Schleswig-Holstein früher und heute

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frische Luft
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Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Schleswig-Holstein früher und heute
Ortschaften und Bilder von früher im Vergleich mit Fotos von heute - möglichst aufgenommen von exakt derselben Position:
Das ist das zentrale Element der Serie "Schleswig-Holstein früher und heute".

Die der "NDR 1" Welle Nord, in ALPHABETISCHER REIHENFOLGE zusammengestellt hat.

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... te100.html

Es folgen die Ortschaften !
Die darin gezeigten Bilder, kann man mit dem Schieberegler von früher und heute vergleichen.
Verschieben Sie den Regler einfach mit der Maus oder dem Finger auf Smartphone und Tablet.

.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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frische Luft
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Schleswig-Holstein früher und heute
Stadtkern von Arnis © NDR Foto: Stella Kennedy

BILD befindet sich im Link der Quelle !
***********************************************
Die kleinste Stadt Deutschlands:
So wurde Arnis zur Stadt

Stand: 14.04.2024 00:00 Uhr

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... is150.html
STADTKERN VON ARNIS !
STADTKERN VON ARNIS !
k-sturmflut1898_v-contentxl.jpg (100.87 KiB) 1163 mal betrachtet

BILD und TEXT-KOPIE:

Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Der 14. April 1934 wird als eigentliches Stadtgründungsdatum von Arnis angeben, das mit nicht einmal 300 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands ist.
Ein interaktiver Foto-Vergleich zeigt die Entwicklung des Ortes an der Schlei, der lange ohne Fähre auskommen musste.


von Jan Altmann

Arnis liegt auf einer Halbinsel in der Schlei unweit von Kappeln (Kreis Schleswig-Flensburg).
Das Areal war lange Zeit unbewohnt.
Im 17. Jahrhundert zogen etwa 65 Familien aus Kappeln dorthin.
1667 wurde Arnis offiziell gegründet.
Lange Zeit hatte der Ort den Status eines sogenannten Flecken.


Das änderte sich in den 1930er-Jahren, als die Nazis an die Macht kamen.
"Sie wollten nur noch Dörfer oder Städte haben", berichtet Lieselotti Wiese.
Sie wuchs in der Nähe von Sörup in Angeln auf, lebt seit 1950 in Arnis und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte von Arnis.
Am 1. Januar 1934 wurde Arnis offiziell zur Stadt erklärt - zunächst auf Probe. Allerdings wird der 14. April 1934 als eigentliches Stadtgründungsdatum betrachtet.
An jenem Tag hat der Schleswiger Landrat Anton Wallroth den ehrenamtlichen Bürgermeister der Stadt ernannt.

Heute hat Arnis nicht einmal 300 Einwohner (Stand Dezember 2022: 273) und ist damit die kleinste Stadt Deutschlands.
Das gilt übrigens auch der Fläche nach.
Lediglich 0,45 Quadratkilometer misst das städtische Areal.
Nach der beliebten Umrechnung in Fußballfeldern entspricht dies einer Zahl von 63 Plätzen.


Nahezu unverändert:
Die ehemalige Schule in Arnis, daneben das Spritzenhaus (altes Foto um 1925).
Heute (2019) ist das Gebäude ein Wohnhaus.

BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

(Mit dem Schieberegler auf diesem und den weiteren Bildern können Sie das Arnis von früher und heute vergleichen. Verschieben Sie den Regler einfach mit der Maus oder dem Finger auf Smartphone und Tablet.)


Arnis: Im 18. Jahrhundert ein wichtiger Handelsplatz
Arnis besitzt schon lange ein Fährrecht, nutzte dies zunächst aber nicht.
"Über 150 Jahre seit seiner Gründung war Arnis als Insel ohne Fähre und Verbindung mit Angeln und Schwansen", schreibt Walter Luth in seinem Buch "Arnis - Eine kleine Stadt mit großer Vergangenheit" (1977).
Jeder Einwohner war quasi sein eigener Fährmann.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Arnis zum wichtigen Handelsplatz.
Vom Hafen aus brachten etwa 70 Frachtsegler regelmäßig Waren und Vieh über die Ostsee und nach Skandinavien.
Es entstanden Werften, die die Handelsschiffe bauten oder warteten.


BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Die Lange Straße in Arnis:
Das Kaufhaus des Unternehmers Hans Nissen auf einem Foto um 1935 - und heute (2019).
Die meisten Gebäude haben sich kaum verändert, Bäume prägen immer noch das Straßenbild.

1826: Start des Fährbetriebs mit Fährrampe

Damit auch die Bauern am anderen Ufer in Sundsacker Gespanne mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach Arnis transportieren konnten, wurde an beiden Uferseiten mit dem Bau einer Fährrampe begonnen.
Das Jahr der Fertigstellung, 1826, gilt als offizieller Start des Fährbetriebs.
Das Übersetzen lief zunächst mit Muskelkraft:
Ein Schiff wurde mit einer Leine von der einen Uferseite zur anderen gezogen.


BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Etwa 1890 errichteten Pioniere eine schwimmende Behelfsbrücke über die Schlei.
Heute (2019) bringt eine Fähre Autos, Radfahrer und Fußgänger von Arnis ans andere Ufer nach Sundsacker.

Pontonbrücken über Schlei als Übergangslösung
Die Arnisser wollten einen regelmäßigen Fährbetrieb und pochten auf ein entsprechendes Privileg, dass ihnen Herzog Christian Albrecht (1641-1695) vor langer Zeit eingeräumt hatte.
Die königliche Regierung in Kopenhagen lehnte ein Gesuch ab.
Es folgte ein langjähriger Rechtsstreit.
Arnis behielt am Ende seine Fährlizenz.
Eine feste Verbindung nach Sundsacker auf der anderen Uferseite war offenbar nie geplant.

Kriegsbedingt legte der Fährbetrieb zwei Mal eine Zwangspause ein.
Nach dem Ende des deutsch-dänischen Kriegs (1864) errichteten preußische Pioniere um 1890 eine provisorische Brücke.
Auch während des Ersten Weltkriegs musste ein Transportweg her.
Die Lösung war eine schwimmende Pontonbrücke.

"Ein örtlicher Schiffer holte sie damals aus dem dänischen Sonderborg ab", erzählt Lieselotti Wiese.
"Die provisorische Schlei-Querung wurde aber nach wenigen Wochen wieder abgebaut."
Später kaufte Arnis das Grundstück am anderen Ufer in Sundsacker.

BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Im früheren Kaufhaus Nissen eröffnete ein Enkel des Unternehmers einen Supermarkt (Foto um 1980).
Heute (2019) befindet sich im Untergeschoss eine Bäckerei.

Bis heute ist eine Fähre mit Motor im Einsatz

Seit den 1960er-Jahren verkehrt eine Fähre mit Motor. Das jetzige Schiff wurde 1981 gebaut.
in Stahlseil führt das Schiff von der Angelner Seite über die Schlei auf die Schwanser Seite und umgekehrt.
Die Stadt Arnis verpachtet den Fährbetrieb. Früher hat der Fährmeister auch im Arnisser Fährhaus unweit des Anlegers gewohnt.
Heute ist das Gebäude eine Gaststätte.

Im Herbst 2023 taucht der Name Arnis verstärkt in den Medien auf:
Infolge eines sturmbedingten Hochwassers der Ostsee bricht dort ein Deich.
Der Ort wird größtenteils überflutet.
Zuletzt geändert von frische Luft am So 19. Mai 2024, 09:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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frische Luft
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Ahrensburg: Viel Altbau-Charme zwischen Neubauten
Stand: 18.01.2024 05:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... rg288.html


ahrensburg400_v-contentxl.jpg
ahrensburg400_v-contentxl.jpg (234.19 KiB) 1202 mal betrachtet
BILD und TEXT-KOPIE:

Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Das Stadtrecht erhielt Ahrensburg am 18. Januar 1949. Im Stadtbild sind noch einige alte Villen vorhanden.
Hinzu kamen viele moderne Gebäude.
Die Serie "Schleswig-Holstein früher und heute" zeigt alte Fotos im Vergleich zu neuen Aufnahmen.


