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Vollständige Version anzeigen : Wind! - oder - Wenn das Meer schäumt!


Strandfloh
19.07.2006, 21:15
Moin!

Der Sommer 2004 hatte es wirklich in sich gehabt. Es gab nicht nur Gewitter und Regen ohne Ende, sondern auch noch ordentlich Wind.

Ich war mal wieder am Strand unterwegs, wie immer. An diesem Tag war ich am Yachthafen rausgeradelt und hatte mein Rad somit in Ording stehen. Der Wind pustete ordentlich und kam etwa aus Süd-West. Ich lief Richtung Bad. Die Wellen waren herrlich: meterhoch mit wunderschönen Schaumkronen. Die Sonne blinzelte durch die Wolken und es war so richtig schönes „Nordseewetter“.

Ich lief also bei diesem super Wetter von Ording nach Bad. Der Wind war so heftig, dass er durch und durch ging und das ich leider nicht in Badeklamotten laufen konnte.

Von Weitem sah ich schon, dass in Bad sich einige Leute trotz der frischen Temperaturen ins noch frischere Naß gewagt hatten. Als ich dann dort war, sah ich, dass es sowohl Kinder als auch Erwachsene waren, die dort einen Heidenspaß zu haben schienen. Ich stand lange da und habe ihnen einfach nur zugesehen. Ich war hin und her gerissen ob ich nun auch in die Fluten steigen sollte oder besser nicht.

Es war Flut. Das Wasser lief auf und stand kurz vor der Strandkorbgrenze. Eigentlich konnte nicht viel passieren. „Hmm,“ dachte ich mir, „Lust hättest Du ja schon.“ Ich stand am Wasser und überlegte noch eine Weile. Die Gischt stob und der feine Niesel legte sich auf meine Haut. Ich merkte, dass es mittlerweile nicht nur Gischt war, sondern dass sich Regentropfen dazugesellt hatten. Ich suchte mir also einen freien Strandkorb um dem Treiben im Wasser vom Trocknen aus weiter zusehen zu können. Aber das Wasser reizte mich trotzdem immer noch. „Wenn Du jetzt nicht gehst, dann wird das heute nichts mehr, da die Ebbe demnächst einsetzt und es dann zu gefährlich bei dem Wind wird.“ dachte ich so bei mir. Also legte ich meinen Rucksack windgeschützt in den Strandkorb, verstaute und befestigte meine Klamotten so, dass sie nicht wegflogen und trocken blieben, zog mir meine Badeklamotten, die ich immer dabei hatte, an und stürzte mich auch in die Wellen.

Es war einfach herrlich! Dadurch, dass das Wasser sehr weit aufgelaufen war, war es sehr flach. Ich musste einige Meter ins Wasser reinlaufen um wenigstens bis zu den Waden im Wasser zu stehen. Das erwies sich jedoch gar nicht so einfach wie gedacht, da die Wellen mit so einer Wucht an den Strand donnerten, dass sie einen fast umwarfen. Ich schaffte es aber dann doch irgendwie bis etwa zu den Hüften im Wasser zu stehen und hatte meine Spaß dabei. Ich erinnerte mich an früher, wie wir als Kinder immer „Wellenhüpfen“ gemacht haben und dabei regelmäßig zu früh abgesprungen sind und somit voll in den Wellen landeten. Der Mund und die Nase waren dann immer mit Salzwasser so voll, das es nur noch eklig schmeckte. Aber wir hatten unseren Spaß.

So stand ich nun also da. Naja, als stehen kann man es eigentlich nicht bezeichnen, denn wenn man stehen blieb, wurde man regelrecht umgehauen. Es blieb einem nichts anderes übrig, als zu springen. So sprang ich also. Es machte wirklich Spaß. Ab und an verschätzte ich mich, so wie früher und schaffte es doch tatsächlich wieder, direkt in die Welle reinzuspringen oder direkt von ihr umgehauen zu werden, weil ich nur einen Moment unachtsam war und somit von ihr überrollt wurde. Wenn dann eine besonders große Welle kam hieß es paddeln, damit man genug Auftrieb bekam, da einfaches Hüpfen nicht mehr ausreichte.

Der Wind setzte alles daran, das die weißen Schimmel auf den Kronen der Wellen reiten konnten und nicht nur die, denn um mich rum hüpfte es, genau wie ich und die Zuschauer am Strand hatten auch ihren Gefallen daran. Irgendwann wurde es dann aber zu kalt. Das Wasser an sich war recht warm, aber der Wind war kalt und da man mit dem Körper nicht ganz unter Wasser kam, bis auf die Momente, in denen man sich in den Wellen befand, wurde es sehr schnell frisch.

