185 Jahre Deutschland-Lied: Murmeln im Glanze

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frische Luft
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185 Jahre Deutschland-Lied: Murmeln im Glanze

Beitrag von frische Luft »

185 Jahre Deutschland-Lied: Murmeln im Glanze
Ein NDR-Beitrag-Geschichte,Stand: 26.08.2026 05:00 Uhr
Quelle:https://www.ndr.de/geschichte/chronolog ... ne160.html

Bild und Text-Kopie.
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Am 26. August 1841 schrieb Hoffmann von Fallersleben aus dem Dorf Fallersleben bei Wolfsburg
"Das Lied der Deutschen".
1922 bestimmte Reichspräsident Ebert es zur offiziellen Hymne.


von Tino Nowitzki

Auch wenn der Text zum Deutschlandlied inzwischen 185 Jahre alt ist, hat sich eines seit Jahrzehnten nicht verändert:
Die Deutschen haben ein verkrampftes Verhältnis zu dem Lied, das ja eigentlich ihren Namen trägt:
das "Lied der Deutschen".

"Brüh im Lichte..."
Sarah Connor singt am 31.05.2005 die Nationalhymne anlässlich der Eröffnung der AllianzArena in München.
Nicht textsicher präsentierte sich Sarah Connor 2005.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.

Das zeigt zum Beispiel die Diskussion um Diskuswerfer Christoph Harting und sein "Hymnen-Gate" bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro, als er bei der Siegerehrung schunkelte und herumalberte.
Er entschuldigt sich dafür, er sei von seinen Gefühlen überwältigt gewesen.

Im Gedächtnis geblieben ist auch die Peinlichkeit von Sarah Connor und die von ihr zu "Brüh im Lichte" umgedichtete Textstelle bei der Eröffnung der AllianzArena in München im Jahr 2005.
Doch wie kommt dieses Unbehagen? Forscher glauben, schuld sei der öffentliche Umgang mit dem Werk.
Und eine gehörige Portion Scham.

Deutsche sind am unpatriotischsten
Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil und Jerome Boateng bei der Nationalhymne zum Länderspiel gegen Irand im Jahr 2013
Fußball-Nationalspieler sangen in der Vergangenheit oft die Nationalhymne nicht mit.
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Distanziertheit, Unsicherheit, Beklemmung - als August Heinrich Hoffmann von Fallersleben
das "Lied der Deutschen" am 26. August 1841 auf Helgoland schrieb, hatte er wahrscheinlich andere Absichten im Sinn.

Doch einige Generationen später sind es die vorherrschenden Gefühle, die uns Deutsche ereilen, sobald das getragene "Einigkeit und Recht und Freiheit ..." erschallt.
Besonders trifft das scheinbar auf Deutschlands Jugend zu.
So zumindest die Erkenntnis einer Studie zu nationalen Identitäten, in der über 6.000 Jugendliche verschiedener europäischer Nationen befragt wurden und in der es auch um die Verbindung zu nationalen Symbolen ging. Regelmäßig landeten die Deutschen hier auf dem letzten Platz.

Wie es zu derart negativen Reaktionen kommt?
"Das liegt am öffentlichen Stil", sagt der Studien-Leiter Ulrich Schmidt-Denter von der Universität Köln dem NDR 2016. Ein Beispiel sei der Sport. So habe er beobachtet, dass selbst Fußballer oder andere Sportler die Nationalhymne oft nicht mitsingen oder nur verhalten vor sich hin murmeln. "Das lebt diese Distanz und Unsicherheit erst vor", so Schmidt-Denter.

Hymne führt zu Kloß im Hals
Und es zeigt:
Auch Erwachsene haben dieses gespannte Verhältnis.
Doch bei jungen Menschen greife es früher, sagt der Psychologe.
Er berichtet dabei gerne von dem Fall einer jungen Studentin, die bei einem Aufenthalt an einer australischen Universität gebeten wurde, ihre Nationalhymne zu singen.
Die australische Hymne zu singen ist dort Alltag.
Die Reaktion der jungen Frau:
Sie bekam einen Kloß im Hals und fing an zu weinen.
Ulrich Schmidt-Denter glaubt, derart starke Emotionen ließen sich nur mit Sozialisation erklären.
Vor allem die intensive Auseinandersetzung mit Drittem Reich und Holocaust in der Schule hätten demnach einen nachhaltigen Einfluss.
Junge Menschen fühlten sich dann in ihrer Identität verunsichert und empfänden Schuld- und Schamgefühle.
Deutsch sein - das ist eben immer auch Leben mit den Schatten der Nazi-Zeit.

Amerikaner sind Hymnen-Weltmeister

Gabrielle Douglas lächelt nach ihrer Bodenübung bei den US-Olympia-Qualifikationswettkämpfen der Turnerinnen in San Jose, Kalifornien (10.07.2016).
Hand aufs Herz vergessen: "Gabby" Douglas erntete einen Shitstorm.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.

