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#1
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Liebe Leser des Forums,
habe heute in einer Reisebeilage unter der Rubrik -Schaurig schöne Orte- in der Westdeutschen Zeitung einen Bericht gefunden, deren Inhalt mir neu war und die Herführung des Namens -Lange Anna- neu deutete. Hier der ungekürzte Bericht: 'Die einzig deutsche Hochseeinsel hat ebenfalls eine sagenumworbene Geschichte vorzuweisen - von der allerdings die wenigsten wissen. Die 'Lange Anna', der rote Steinkoloss vor der Insel und gleichzeitig Wahrzeichen des Einlands, wurde nämlich früher 'Steinerner Mönch' genannt. Weil sich die Inselbewohner nicht missionieren lassen wollten, schickte der König einen Mönch. Der wurde jedoch von den Enwohnern die Klippe herunter gestoßen. Da wuchs ein steinernes Gebilde aus der Tiefe, wie ein Mönch gestaltet, und auf der Klippe ging der Geist des Bekehrers um und predigte mit einer Donnerstimme bis sich die Leute zur neuen Lehre bekehrten - erst dann gab der Geist Ruhe. Ich dachte immer, der Name käm von einer (schlanken) Kellnerin mit langen Beinen, die in einem Ausflugs(Tanz)lokal arbeitete ? Vielleicht weiss ja jemand aus dem Forum mehr zu diesem Thema. Liebe Grüsse, Lutz |
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#2
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Zitat:
Das ist ja kein Widerspruch, und der Name der Insel wird in dem Artikel auch nicht "neu gedeutet". Es wird nur erzählt, dass der Felsen früher auf eine alte Legende zurückführend auch unter einem anderen Namen bekannt war. Das gibt es überall auf der Welt, dass zu verschiedenen Zeiten und bei verschiedenen Menschengruppen geographische Orte und Merkmale unterschiedliche Namen haben. Manche Namen verschwinden dann mit der Zeit aus dem Bewusstsein, andere bestehen parallel weiter. Einen schönen Gruß Jürgen P.S.: Und wenn die Grönländer von der Südsee sprechen, meinen sie unsere Nordsee.
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Wenn morgen die Welt untergeht, fahr ich heute noch nach Eiderstedt – dort passiert alles 50 Jahre später Uns Huus in Tönning – Ein friesisches Tagebuch & mehr |
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#3
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Moin moin,
in diesem Bericht wird so einiges bunt zusammengewürfelt, was nicht zusammen passt. Die "Lange Anna" entstand als sich in der vorspringenden Felswand zunächst eine Brandungshohlkehle entwickelte, die dann durchbrach und zu einem Brandungstor wurde. Das darüber befindliche Gestein (der Torbogen, oder das "Gatt") stürzte schließlich 1860 durch die Verwitterung ein. Übrig blieb als freistehender Brandungspfeiler die Lange Anna. Die Helgoläder nannten den Felsen allerdings nur Nathuurn oder Nordhorn. Die Namensgebung durch die Kellnerin ist nicht gesichert, klingt aber nett :-) Der angelsächsischer Missionar Willibrord, auch "Apostel der Friesen" genannt, versucht 1170 Jahre vor dem Entstehen der "Langen Anna" vergeblich die Helgoländer zum Christentum zu bekehren (690 - 714). Der friesische Missionar und Bischof von Münster Liudger reist etwa um 800 herum im Auftrag des Frankenkönigs Karl nach Helgoland, und schafft es dann die Helgoländer zu bekehren. Er zerstört ihre heidnischen Heiligtümer und errichtet die erste Kirche. 1065 wird in einer Urkunde erwähnt, dass der Erzbischof Adalbert von Bremen einen Kleriker (geweihten Amtsträger) mit dem Namen Eilbert von Fünen als Bischof nach Helgoland geschickt hat. 1076 schreibt der Domherr Adam von Bremen in seiner Schrift "Gesta Hammaburgensis ecclesiae Pontificum" (Taten der Bischöfe der Hamburger Kirche) ausführlich über das frühmittelalterliche Helgoland. Spätestens ab etwa 1065 war also meiner Meinung nach Helgoland christianisiert, so dass es nicht mehr erforderlich war Mönche zum Bekehren auf die Insel zu entsenden. Stark vereinfacht war Karl V. (1500 - 1558) übrigens der letzte deutsche König, der einen Mönch nach Helgoland hätte geschickt haben können, denn danach hatten wir bis 1918 Kaiser als Regenten :-) Es gab allerdings früher mal im Süden der "alten" Insel einen freistehenden Felsen, der "Mönch" genannt wurde, neben einer Felsformation die "Predigerstuhl" genannt wurde. Dieser befand sich in etwa in Höhe des heutigen Mittellandes / Sathurnbrunn und wurde meines Wissens nach im Krieg zerstört. Im Web findet man noch einige alte Postkarten, die Mönch und Predigerstuhl als Motiv zeigen. Als Quelle für dieses Märchen in der "Westdeutschen Zeitung" diente scheinbar Ludwig Bechsteins "Deutsches Sagenbuch", das 1853 in Leipzig erschien. Zu diesem Erscheinungsdatum gab es die heutige "Lange Anna" als freistehenden Brandungspfeiler noch gar nicht, so dass sie als Quelle gar nicht herhalten kann. Mein Fazit: Eine nette Geschichte, die keiner Überprüfung standhält. LG Hartmut
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#4
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Hast Du dazu nen Link?
Geändert von Radbod (10.05.2012 um 06:09 Uhr). |
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#5
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Du meinst zu dem deutschen Sagenbuch? Aber gerne doch
Und konkret daraus die Geschichte Nr. 169: "Der Jungfernstuhl und der Mönch auf Helgoland" Und spätestens nach dem lesen der Geschichte wir einem klar, dass der Satz: "Die 'Lange Anna', der rote Steinkoloss vor der Insel und gleichzeitig Wahrzeichen des Einlands, wurde nämlich früher 'Steinerner Mönch' genannt." einfach unwahr ist, dass es sich um zwei verschiedene "Felsen" handelt. LG Hartmut
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#6
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Moin Harmut, möchte mich bei Dir für die ausführliche Darlegung in Sachen Lange Anna bedanken. Es wird so vieles über unseren Stein geschrieben, sinniges und unsinniges, da freut man sich über Recherchen von Helgolandfreunden, denen nichts hinzuzufügen ist.
Beste Grüsse von dem wohl ältesten Stein in der Nordsee, auch an Deine liebe Gattin, Frank |
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