Der Weg aus dem Wasser gestaltete sich zu einem weiteren Abenteuer. Die Wellen hatten so eine Kraft, dass sie einen erstens umwarfen, wenn sie auf einen zurollten und zweitens, sobald sie vorbei waren, einen die nächste gleich wieder in ihren Bann zog. Der Sog war teilweise so groß, dass es die ganze Kraft kostete, vorwärts zu kommen und nicht ins Meer gezogen zu werden. Wenn ich keinen Grund unter den Füßen gehabt hätte, hätte ich wahrscheinlich nur wenige Chancen gehabt, aber so ging es und ich kannte dieses Phänomen ja noch aus meinen Kindertagen und konnte somit damit umgehen. Bei einem Neuling hätte es wahrscheinlich Panik ausgelöst, aber wenn man sich einfach mit den Wellen tragen lässt, dann geht es. Man muß es nur bis zur Umbruchskante schaffen.

Ich rate aber jedem, der das noch nie gemacht hat und der etwas schwächer ist, davon ab, bei extremen Wellenverhältnissen baden zu gehen! Wenn Ihr es trotzdem versuchen wollt, dann bitte nur bis maximal zu den Hüften ins Wasser gehen, niemals weiter, da man hier noch genug Kraft und auch Spielraum hat, um jeder Zeit wieder selbst ans sichere Land zu kommen. Man wird nämlich automatisch immer ein Stück mit rausgezogen, sobald man sich in einem Wellental befindet, egal ob bei Flut oder bei Ebbe. Dies muß man immer wieder beheben, in dem man immer wieder ein Stück Richtung Spülsaum zurückläuft und darauf achtet, dass man nie zu weit im Wasser drin steht. Man sollte daher auch immer den Strand im Auge behalten, nie nur ausschließlich Richtung offenem Meer und Wellen sehen, da man so sehr schnell Gefahr läuft, abgetrieben zu werden.

©by Strandfloh 2006

.... weiter in Teil 2

Strandfloh
19.07.2006, 21:19
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Also ich dann wieder am Strand war, lief ich schnell zu „meinem“ Standkorb, trocknete mich ab, zog mich an und setzte mich einen Moment hin. Doch dann wurde der Regen stärker und ich machte mich auf den Weg, einen trockenen Unterstand zu finden. Ich wollte mich erst unter den Pfahlbau der DLRG stellen, um im Trockenen zu stehen. Dies erwies sich aber als wenig sinnvoll, da der Wind immer mehr anzog und sobald man sich umdrehte war es schwierig zu Atmen. Der Wind verschloß einem regelrecht den Mund und die Nase und trieb den Sand mit sich mit, so dass man zusätzlich noch aufpassen musste, dass man diesen nicht in die Augen bekam. Da das mit dem Unterstellen nicht so wirklich der Hit war, stellte ich mich dann einfach auf den Rettungsboot-Pfahlbau. Hier stand ich über dem Sand, vom Wind geschützt und damit auch noch recht trocken. Ich sah mir dann das ganze Spektakel von halber Höhe aus an.

Das Meer schäumte und brodelte.
Die Wellen rauschten an den Strand.
Die Möwen kämpften teilweise verzweifelt damit, vorwärts zu kommen, ebenso wie einige Menschen.
Die Wolken wurden über den Himmel gescheucht und rissen nach und nach wieder auf.
Der Regen legte sich.
Der Wind blieb.
Die Ebbe setzte ein und ich stand immer noch da und sah einfach nur dem bunten Treiben zu. Ich weiß nicht wie lange, aber ich stand einfach da und schaute. Als ich dann irgendwann mal aus dem Windschatten raustrat, vor das Bootshaus, stellte ich fest, dass das Wasser von hinten herum reingelaufen war. Die Sandbank stand in Richtung Regattastrecke unter Wasser. Das Wasser reichte mittlerweile schon bis zum Bootspfahlbau. „Wow!“ dachte ich mir. „Das ist ja heftig! Es ist doch mittlerweile schon seit einer halben Stunde ablaufendes Wasser!“ Ich wartete also, bis das Wasser weniger wurde. Doch es wurde nicht weniger. Durch den starken Süd-West-Wind wurde das Wasser trotz Ebbe immer weiter vorwärts getrieben. Es lief immer weiter und irgendwie stand nun die ganze Sandbank unter Wasser.

