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Vollständige Version anzeigen : Die Hamburger Hallig


megane
12.07.2006, 19:12
Die Hamburger Hallig, TEIL 1

es gibt heute noch 10 Halligen. Eine von ihnen tritt eigentlich nie so richtig in den Vordergrund und sie ist eigentlich genauso ein Teil der Halligwelt, wie die anderen 9 Halligen auch. Die Geschichte ist jedoch von Schicksalsschlägen durchzogen und vor allem interessant.
Die Hamburger Hallig liegt genau am östlichen Punkt der Halligwelt und ist vom Sönke-Nissen -Koog Gemeinde Reußenköge aus zu erreichen. Entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder im Schritttempo per Auto über eine Plattenspur. Vom Festland bis auf die Halligwarft sind es ca. 5KM.
Die Hamburger Hallig ist heute im eigentlichen Sinne keine Hallig mehr, da ein Damm zum Festland besteht, welcher durch Landanwachs im Laufe der Zeit entstanden ist. Korrekt ist sie heute eine Halbinsel, vom Festland her erreichbar, wenn nicht gerade Hochwasser aufgelaufen ist. Die häufig auftretenden Überflutungen, besonders im Herbst und Frühjahr zum Teil aber auch im Sommer, haben der ursprünglichen Hallig und ihrem angeschlickten Vorland den Salzwiesencharakter erhalten.
Kein Deich schützt Hallig mit Vorland. Der Kampf der Natur. Eine stete Auseinandersetzung um das Überleben ihrer Artenvielfalt ist der gleiche geblieben wie zu jener Zeit, als die Hallig entstand.

Nun, wo hat die Hallig Ihren Ursprung und vor allem wo kommt der Name Hamburger Hallig her? Immer wieder haben Sturmfluten von jeher das Bild der nordfriesischen Landschaft verändert. Aber für die geschichtliche Entwicklung der heutigen Hamburger Hallig sind es hauptsächlich zwei verheerende Jahrhundertfluten gewesen, die für die landschaftliche Gestaltung dieses Gebietes von wesentlicher Bedeutung waren; die großen Sturmfluten im 14. und 17. Jahrhundert. In der gewaltigen so genannten groten Mandränke am 16. Januar 1362, in der auch das sagenumwobene Rungholt unterging, erhielt die damalige Insel Altnordstrand ihre hufeisenförmige Gestalt. In einer der größten Sturmfluten, die die Geschichtsschreibung verzeichnet, an jenem Sonntag, den 11 Oktober 1634, wurde die alte ehemalige Insel Altnordstrand durch die Fluten des Heverstromes, die Hauptschifffahrtsstraße Nordfrieslands, zerrissen und die heutige nordfriesische Halligwelt geschaffen. Zehn Jahre vor der Naturkatastrophe erwarben die Gebrüder Rudolph und Arnold Amsinck im Jahre 1624 den nordöstlichen Teil des alten Nordstrands u.a. das so genannte Volgesbüller Vorland, ein Teil des Ursprunglandes der späteren Hamburger Hallig. Rudolph und Arnold Amsinck waren Mitglieder einer alten traditionsreichen Kaufmannsfamilie und hatten es durch Teilhaberschaften an einer Hamburger Bank und Seeversicherungen als auch Industrieunternehmen zu Wohlstand gebracht. Somit waren die beiden Herren Namensgeber der Hamburger Hallig.

Teil 2 folgt!

Gruß
megane

megane
13.07.2006, 16:56
Die Hamburger Hallig -TEIL 2


Der Erwerb des Ursprungslandes der Hamburger Hallig durch die Gebrüder Amsinck wurde der Auftakt zu einem jahrzehntelangen Kampf mit den Elementen der Natur, dem sie dann letztlich doch unterlagen.
Die Sicherheit in der fruchtbaren, tief liegenden Landschaft konnte nur durch Deichbau erreicht werden und kostete viel Geld. Die Brüder Amsinck stellten sich einer großen Herausforderung, sicherlich im Bewusstsein des Risikos.

Die Sturmflut von 1634 brachte –wie bereits in Teil 1 ausgeführt- die entscheidende Veränderung des alten Nordstrands. Der größte Teil des Landes war im Meer versunken und von dem ganzen Werk der Amsincks ragte nur noch das große Haus auf der hohen Warft empor, welches vielen Menschen zur Rettung und zur letzten Zuflucht geworden war.
Nach dieser Naturkatastrophe verließen viele der noch überlebenden Menschen die Reste des alten Nordstrands, weil sie sich auf dem verbliebenen Rest nicht mehr ernähren konnten.
Das die Amsincks sich durch dieses Unglück doch nicht abschrecken ließen bezeichnet die Persönlichkeit der Amsincks.
Durch diese Haltung verschafften sie sich Respekt und Anerkennung der Einheimischen.

Sie begannen sofort wieder mit der Neueindeichung verlorenen Boden zurück zu gewinnen und setzten ihr Werk fort. Aber die Verluste jenes verheerenden Sonntags 1634 konnten sie trotz aller Einsätze nie wieder ausgleichen. Die noch verbliebenen wenigen Arbeitskräfte mußten hoch bezahlt werden, so dass die finanziellen Mittel schwanden.
Es war die menschliche Tragik eines Arnold Amsincks, dass dieser noch 22 Jahre nach dem Tod seines Bruders einen ermüdenden und vergeblichen Kampf um seinen Besitz führte. Nach vielen persönlichen Schicksalsschlägen starb er, verarmt als 80 jähriger Greis in seinem –Hamburger Haus-.