von Doreen Pelz

Ahrensburg liegt vor den Toren Hamburgs und ist besonders wegen seines Schlosses bekannt.
Die Stadt im Südosten Schleswig-Holsteins befindet sich im Kreis Stormarn.
Die Geschichte Ahrensburgs geht zurück bis ins 13. Jahrhundert, als die Grafen von Schauenburg das Dorf Woldenhorn und die Nachbardörfer Ahrensfelde, Meilsdorf und Beimoor gründeten.
Einige von ihnen wurde urkundlich sogar schon früher erwähnt als Woldenhorn, das 1314 erstmals Erwähnung fand.
Zum 7. Juni 1867 wurde das bisherige Gutsdorf Woldenhorn eine selbstständige preußische Landgemeinde und benannte sich durch Beschluss der Gemeindeversammlung in Ahrensburg um.

Am 18. Januar 1949 erhielt Ahrensburg das Stadtrecht.
Damals hatte es etwas mehr als 17.000 Einwohner.
Viele von ihnen waren ausgebombte Hamburger, Flüchtlinge und Vertriebene.
Heute leben doppelt so viele - 34.000 Menschen (Stand: Dezember 2022) - dort.
Die Infrastruktur der Stadt wurde immer weiter ausgebaut.
Viele Betriebe siedelten sich dort an. Neue Firmengebäude und Wohnhäuser entstanden.
Dennoch gibt es auch heute noch einige alte Villen und Häuser, die aus der Zeit der Jahrhundertwende oder aus den 1930er-Jahren stammen und die erhalten werden.

Familie saniert Altbau mit viel Geschiche
Mitte der 2000er-Jahre haben Annemarie und Stefan Lüning das Haus in der Hamburger Straße in Ahrensburg gekauft. Der Altbau stammt aus dem Jahr 1903.
"Es war ein Haus, wo lange nichts dran gemacht worden war. Deshalb konnten wir es auch kaufen."
Seitdem wurde viel renoviert, doch abgeschlossen seien die Arbeiten nie, sagt Annemarie Lüning.
Das Haus hat eine Geschichte.
Zu sehen ist das nicht nur am alten Holzboden und dem Stuckrahmen an der Decke.
In jedem Raum hängt ein Bild mit den alten Tapeten, die beim Renovieren als unterste Schicht gefunden wurden.
An der Außenfassade gibt es neben der Eingangstür ein altes Relief mit der Inschrift:
"Das Glück des Hauses ist das Glück der Welt".


Wandverzierung an der alten Stadtvilla
Anfangs konnte sich die Familie nicht dafür begeistern.
Jetzt, sagt Annemarie Lüning, gehöre es zum Haus und seiner Geschichte.
"Das typische Neubaugebiet hätte nicht zu uns gepasst. Ich wollte schon immer im Altbau wohnen", erzählt sie.
"Viele Leute bleiben auch vor dem Haus stehen, schauen auf das Relief und fragen sich, was das denn ist."

Ein ehemaliger Besitzer des Hauses hatte die abgebildete Frau mit dem Äskulapstab als Wandverzierung angefertigt. Seine Frau war Ärztin und hatte in dem Haus in der Hamburger Straße eine kleine Praxis.


BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Der sogenannte Fasanenhof - erbaut um 1900 als Hotel und Gaststätte.
In den 1980er-Jahren wird das Haus dann zu einer Klinik umgebaut und bis 2011 betrieben.
2015 reißt man den Fasanenhof bis auf eine Fassade ab.
Im Stil der alten Villa entsteht ein neues Gebäude mit 29 Eigentumswohnungen (Stand 2019).

Um 1900: Bahnhof bringt Touristen aus Hamburg
Ein weiterer entscheidender Grund dieses Haus zu kaufen, war das Grundstück - "vor allem mit dem alten Baumbestand", schwärmt Annemarie Lüning.
Die Häuser in der Hamburger Straße entstanden alle um die Jahrhundertwende.
40 Jahre zuvor hatte Ahrensburg einen Bahnhof bekommen, die Hamburger Straße war dann eine der ersten in Bahnhofsnähe.
Durch die günstige Verkehrslage zog es viele Hamburger in den Kreis Stormarn.

BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Im August 1865 wird der Bahnhof in Ahrensburg eröffnet.
Er liegt damals außerhalb der Stadt und gehört zum Gut der Familie Schimmelmann.
Die Einwohner des damaligen Ortes Woldenhorn beschließen zwei Jahre nach der Eröffnung, dass ihr Ort nun wie die Bahnstation Ahrensburg heißen soll.
Mit dem Zug kommen um 1900 - vor allem am Wochenende - viele Touristen aus Hamburg.
Die neue Aufnahme ist von 2019.

Häuser und Bäume stehen unter Denkmalschutz
Wohlhabende Hamburger hatten ihren Wohnsitz nach Ahrensburg verlegt, östlich des Bahnhofs entstand ein Villenviertel.
Für die parkähnlichen Gärten bestand ein großer Bedarf an Pflanzen, sodass sich viele Landschaftsgärtner und Gärtnereien ansiedelten.

BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Das Villenviertel zwischen Hagener Straße und Parkallee entsteht um die Jahrhundertwende.
In der Hagener Allee stehen heute (Stand: 2019) nicht nur die Häuser wie Nummer 80, sondern auch die Bäume unter Denkmalschutz.

Schrille Tapeten und alte Zeitungen
Im Laufe der Sanierungsarbeiten hat die Familie Lüning immer wieder Interessantes entdeckt.
"Wir hatten ungefähr zehn schrille Tapetenarten im Haus.
Im Flur war Dschungel", erzählt Annemarie Lüning lachend - und ihr Mann Stefan ergänzt:
"Und wir haben auch bei der Renovierung zu jeden baulichen Maßnahmen eine Zeitung gefunden.
Da hat man immer gesehen, wann die Arbeiten passiert sind.
Oben im Flur hatte ich eine von 1976.
Und ein Zwei-Mark-Stück habe ich auch gefunden."

BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Auf den großzügigen Gartengrundstücken der großen Villen in der Parkallee in Ahrensburg ist viel gebaut worden.
Eine direkte Sicht auf die denkmalgeschützten Häuser - wie von der Villa Rickmer 1915 - gibt es 2019 kaum noch.
Sie wird durch hohe Zäune und Hecken oder sogar neue Einfamilienhäuser verdeckt.

Alte Häuser verschwinden aus Ahrensburg
Das Haus der Lünings wurde, wie viele Häuser der Hamburger Straße, als schützenswert eingestuft.
Der Altbaubestand sollte so bleiben, wie er ist.
Auch für die Hagener Allee auf der gegenüberliegenden Seite der Bahngleise gilt das.
In anderen Straßen des Villenviertels verschwinden hingegen immer mehr alte Häuser.
Die neuen Besitzer reißen sie ab und bauen größere Mehrfamilienhäuser auf die Grundstücke.
Denn wie vor 100 Jahren boomt Ahrensburg - und der moderne, hochwertige Wohnraum ist knapp

Das ist eine Entwicklung, die auch Stefan Lüning bemerkt hat.
"50er- und 60er-Jahre-Häuser verschwinden immer wieder.
Oder hinter oder vor einer alten Villa wird noch ein neues Haus gebaut."
Er selbst ist dafür, dass der alte Bestand erhalten bleibt.


BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Wie sehr sich die Stadt in 100 Jahren verändert hat, lässt sich auch an der Großen Straße erkennen.
Kaum eines der Häuser um 1900 steht heute (2019) noch.
Auch die Häuser, die dort in den 1960er-Jahren standen, wurden durch moderne Bauten ersetzt.

