ist immer drin, bevor jeder seinen Weg fortsetzt.
Habe auch wieder viel gehört und gelauscht: die Ruhe (ja, man kann sie hören!), das sanfte Plätschern oder zuweilen auch heftige Klatschen des Wassers an die Halligkante, das Flüstern oder auch Rauschen des Windes, das Geschnatter, Gekecker und Gekreische der Vögel.
Viel zu spüren gab es auch: die Sonne auf der Haut, aber auch den Wind in den Haaren oder im Gesicht, und sogar die Gewalt des Sturms. Auch das Watt unter den Füßen, den Schlick, der zwischen den Zehen durchquatscht. Nach einer langen Tour auch mal die müde werdenden Beine.
So viel Bewegung und frische Luft macht hungrig, und so ließ ich mir abends dann auch meist ein leckeres Fischgericht im Gasthaus oder ein klasse dreigängiges Menü im neuen Hotel schmecken.

Bea
26.09.2010, 14:38
Auf der Hallig ist mir alles wohl vertraut. Aber es gibt auch Neues:
Die Segellore auf der Ketelswarft wurde erneuert (Bild 5). Schon nach wenigen Jahren hatten Wind und Wetter und wohl auch ein Pilz im Holz dem Vorgängermodell all zu sehr zugesetzt. (Mehr zum zweiten Nachbau der historischen Segellore ist hier zu finden: http://www.karstenhansen.de/nachbaunr2zeitungsartikel.htm)
Zur Badestelle in der der Nähe von Treuberg wurde ein neuer Weg angelegt, mit zwei schönen, breiten Brücken (Bild 6). Der alte Weg mit seinen wackeligen Stegen war nicht bei jeder Witterung begehbar, und die schmalen Brückchen, oft nur ein über den Graben gelegtes Brett, waren nicht mehr sicher. Eine neue Brücke gibt es auch auf einem weiteren schmalen Weg über die Halligwiesen, in der Nähe der Bandixwarft (Bild 7). Aber irgendwie mochte ich die alten, schmalen, wackeligen Stege. Südlich der Ketelswarft sind noch einige davon zu finden (Bild 8). Ich hoffe, dass sie weiterhin erhalten bleiben. Früher, als es auf den Halligen noch keine Straßen gab, konnte man nur über die Halligwiesen und über solche schmalen Stege von Warft zu Warft gelangen.
Neu ist auch das Hotel auf der Mayenswarft. Anker’s Hörn, das erste 4-Sterne-Hotel auf einer Hallig. Hübsch ist es geworden, man kann dort schön Kaffee trinken und Kuchen essen – mit einer herrlichen Aussicht – und auch lecker essen. Mit etwas Glück kann man zum Abend-Menü noch einen sagenhaften Sonnenuntergang erleben.

Bea
26.09.2010, 15:16
Alles ist mir so vertraut auf der Hallig, aber ich erlebe dort auch einen ständigen Wechsel. Den Wechsel der Gezeiten sowieso, hinzu kommt ein rascher Wechsel des Wetters, der Licht- und Sichtverhältnisse, der sich immer neu formierenden Wolkengebilde am Himmel, die sich in den Prielen spiegeln (Bild 9). Die Nordsee zeigt sich mal tief blau (Bild 10), mal silbrig glänzend im Sonnenlicht (Bild 11), aber auch mal grau, bleigrau oder gar dunkelgrau und brodelnd (Bild 12).

Bea
26.09.2010, 16:17
Während meines knapp 2-wöchigen Aufenthalts wird das Vieh auf den Weiden weniger – das Pensionsvieh wird ab Mitte September nach und nach aufs Festland gebracht - , die Vögel werden mehr – die Zahl der Zugvögel, die hier Rast machen auf ihrem Weg ins Winterquartier, nimmt zu. Die tiefer liegenden Salzwiesen färben sich langsam rot, denn die Herbstfärbung des Quellers setzt ein (Bild 13).

Ja, es wird langsam Herbst auf der Hallig. Zu Beginn meines Aufenthalts konnte ich am Nachmittag noch leicht bekleidet im Strandkorb relaxen. Am vorletzten Tag hingegen gibt es Orkanwarnung. Der Orkan kommt tatsächlich, es gibt Landunter (Bild 14). Aber das ist auf den Halligen nichts Ungewöhnliches. Und doch ist es ein immer wieder faszinierendes Naturschauspiel (Bild 15). Für mich eines der Highlights dieses Halligurlaubs.
Ein Teil des Pensionsviehs befand sich noch auf der Hallig, das musste auf die Warften gebracht werden, als sich abzeichnete, dass das komplette Halligland unter Wasser stehen wird. Ein paar Gitter wurden angebracht, und schon konnten die Kühe rasch und ohne Probleme auf die Warft geführt werden (Bild 16), wo sie eine Nacht auf engstem Raum verbringen mussten. Am nächsten Morgen war das Wasser auf den Halligwiesen schon wieder zurück gegangen, der nächtliche Regen hatte das Salz vom Gras abgespült, so dass das Vieh wieder auf die Weide gebracht werden konnte.