Die Hamburger Hallig ist seit dem Jahre 1878 im Staatsbesitz.

Heute ist die Hamburger Hallig ein wunderbares Fleckchen Erde, welches lohnt, besucht zu werden. An schönen Sommertagen lädt das Ufer am Steindamm der Hallig zum baden ein. Ein Geheimtip! Bei Flut steht das Wasser sehr hoch am Steindamm und man ist gleich 2-3 Meter tief im Meer. Es ist wunderbar dort in den Wellen zu schwimmen. Ich habe es selbst mehrere Male genossen. Einfach nur genial!

Die Hallig hat heute eine Fläche von ca. 110 ha und auf der Warft befindet sich eine Gastwirtschaft, der Hallig Kroog. Seit 2006 ist dieser unter neuer Führung. Bis dahin gab es auf der Hallig vom ehemaligen Pächter gute Hausmannkost. Die Hallig ist nicht ans Stromnetz angeschlossen. Ein Dieselgenerator liefert die Energie für den Bedarf der Gaststätte. Am höchsten Punkt der Warft hat man einen wunderbaren Blick auf die Halligwelt. Man kann nahezu alle Halligen sehen. Ein Naturschauspiel liefert uns die Hallig bei Landunter. Da zeigt sie uns, dass sie doch noch eine Hallig ist. Es sieht faszinierend aus, wenn nur noch die Warft der Hallig aus der Nordsee heraus ragt. Auf der Warft befindet sich auch ein Gebäude, welches zeitweise von Ornithologen bewohnt wird. Auf der Hallig befindet sich eine zweite kleine Warft, die Schafberg Warft. Sie dient heute ausschließlich ornithologischen Zwecken. Die Ornithologen geben den Besuchern bereitwillig Auskunft.
Die Hamburger Hallig ist, wie alle anderen Halligen, ein Teil der Halligwelt im Nordfriesischen Wattenmeer. Gut ist, dass keine nennenswerte Landverluste zu beklagen sind, da die Halligen außer Norderoog über Steindecken, bzw. Sommerdeiche verfügen. Aus diesem Grund werden natürlich die Anzahl der Landunter reduziert und die Vegetation verändert sich leicht.
Die Erhaltung der Halligen sollte unser aller Anliegen sein, da sie Wohnraum und Erholungsraum als auch Wellenbrecher für die Festlandsküsten sind.


Gruß
megane

Croudy
13.07.2006, 17:51
Also ich war da vor ein paar Jahren auch schon, das tolle ist, dass es am Festland hinterm Deich Fahrräder zum Ausleihen gibt, wobei das zwar eher spartanisch ausgestattete Räder sind, aber sie fahren. Man kann also spontan mit dem Auto auf dem Parkplatz parken und dann mit dem Fahrrad auf die Halig radeln. Damals war allerdings ein höllischer Wind, sodass der Hinweg recht anstrengend war, neben dem kleinen Weg für Autos (man kann auch mit dem eigenen Auto rüberfahren, was aber Geld kostet) gibt es einen Radweg auf dem es sich recht angenehm fahren lässt. Auf der Hälfte der Strecke gibt es auch einen kleinen Aussichtshügel, wo man auch eine erste kleinere Pause einlegen kann. Die eigentliche Pause würde ich dann wieder auf der Hallig einlegen, wo es eine kleine Bewirtung gibt und man auch draußen sitzen kann. Der Weg zum Meer führt noch einige Meter weiter und das Wasser steht da wirklich ein paar Meter hoch - leider konnten wir wegen des starken Windes aber nicht hinein, da die Wellen zu extrem waren. Insgesamt kann ich die Tour wirklich empfehlen, wobei man etwa drei bis vier Stunden einplanen sollte.

megane
16.09.2006, 17:43
Moin Moin,

die Hamburger Hallig hat sich verändert.
Bis vor einigen Jahren wurde z.B. die Hallig von einem 2 Zylinder Dieselaggregat mit Strom versorgt. Nun bezieht die Hallig Strom vom Festland. Die Halliggastwirtschft -der Hallig-Krog- hat einen neuen Pächter und das Gebäude wurde innen völlig renoviert. Der Hallig-Krog bietet ein gutes Angebot an Speisen und Getränken. Die Schafbergerwarft,- das Gebäude für den Vogelwart wurde kpl. erneuert und auf der Halligwarft wurde ein Informtionszentrum für interessierte Gäste eingerichtet. Die Steinkante der Hallig wurde zum Teil erneuert. Landanwachs ist ebenfalls feststellbar. Starker Landanwachs durch Lahnungsbau (Lahnungsbau: hier werden Holzpfähle ins Watt gerammt, mit Reisig,-Ästen- aufgefüllt und mit Draht befestigt) ist auch bei der Hallig Nordstrandischmoor zu sehen.

Der Küstenschutz ist in vollem Gange und das ist gut so, denn die Halligen sind Wellenbrecher für die Festlandsküste.
Am Festland nahe der Hamburger Hallig wurde ein neues Infozentrum errichtet, das AMSINCKHAUS. Hier finden regelmäßig Austellungen zum Thema Halligen statt. Hier muß neuerdings für Besucher z.B. mit Auto auch das Ticket für die Plattenspur zum Preis von 5,00 € gelöst werden.
Bilder und weitere Infos folgen.

Infos zum Hallig-Krog:http://www.Hallig-Krog.de

Gruß
megane