Deutschlands besondere Geschichte erkläre auch, warum andere Nationen mit ihrem National-Lied scheinbar völlig ungeniert umgehen, so Schmidt-Denter. Im europäischen Vergleich tun sich demnach dabei vor allem die Franzosen und Polen hervor. Und international sind es neben den Australiern vor allem die anderen angelsächsischen Nationen. Allen voran die USA. Auch dort gab es 2016 einen Hymnen-Eklat während der Olympischen Spiele. Und er war weit lapidarer als im Fall Christoph Harting: Nachdem sie eine Goldmedaille gewann, hatte die Turnerin Gabrielle "Gabby" Douglas beim Erklingen der amerikanischen Hymne nicht ihre Hand aufs Herz gelegt. Ein Shitstorm in den sozialen Medien folgte - trotz der ausdrücklichen Entschuldigung der Sportlerin.

Der Grund: In den Staaten ist das Singen des "Star-Spangled Banner" gesetzlich vorgeschrieben. Auch, wie man sich dabei zu verhalten hat. Dazu ist das Lied kulturell tief verankert: Es kommt in zahlreichen Filmen vor und wird wie selbstverständlich vor Sport-Events gesungen. Selbst Musik-Giganten wie Slash oder Lady Gaga haben schon zu ihrer Hymne gerockt. Zur 200-Jahr-Feier des Liedes war selbstverständlich der damalige US-Präsident Barack Obama anwesend.

Von Fallersleben und "Das Lied der Deutschen"
Die Stadt Wolfsburg hat auf ihrem YouToube-Kanal ein Video zu von Fallersleben veröffentlicht - inklusive eines Interviews mit Historikerin Bettina Greffrath.

LINK ZUM VIDEO:
https://www.youtube.com/watch?v=RTla6eksNpU


Hoffmann von Fallersleben ein Nationalist?
Und in Deutschland? Die CDU hatte 2015 zwar auf einem Parteitag beschlossen, das "Lied der Deutschen" ins Grundgesetz aufzunehmen.
Die Regierung plane aber bisher keine derartige Initiative, heißt es auf Anfrage aus dem Bundesinnenministerium.
Auch nicht zum Jubiläum. Wird die deutsche Nationalhymne zu Unrecht stiefmütterlich behandelt?
Im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum in Wolfsburg findet man: ja.
Auch wenn die schwierige Geschichte des Liedes dort gut bekannt ist:
Im Dritten Reich wurde nach der ersten Strophe "Deutschland, Deutschland über alles..." das Horst-Wessel-Lied gesungen - ein Grund warum das "Lied der Deutschen" nach 1945 fast nicht mehr zur Hymne wurde.

Kritik am Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben selbst, wonach dieser ein Frankreich-Hasser und Nationalist gewesen sei, weist die Leiterin des Museums, Gabriele Henkel, aber zurück:
"Er dachte nie, dass Deutschland überlegen sei.
Er hatte stattdessen die Vision eines geeinten und fortschrittlichen Nationalstaats mit Bürgerrechten."
Auch Antisemitismus-Vorwürfe findet die Museumsleiterin falsch:
"Er kannte viele Menschen jüdischer Herkunft persönlich und schätzte sie."


Das "Sommermärchen" hat viel verändert
Im Verhältnis zu dem Lied sieht Henkel in den vergangenen Jahren einen Positiv-Trend.
Seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland und dem "Sommermärchen" wandele sich generell der Umgang mit Patriotismus in unserem Land und auch die Art, wie die Nationalhymne gesehen wird, sagt Gabriele Henkel 2016: "Das Lied wird jetzt oft viel unbeschwerter und begeisterter gesungen."
Sie sehe das in ihrem Museum, wo sich viele mit Lust an der Karaoke-Version der Hymne versuchen.

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Das Deutschlandlied - ein Lied mit Geschichte
Ein NDR-Beitrag Geschichte, Stand: 29.08.2025 16:46 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronolog ... en100.html

BILD UND LINK KOPIE !
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Das "Lied der Deutschen" wird am 26. August 1841 von Hoffmann von Fallersleben geschrieben.
Es sorgt schon in der Entstehungszeit für Kontroversen.
Am 11. August 1922 bestimmt Reichspräsident Ebert das Deutschlandlied zur Hymne der Weimarer Republik.


von Hanno Hotsch

Hoffmann von Fallersleben wollte frei denken, frei mit anderen diskutieren - ohne die Angst vor Spitzeln, Polizei und Gefängnis. Das ging für den jungen Dichter am ehesten im Ausland.
Helgoland war damals Ausland, es gehörte zu Großbritannien.
In Deutschland konnten die Menschen damals von Werten wie Freiheit oder Recht nur träumen.
Genau das aber tat August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.
Ähnlich wie viele fortschrittliche Geister sehnte er die Überwindung von Willkür und Feudalherrschaft der zahllosen Fürsten herbei: ein einiges, demokratisches Deutschland.

"Lied der Deutschen" entsteht auf Helgoland
Fallerslebens Haus in schwarz-weiß als Gemälde.
Das Haus, in dem von Fallersleben während seines Helgoland-Aufenthaltes gewohnt hat, steht nicht mehr.
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Diese Träume diskutierte er auf Helgoland mit Gleichgesinnten.
Auf einer Klippe der Nordseeinsel sitzend schrieb von Fallersleben das "Lied der Deutschen" auf.
Er unterlegte dem Text die Melodie des "Kaiserquartetts" von Joseph Haydn.
Hoffmann von Fallersleben, der am 2. April 1798 in dem kleinen Ort Fallersleben bei Wolfsburg geboren wurde, sprach mit dem Text der Sehnsucht vieler Menschen in Deutschland aus dem Herzen.
Sein Verleger Kampe kaufte ihm das dreistrophige Lied sofort ab.
Er druckte mehrere hundert Exemplare - die waren sofort vergriffen.

Hoffmann von Fallersleben:
Star des Liberalismus, Feind des Adels

Bei den Intellektuellen wurde von Fallersleben schnell ein Star, nicht aber bei vielen Fürsten.
Denn die Idee von einem einheitlichen Deutschland machte sie überflüssig.
Der Ruf nach Recht bedrohte ihr Feudalsystem, der Ruf nach Freiheit gefährdete ihre Macht.
Obwohl das Deutschlandlied damals nur eines von vielen Liedern der deutschen Nationalbewegung war, wurde von Fallersleben nur ein Jahr nach dem Verfassen auf Helgoland kurzerhand und ohne weitere Bezüge seines Lehrstuhls an der Uni Breslau enthoben.
Die Zensurbehörde warf ihm Verachtung und Hass gegen Landesherrn und Obrigkeit vor, und so wurde er in den 1840er-Jahren zum politisch verfolgten Asylanten.

Im Jahr 1922 bestimmte Reichspräsident Friedrich Ebert (SPD) das immer populärer gewordene Lied zur Nationalhymne der Weimarer Republik - mit allen drei Strophen.

"Lied der Deutschen": Nationalsozialisten singen nur die erste Strophe
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde nur noch die erste Strophe gesungen, auf die das "Horst Wessel Lied" folgte. Hatte von Fallersleben die Idee eines nach innen geeinten Deutschland über alles gestellt, stellten die Nazis nun Deutschland nach außen über alle anderen. Das Lied selbst war durch die Nazis, deren Diktatur und den Krieg so negativ besetzt, dass es danach viele Menschen nicht mehr als Nationalhymne wollten. 1950 sagte unter anderem der damalige Bundespräsident Theodor Heuss, der Text sei zwar in seinem Ursprung ein Teil der deutschen Geschichte, aber "das ungeheure Schicksal, das die staatlichen Zusammenhänge zerschlug, schuf einen Geschichtseinschnitt, der mit dem alten Sinn- und Wortvorrat nicht mehr umfasst werden kann."

Neue Hymne findet keinen Zuspruch

Heuss gab deshalb ein neues Deutschlandlied in Auftrag. Die "Hymne an Deutschland", getextet von Rudolf Alexander Schröder mit einer Melodie von Hermann Reutter, setzte sich beim Publikum aber nicht durch. Stattdessen führte ein anderer Spitzenpolitiker, Konrad Adenauer, bei einem Auftritt 1950 im Berliner Titania-Palast die dritte Strophe der alten Hymne wieder ein - und gab ihr neuen Sinn:

Wenn ich Sie nunmehr, meine Damen und Herren, bitte, die dritte Strophe des Deutschlandliedes zu singen, dann sei uns das ein heiliges Gelöbnis, dass wir ein einiges Volk, ein freies Volk und ein friedliches Volk sein wollen.
Bundeskanzler Konrad Adenauer, 1950
Heuss lenkte nach einem Briefwechsel mit Adenauer schließlich ein, sodass die dritte Strophe des Deutschlandliedes von Hoffmann von Fallersleben ab 2. Mai 1952 als Nationalhymne Bundesrepublik gesungen werden sollte.


Video: Deutschlandlied - über alles? (Panorama vom 20.07.1964) (21 Min)
Kann man sich im o.g. Link ansehen.


"Einigkeit und Recht und Freiheit": Dritte Strophe seit 1991 offizielle Nationalhymne
Ganz offiziell Nationalhymne ist die dritte Strophe vom "Lied der Deutschen" erst seit 1991.
Das besiegelten Bundeskanzler Helmut Kohl und Bundespräsident Richard von Weizsäcker in einem Briefwechsel:
Die dritte Strophe des Hoffmann-Haydn’schen Liedes habe sich als Symbol bewährt und solle es bleiben.
An den Dichter von Fallersleben erinnert auf Helgoland eine große Bronzebüste.
Sie steht auf dem Unterland, unmittelbar am Anleger, an dem die Touristen ankommen.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.

Zeitgenössische Darstellung von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.
Hoffmann von Fallersleben: Ein streitbarer Geist

Er textete das "Lied der Deutschen". Den Dichter kosteten seine politischen Ansichten den Job.
Am 19. Januar 1874 starb er.

LINK ZU DIESEM BEITRAG:
https://www.ndr.de/geschichte/chronolog ... en101.html
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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