Bea
26.09.2010, 16:53
Ein ganz besonderes Erlebnis war auch, den Postschiffer Fiede Nissen bei einer Fahrt mit dem Postboot „Störtebekker“ zu begleiten. Ich werde darüber noch berichten.

Sehr interessant war auch die Tour zu Fuß über den Lorendamm zur Nachbarhallig Oland (Bild17). Die Oländer Warft wirkt im frühen Herbst auf mich wie ein verwunschenes Dorf aus dem Märchen (Bilder 18 und 19). Ich habe diese Tour schon mehrfach gemacht, doch neu war diesmal die riesige Baustelle im Watt, wo ein neuer, höherer Damm errichtet wird (Bild 20, siehe auch hier: http://www.kuestenforum.de/showthread.php?t=5771&highlight=Baustelle).
Nach einem Rundgang auf Oland, dem Besuch der Kirche und einer kleinen Stärkung auf der Terrasse des Halligkrugs trat ich den Rückweg nach Langeneß gemeinsam mit einem langjährigen Urlaubsbekannten an, den ich auf Oland getroffen hatte.

Bea
26.09.2010, 17:28
Zum Schluss noch ein paar Fotos vom Langenesser (eigentlich Nordmarscher) Leuchtturm. Immer wieder ein beliebtes Ziel oder Zwischenstopp bei meinen Touren. Wenn zu viel los ist dort, dann drehe ich gerne erst noch mal eine Runde, nähere mich dem Leuchtturm dann von der anderen Seite. Meist sind die anderen Leute dann schon wieder weg und ich habe ihn dann wieder einmal ganz für mich alleine. Ich ganz alleine mit meinen Gedanken auf meiner Hallig, bei meinem Leuchtturm.

Es gibt während des Langeneß-Urlaubs aber aber nicht nur diese Momente mit mir ganz alleine, die ich sehr genieße. Es gibt auch nette Begegnungen und Treffen mit alten und neuen Urlaubsbekannten und auch mit Halligleuten, immer wieder mal kurze Schnacks zwischendurch oder auch spontane Verabredungen zum Essen.

Die Hallig und die Leute dort -längst so etwas wie ein Stück Heimat für mich. :smile:

dwarslöper
26.09.2010, 18:56
Danke, Bea, für die schönen Bilder und Berichte, sie strahlen Ruhe aus.
Nachdem ich in meiner Helgolandwoche im August, nach Jahren einen mit mir befreundetem Kapitän von Pellworm wieder getroffen habe, und der mich für nächstes Jahr eingeladen hat, habe ich jetzt beschlossen, ( auch der NDR, mit
seinen Berichten ) einige Tage, von meinem Jahresurlaub im August 2011, auf
verschiedenen Inseln oder Halligen zu verbringen. :top:
Gruss Udo, jetzt auch Inselfan

Anne120746
26.09.2010, 21:33
Zum Schluss noch ein paar Fotos vom Langenesser (eigentlich Nordmarscher) Leuchtturm. Immer wieder ein beliebtes Ziel oder Zwischenstopp bei meinen Touren. Wenn zu viel los ist dort, dann drehe ich gerne erst noch mal eine Runde, nähere mich dem Leuchtturm dann von der anderen Seite. Meist sind die anderen Leute dann schon wieder weg und ich habe ihn dann wieder einmal ganz für mich alleine. Ich ganz alleine mit meinen Gedanken auf meiner Hallig, bei meinem Leuchtturm.

Es gibt während des Langeneß-Urlaubs aber aber nicht nur diese Momente mit mir ganz alleine, die ich sehr genieße. Es gibt auch nette Begegnungen und Treffen mit alten und neuen Urlaubsbekannten und auch mit Halligleuten, immer wieder mal kurze Schnacks zwischendurch oder auch spontane Verabredungen zum Essen.

Die Hallig und die Leute dort -längst so etwas wie ein Stück Heimat für mich. :smile:


.....ich kanns verstehen, Bea. Alles Gute.:cool: