Wie Hamburg sein Kennzeichen erst verlor - und wiederbekam

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frische Luft
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Wie Hamburg sein Kennzeichen erst verlor - und wiederbekam

Beitrag von frische Luft »

Um ein H: Wie Hamburg sein Kennzeichen erst verlor - und wiederbekam
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 01.07.2026 05:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronolog ... r-106.html

Bild und Text-Kopie.
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Vor 70 Jahren wurde in der Bundesrepublik die bis heute gültige Kennzeichenlogik eingeführt.
Hamburg erhielt am 1. Juli 1956 sein HH zurück.
Ein Kürzel, das anderswo verboten ist, wirkt seither identitätsstiftend für die Hansestädter.


von Daniel Sprenger

Das von der Zulassungsstelle zuzuteilende Kennzeichen enthält das Unterscheidungszeichen für den Verwaltungsbezirk und die Erkennungsnummer, unter der das Fahrzeug bei der Zulassungsbehörde eingetragen ist. Das Unterscheidungszeichen für den Verwaltungsbezirk besteht aus einem bis drei Buchstaben.
Verordnung zur Änderung von Vorschriften des Straßenverkehrsrechts vom 14. März 1956
Was hier Ende April 1956 in schönstem Verwaltungsdeutsch im Bundesgesetzblatt abgedruckt ist, kommt auf Deutschlands Straßen einer Revolution gleich: Basierend auf einem Beschluss des Deutschen Bundestages zur Neuordnung der Nummernschilder in der Bundesrepublik erhält Hamburg damit ab dem 1. Juli 1956 das zweite H auf dem Kennzeichen zurück.

Eine Besonderheit in Deutschland
HH steht seither wieder für "Hansestadt Hamburg" und stellt eine Besonderheit im deutschen Zulassungswesen dar. Während Großstädte sonst mit einem Buchstaben auskommen (Berlin mit B, München mit M, Frankfurt/Main mit F, Stuttgart mit S und Köln mit K) gönnt sich die Stadt an der Elbe eine Dopplung.

Die ist ausgesprochen nicht zum Lachen gedacht, sondern als Ausdruck des Stolzes auf die Hanse als mittelalterlicher europaweiter Handelsverbund. Das einzelne H konnte sich so das wesentlich kleinere Hannover sichern.

HH war schon einmal Kürzel für Hamburg
Ein Mann springt in einen BMW 3/15 mit Hamburger Kennzeichen, links eine Frau. (ca. 1930)
Im Kaiserreich war HH seit 1910 das Kennzeichen der Hansestadt Hamburg.
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Bereits 1910 war HH - gefolgt von einer Nummernfolge - als Kennzeichen für Autos in Hamburg erstmals eingeführt worden. Während der Weimarer Republik und auch während der NS-Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs blieb es das Erkennungszeichen auf den Straßen. Die Alliierten beschlossen nach dem Sieg über Nazi-Deutschland jedoch eine Neuordnung im Zulassungswesen, jede Besatzungszone schuf ihre eigenen Schilder.

Bunter Schilderwald in alliierten Besatzungszonen
Auf dem Gebiet der späteren Bundesrepublik gab es fortan Schilder mit schwarzer Schrift auf orangefarbenem Grund (amerikanische Zone), schwarze Schrift auf rotem Grund (französische Zone) und schwarze Schrift auf blauem Grund in der britischen Zone, zu der auch Hamburg zählte.

1947 beschlossen die Besatzungsmächte ein einheitliches System, das ab 1948 eingeführt wurde. Die neuen Kennzeichen wurden nun einheitlich weiß auf schwarzem Grund gehalten, vorne standen zwei Großbuchstaben, die übereinander geschrieben waren. Daran schlossen sich zwei bis drei Ziffern an, die den Zulassungsbezirk kennzeichneten. Es folgten dann vier Ziffern für die Nummerierung der Fahrzeuge innerhalb des Zulassungsbezirks.

Der Parlamentarische Rat 1948 mit seinem Präsidenten Konrad Adenauer.
Von Zonen zu Ländern: Politische Neuordnung nach Kriegsende
Nach dem Zweiten Weltkrieg muss sich Deutschland auch politisch neu aufstellen. Wie sah die Entwicklung im Norden aus?