Da mein Fahrrad aber noch in Ording stand, musste ich wohl oder übel irgendwie ja zurück kommen. Ich überlegte, ob ich den Steg nach Bad zurücklaufen sollte und dann am Yachthafen wieder zurück an den Strand, oder ob ich direkt am Strand entlang laufen sollte. Ich stieg den Pfahlbau runter und stellte fest, dass das Wasser etwa bis zu den Waden ging. Also entschoß ich mich, den Rückweg am Strand entlang zu gehen. Diese Entscheidung erwies sich als nicht die beste, aber es machte trotzdem Spaß. Ich hatte nicht daran gedacht, dass die Sandbank ja nicht eben war und die Pfahlbauten irgendwie alle auf einer kleinen, für das Auge kaum sichtbaren Anhöhe stehen. Das Wasser war somit auf der Sandbank mal flacher und mal tiefer. An einer Stelle stand ich plötzlich bis zur Mitte des Oberschenkels im Wasser. Zum Glück hatte ich eine kurze Hose an, die man dann dazu noch recht weit nach oben schieben konnte, so dass ich mit trockenen Sachen durch kam. Aber anderen ging es nicht so. So kam mir zum Beispiel ein junges Pärchen entgegen. Er hatte eine Jeans an, die er nur bis kurz unter das Knie hochschieben konnte. Eine Möglichkeit zum Hose ausziehen gibt es nicht, wenn man bis zu den Waden im Wasser steht. Also blieb im keine andere Wahl, als einfach durch das Wasser mit samt Hose durchzuwarten. Naja, angenehm wird es zwar bei dem Wind nicht gerade gewesen sein, aber was will man machen?!

Als ich dann kurz vor Ording war, beschloß ich noch mal ins Wasser zu gehen. Ich hielt mich also Richtung Dünen, um meine Klamotten ins Trockene legen zu können, da ich ja dazu auf der Sandbank keine Möglichkeit hatte, bei all dem Wasser. Ich lagerte also meine Sachen am Rand der Dünen (nicht in den Dünen!!!!), zog meine Badeklamotten wieder an und wartete den ganzen Weg knietief bis an die „Wasserkante“. Der Wind hatte nachgelassen und die Wellen waren nicht mehr so stark, aber es war immer noch „Wellenhüpfwindstärke“ und so hatte ich erneut eine Riesenspaß im kühlen Naß. Ich machte mich dann auf den Rückweg zu den Dünen, holte meine Sachen und machte mich auf den Weg zu meinem Rad. Ich befürchtete, dass es bis zu den Pedalen und der Kette im Wasser stehen würde. Aber dem war zum Glück nicht so. Dadurch, dass die Fahrradständer etwas höher liegen, war mein Rad nur recht tief in den Sand eingebuddelt, aber trocken. Die Kette war zwar ordentlich paniert, so dass sie richtig schön knirschte, aber das gab sich mit der Zeit.

Als ich in meiner Unterkunft ankam, war ich ordentlich verzauselt und durchgepustet, aber mir ging es richtig gut.

Am nächsten Tag habe ich dann gelesen, dass es den Vortag am Nachmittag 8 Windstärken waren.

Wenn ich so zurück denke, dann war es auf der einen Seite echt heftig, aber auf der andern Seite auch wunderschön. So richtiges „Nordseewetter“ halt.

©by Strandfloh 2006

Grüße,

Strandfloh.

Bessy
29.07.2006, 19:10
Hallo Strandfloh! Bei uns war es auch Mai 2004. Wir sind in Ording am Wasser und haben Frisbeescheiben ins Wasser geworfen, die mein Mann gerade für die Hunde gekauft hatte. Eine davon haben sie nicht wieder aus dem Wasser geholt. Wir haben uns so lange damit beschäftigt, dass die Hunde die Scheibe wieder aus dem Wasser holen sollten, dass wir nicht bemerkten, dass der Priel hinter uns voll lief. Als wir uns umdrehten bekamen wir einen Schock. Der Priel war so hoch gelaufen, vereinzelte Fußgänger machten sich panikmäßig durch den Priel. Ich bin ja nur 1,56 m und war bis zur Hüfte im Wasser, mein Hund musste schon schwimmen. Das vergesse ich nie und habe seit dem mehr Respekt vor der Nordsee, obwohl wir schon viele Jahr dort hinfahren. Und was auch sehr gefährlich und nicht zu unterschätzen ist , ist der Seenebel! Man sieht nichts mehr! Wenn wir den Hund nicht gehabt hätten, der wusste komischerweise wo es lang geht und wir folgten ihm. Eigentlich ist es ja egal wo der Hund hinzieht, wir haben ja das Komando. Man hat aber gar nichts mehr gesehen und wusste nicht ob rechts oder links! Aber trotz allem war es ein Erlebniss, welches man nie vergisst! Viele Grüße

Strandfloh
12.09.2011, 18:22
Moin Moin!

Wenn ich mir die Bilder der Web-Cam ansehe.... da schäumt es momentan auch gewaltig.... bei 8-10 Windstärken.... Das wäre jetzt was.... Kopf freipusten....

Grüße,

Strandfloh.