Nach dem Zweiten Weltkrieg verliert Hamburg ein H
Ein 1953er Oldsmobile mit Kennzeichen der britischen Zone Hamburg parkt auf der Reeperbahn, 1950er-Jahre
BH statt HH - und das auch noch übereinander geschrieben: So sahen die Kennzeichen in Hamburg bis zum Sommer 1956 aus.
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Hamburg wurde in diesem Zuge um ein H gebracht und firmierte fortan unter verschiedenen Kürzeln. Die britischen Besatzungsbehörden führten zunächst Schilder mit den Buchstaben MGH (Military Government Hamburg) ein, ab Ende 1945 galt ein einfaches H, das 1947 zum HG (Hamburg Government) erweitert wurde. Ab 1948 stand im Zuge der Vereinheitlichung das Kürzel BH für die Britische Zone Hamburg.

Kennzeichenreform schafft mehr Möglichkeiten
In einer Vorlage werden Maße und Schriftgrößen für Kfz-Kennzeichen definiert.
Mit der neuen Kennzeichenordnung einher gingen auch klare Vorgaben, mit welcher Schriftart und -größe die Nummernschilder zu gestalten sind.
Doch nicht nur, dass die Kennzeichen recht schwierig zu erkennen waren, nein, sie sahen auch zu wenig Möglichkeiten vor. Im Zuge des Wirtschaftsbooms der 1950er-Jahre schafften sich immer mehr Menschen einen eigenen Pkw an - für die es bald nicht mehr ausreichend verfügbare Nummernschilder geben würde. Also beschlossen die Verkehrsminister auf einer Konferenz in Bad Godesberg im Herbst 1955 die Kennzeichenreform.

Neue Kennzeichen mit DIN-Schrift
Nach dem neuen System besteht das Kennzeichen vorne aus ein bis drei Buchstaben zur Kennzeichnung der Zulassungsstelle (eine Stadt oder ein Landkreis), gefolgt von ein bis zwei Buchstaben und bis zu vier Ziffern. Auch eine standardisierte Schrift für Kennzeichen wurde gesetzlich verankert: die DIN 1451.

Der deutsche Schauspieler Heinz Erhardt winkt aus dem Fenster seines Mercedes Benz 190 und imitiert so den Blinker, Hamburg 1957
Seit dem Sommer 1956 haben die Hamburger ihr HH auf dem Kennzeichen zurück. Das freut auch den Komiker Heinz Erhardt.
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Die Beschlüsse der Godesberger Konferenz wurden am 30. April 1956 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und traten am 1. Juli 1956 in Kraft.
Innerhalb von zwei Jahren mussten alle alten Kennzeichen ersetzt werden.

An die Stelle der weißen Schrift auf schwarzem Grund trat die schwarze Schrift auf weißem Grund.
Mit nur wenigen optischen Änderungen im Zuge der Einführung des Europakennzeichens 1995 und der Abkehr von der DIN-Schrift im Jahr 2000 ist das vor 1956 eingeführte Kennzeichen bis heute erhalten.

2007: Idee zur Einführung eines neuen Nummernschildes

In Hamburg ist das HH auf dem Nummernschild identitätsstiftend wie die Elbe oder der Michel.
Ideen wie jene der Verkehrsbehörde von 2007, ein gänzlich neues Kennzeichenmodell einzuführen, kommen nicht gut an, wie das Hamburg Journal seinerzeit berichtete. "Eigentlich habe ich immer mit Stolz das Hamburger Kennzeichen durch Deutschland gefahren", sagt ein Autofahrer in dem Beitrag. "Das wäre traurig, wenn das jetzt anonymisiert würde."

Bis 2010 wollte der Senat seinerzeit die Kfz-Zulassung über das Internet einführen. Im Zuge der Digitalisierung sollte jedes Kennzeichen nummeriert werden, ähnlich wie es etwa in Spanien oder Frankreich gehandhabt wird. "Es spricht für eine einzelne Nummer, dass sie unabhängig davon, wo der Bürger wohnt, lebenslang entweder am Fahrzeug oder möglicherweise auch an der Person hängt", erklärte der damalige Staatsrat Detlef Gottschalck die Idee dahinter. Kennzeichen müssten dann "nicht ständig gewechselt werden, wenn man umzieht".

Aus dem Plan wurde nichts, das doppelte H blieb unangetastet. Oder wie es ein anderer Autofahrer in dem Journal-Beitrag formulierte: "Wir beweisen uns mit diesem HH weltweit."
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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