Ahrensburg: Vom Land zum Stadtkern gewachsen
Die Stadt Ahrensburg ist nicht von einem Stadtkern nach außen gewachsen, sondern von außen zum Stadtkern hin.
Der Hintergrund:
Viele Flächen, die zur heutigen Stadt gehören, waren um 1900 noch im Besitz der Schlossherren - der Familie Schimmelmann.
Erst nach und nach wurden zum Teil sehr große Grundstücke im Süden verkauft.
Das heutige Villenviertel wurde gebaut.
Im Westen entstanden kleinere Parzellen mit eigenem Nutzgarten.
Nachdem die Familie in den 1920er-Jahren Ahrensburg verlassen hatte, waren alle Ländereien bis zum Schlossgarten an Privateigentümer verkauft.
Die bauten Häuser auf Flächen, die von der Stadt eigentlich gar nicht als Baugrund vorgesehen waren.
Im Herzen von Ahrensburg, direkt hinter dem Rathaus, blieb ein großes Stück Land frei:
der Stormarnplatz.
Auch heute ist das noch eine Freifläche mit Sportplätzen und einem kleinen Parkplatz.
Erst im Juni engagierten Ahrensburger ein Protestgrillen auf dem Platz.
Der Umbau zu einem großen Parkplatz soll verhindert werden.


BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Auch wenn im Villenviertel viele neue Häuser entstehen - auch am Altbestand wird festgehalten.
Die Villa in der Parkallee 50 sieht 2019 trotz eines Umbaus von außen fast noch so aus wie 1931.


Junge Familien halten alten Charme am Leben

"Es soll ja auch kein Freilichtmuseum werden.
Aber die Grundstücke noch einmal vollzustopfen, um möglichst viele neue teure Eigentumswohnungen zu schaffen, das finde ich nicht gut", meint Annemarie Lüning.
Auch in der Hamburger Straße sind neue Gebäude entstanden, die Familie Lüning nicht besonders schön findet.
Sie freuen sich dagegen über eine junge Familie, die einige Häuser weiter in ein ähnliches Haus wie ihres gezogen ist. Sie könnten sich sehr gut in die Situation hineinfühlen, wie es ist, mit Kind ein solches Haus zu renovieren.
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Wo Bad Bramstedt feiert: Der Kaisersaal im Wandel der Zeit
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 24.05.2021 07:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... dt216.html

Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

k-badbramstedt266_v-contentxl.jpg
k-badbramstedt266_v-contentxl.jpg (79.75 KiB) 1162 mal betrachtet
BILD und Text-KOPIE:

Der Kaisersaal in Bad Bramstedt ist seit 200 Jahren in Familienhand.
Der neue Betreiber des Lokals erhält die Brücken zur Vergangenheit.
Fotos unserer Serie "Schleswig-Holstein früher und heute" belegen den Wandel.


von Anne Passow

Der Geruch von Frittiertem liegt in der Luft.

In der Küche des Kaisersaals Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) wendet Lars Fuhlendorf Kartoffeln in einer großen Pfanne. "Die sind für eine Vorbestellung und werden gleich abgeholt", erklärt der Küchenchef.
Fuhlendorf steht jeden Tag in der Küche des Kaisersaals, auch während der diversen Corona-Lockdowns war hier immer was los.
"Wir haben durchgehend außer Haus geliefert und auch mal 100 Bestellungen pro Tag gehabt", erzählt er und dreht den Herd noch etwas auf.


BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Als August Fuhlendorf (gestorben 1908) den Kaisersaal Ende des 19. Jahrhunderts betreibt, gibt es den Wintergarten noch nicht.
Dafür lässt er 1894 den Festsaal hinten am Gebäude anbauen.
August Fuhlendorf betreibt ab 1856 die auf dem Bild gezeigte Kutschlinie Wrist-Bramstedt als Zubringer zu Bahnlinie. Der heutige Betreiber Thorsten Ehlers saniert das Lokal derzeit gründlich durch.


"Wenn nichts los war, konnte ich nicht einschlafen"

BILD befindet sich im o.g. Link !

Thorsten Ehlers (l.) und Lars Fuhlendorf haben den Kaisersaal durch die Corona-Krise gebracht.
Lars Fuhlendorf gehört quasi zum Inventar des Kaisersaals.
"Ich hab meine Kindheit hier verbracht.
Wir haben direkt hier drüber gewohnt", sagt er und weist mit dem Pfannenheber gen Decke.
"Wenn hier unten nichts los war, konnte ich nicht einschlafen.
Und als Kinder mussten wir immer viel mithelfen, Kartoffeln pellen oder kleine Fleischklößchen drehen", erinnert er sich.
Der Kaisersaal und seine Familie haben eine Geschichte, die Jahrhunderte zurückreicht.
Seine Eltern, seine Großeltern, seine Urgroßeltern und auch deren Vorfahren betrieben den Kaisersaal - über etwa zehn Generationen.

"Da steckt sehr viel Liebe hinter"
"Dieser Gasthof gehörte fast 200 Jahre lang der Familie Fuhlendorf.
Die waren ganz früher Bauern und haben den Gasthof nebenher betrieben.
Im 17., 18. Jahrhundert wurde er das erste Mal urkundlich erwähnt", berichtet Jan-Uwe Schadendorf.
Er ist Heimatforscher in Bad Bramstedt.
"Wenn man dort ist, merkt man, dass da sehr viel Liebe hintersteckt", sagt er über das Lokal.
Schadendorf speist viel im Kaisersaal und ist gern bei Feiern dabei, zum Beispiel beim jährlichen Gildefest.


BILD "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

1972 wird der Landweg für Kanalbauarbeiten komplett aufgerissen. Heute rollt hier der Verkehr.

Fleckensgilde und Kaisersaal verbunden
Da feiert auch immer Thorsten Ehlers mit.
"Das hier ist schon immer quasi das Gildehaus der Fleckensgilde gewesen", sagt er.
Der Finanzberater übernahm die Traditionsgaststätte 2019.
"Es war mir wichtig, dass das hier weitergeht.
Der Kaisersaal gehört zu Bad Bramstedt", betont er.
Einige Zeit war es ungewiss, ob das Lokal überleben würde.
Lars Fuhlendorfs Großmutter betrieb den Gasthof nach dem frühen Tod ihres Mannes lange in Eigenregie.
Später übernahmen Fuhlendorfs Eltern.
"Aber ein paar Jahre nachdem mein Vater verstarb, hat meine Mutter den Gasthof verkauft.
Alleine konnte sie ihn nicht betreiben", erinnert sich Fuhlendorf.


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Am 8. Mai 1933 hissen Nationalsozialisten vor dem Rathaus in Bad Bramstedt ihre Flaggen. Heute wehen hier andere Fahnen im Wind.

Ein Bauunternehmer kaufte den Kaisersaal 2014, setzte einen neuen Geschäftsführer ein und der versuchte, ein gehobenes Restaurant zu etablieren.
Zum Leidwesen der Vereine der Stadt, die nun keinen Ort mehr für ihre Veranstaltungen hatten.
Als der Bauunternehmer in die Insolvenz ging, kaufte Thorsten Ehlers die Gaststätte - und steuert sie nun, gemeinsam mit Küchenchef Lars Fuhlendorf, durch die Corona-Krise.


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Die Villa des Privatiers Adolf Mehrens direkt an der Osterau ist jahrzehntelang ein Schmuckstück Bad Bramstedts. Zeitweise ist hier die Sparkasse untergebracht. In den 1970er Jahren wird das Haus abgerissen.

Lockdowns zum Sanieren nutzen
"Über unser Online-Bestellsystem ordern die Leute hier weiterhin Essen, und wir nutzen die Zeit, um hier zu sanieren", sagt Ehlers und führt in den großen Hauptraum:
weiße Wände, weinrote Polstermöbel, Holzstühle mit roter Samtlehne, eine langgestreckte Theke mit Holzverkleidung, in der - indirekt beleuchtet - Weine und Spirituosen gezeigt werden.
"Unseren Tresen haben wir komplett neu gemacht, der war vorher viel kleiner", sagt Ehlers.


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Im Vergleich von 1960 zu heute hat sich rund um die Bleeck in Bad Bramstedt viel verändert.

Mittagessen mit Geschäftsleuten
Und Lars Fuhlendorf erinnert sich an die Gaststätte seiner Kindheit.
"Wenn ich aus der Schule zurückgekommen bin, saßen die Geschäftsleute hier und haben zu Mittag gegessen.
Ich und meine Schwester haben uns einfach dazugesetzt und unsere Königsberger Klopse oder Rouladen bekommen", erzählt er.
Der gelernte Koch kam vor etwa 18 Jahren als Küchenchef in den Kaisersaal.
"Eigentlich sollte ich damals nur meiner Mutter aushelfen."
Doch er blieb, lebt heute nebenan mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter.
Damit, dass das Fuhlendorfer Traditionslokal nun Thorsten Ehlers gehört, hat er kein Problem.
"Sie ist in guten Händen, und ich mische ja weiterhin mit", sagt er dazu.


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1909 beherschen noch Pflastersteine und spielende Kinder die Kirchenbleeck.
Heute führt eine Straße hierher.


Vom Kinodurchgang zum Speiseraum
Und Thorsten Ehlers führt weiter durch das sanierte Lokal.
Stolz ist er auf die Rolandstube.
"Ganz früher war hier der Eingang zum Kino", erzählt er.
Später versammelten sich in dem kleinen Nebenraum Vereine, dann wurde er lange als Büro genutzt.
"Jetzt können hier wieder Gäste sitzen", sagt Ehlers und deutet auf den Raum mit sandfarbenden Stühlen, Tischen, Sesseln und einer mit Weinkisten verkleideten Wand.


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Das einstige Café Albert wird von der Familie Bruse aus Kiel übernommen und zum Rasthaus Kiel Hamburg gemacht, wie diese Aufnahme aus den 1960er-Jahren zeigt.
Auch heute gibt es hier noch ein Hotel und ein Lokal.


Alt und neu kombiniert
Bei der Sanierung hat Ehlers versucht, moderne Elemente mit der Geschichte zu kombinieren.
Von alten Zeiten erzählen die historischen Fotos an den Wänden und die Säulen, die bei der Sanierung der Toiletten freigelegt wurden.

"Ich dachte erst:
Was läuft denn da für ein Rohr lang", erinnert sich Ehlers.
Tatsächlich waren hinter Mauerwerk und Putz tragende Säulen des Hauses verborgen.
Drei der vier Säulen wurden jetzt freigelegt - angestrichen und teilweise durch Beleuchtung extra in Szene gesetzt.


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Da wo einst Pflastersteine und ein Treckeranhänger herumstanden, führt heute eine vielbefahrene Straße durch Bad Bramstedt.

Wilhelm der Erste ist Namensgeber
Dann geht es in das Herzstück des Lokals:
in den Festsaal, den Kaisersaal.
"Bennant ist der nach dem da", sagt Lars Fuhlendorf und weist auf das Bild von Wilhelm dem Ersten, das am Eingang des Saales hängt.
"Hier ist noch nicht saniert, das kommt später", erklärt Ehlers und schiebt die Türe auf.
Auf den etwa 300 Quadratmetern dahinter hat in den vergangenen Jahrzehnten so ziemlich jeder Bad Bramstedter gefeiert.
Neben der Feier der Fleckensgilde wurden und werden hier Feuerwehrfeste, und Sportlerbälle ausgerichtet.
Auch die Landfrauen und die Jägerschaft kommen im Kaisersaal zusammen.
Und natürlich finden hier jede Menge Privatpartys statt.
"Ich hab hier eine Firmenfeier veranstaltet", berichtet Ehlers.
Und Lars Fuhlendorf erinnert sich gerne an die Silberhochzeit seiner Eltern , auch an seine eigene Hochzeit 2018.
"Als Kind haben wir hier drinnen auch oft Fußball gespielt, wenn es draußen geregnet hat", schmunzelt Fuhlendorf. "Dabei ist auch schon mal die ein oder andere Scheibe zu Bruch gegangen."


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Anfang der 1950er Jahre stehen zwei Schuljungen an der Beeckerbrücke vor Hoffmanns Fotoladen.
Heute fahren hier Autos.


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Historische Schnitzerei im Hinterzimmer
Diese Nachbildung der Rolandfigur schnitzte 1943 ein unbekannter französischer Soldat.
Und dann will Lars Fuhlendorf noch etwas ganz Besonderes zeigen.
Er führt an das Ende des Saals und öffnet die Tür zu einem kleinen Verschlag.
Teppiche, Kerzenständer, Leitern stehen darin. "Das sind unsere Katakomben", erklärt Fuhlendorf.
Und Thorsten Ehlers kramt aus der hintersten Ecke eine Holzfigur hervor.
"Das ist eine Nachbildung der Rolandfigur auf unserem Marktplatz.
Die hat 1943 ein unbekannter französischer Soldat geschnitzt, der hier in Kriegsgefangenschaft war und sich damit bedanken wollte, dass er gut behandelt wurde", erzählt Fuhlendorf.
Zur Feier der Fleckensgilde wird der hölzerne Roland jedes Jahr aufgestellt - und schließt den Kreis zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart.

Von 1955 bis heute hat sich die Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Bramstedt äußerlich nicht groß verändert.


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Ein Faible für besondere Weine
"Einiges hat sich über die Jahre verändert", berichtet Lars Fuhlendorf.
"Neben deftiger Hausmannskost wollen unsere Gäste auch immer mehr vegetarische Speisen essen."
Was sich auch geändert hat:
Die Weinkarte des Kaisersaals ist sehr viel umfangreicher geworden.
"Ich kenne mich da ganz gut aus und lebe hier meine Leidenschaft aus", verrät Thorsten Ehlers.
Bei allen Veränderungen bleibt aber eines gleich, betont Lars Fuhlendorf:
"Die Menschen, die hier essen, das sind alles Stammgäste.
Und die kommen immer wieder, bringen ihre Kinder mit und die wieder ihre Kinder."
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

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Bad Oldesloe: Hier badeten einst Könige
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 13.09.2020 06:00 Uhr

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... oe264.html
kurbadoldesloe162_v-contentgross.jpg
kurbadoldesloe162_v-contentgross.jpg (54.39 KiB) 1161 mal betrachtet
BILD und Text-KOPIE:

Bilder von früher im Vergleich mit Fotos von heute - möglichst aufgenommen von der selben Position: Das ist das zentrale Element der Serie "Schleswig-Holstein früher und heute". So wollen wir den Wandel der Städte im nördlichsten Bundesland dokumentieren. Ein interaktiver Foto-Vergleich macht das besonders deutlich.

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von Anne Passow

Eine Frau steht an einer alten Badewanne.

BILD befindet sich im o.g. Link !

In dieser alten Kur-Badewanne spielte Stadtführerin Sieglinde Demiss-Voigtmann früher Prinzessin und Königin.
Es nieselt.
Und der nasse Kies knirscht unter den Schuhen, wenn Sieglinde Demiss-Voigtmann den Weg im Bad Oldesloer Kurpark entlang geht - vorbei an Büschen und alten Bäumen zu der großen Wiese, auf der eine Schulklasse trotz des Wetters Sportübungen macht.
Auf der Wiese steht eine alte, verwitterte Steinwanne.
"Hier", sagt Demiss-Voigtmann, "hier in dieser Wanne haben wir schon als Kinder König und Prinzessin und Königin gespielt.
Wir hatten damals keine Ahnung, dass hier tatsächlich mal Könige gekurt haben."

Demiss-Voigtmann lebt in Stormans Kreisstadt Bad Oldesloe, seit sie anderthalb Jahre alt ist.
Sie ist quasi im Kurpark aufgewachsen.
Seit 25 Jahren ist sie Stadtführerin.
Heute erzählt sie, wie Oldesloe zu Bad Oldesloe wurde - also zur Kurstadt.

Um 1921 prägte das Kurhaus den Kurpark in Bad Oldesloe. Heute steht dort ein kleines, steinernes Theater. Daneben ist eine Seniorenresidenz.

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Solevorkommen lockten die Menschen
"Dort war unser allererstes Kurhaus." Demiss-Voigtmann weist auf eine kleine, steinerne Bühne auf der anderen Seite der großen Wiese.
Sie berichtet von längst vergangenen Zeiten.
"Wir haben hier schon Besiedlung seit der Steinzeit wegen der Solevorkommen.
Die Sole ist dann ab etwa 1.000 nach Christus immer schon zu Salz versotten worden."
Bei der Versottung wird Sole zu Salz gesiedet.
Das Salz sei dann über den gesamten Ostseeraum verkauft und verschifft worden, sagt die Stadtführerin.

Die Starksche Scheune prägte um 1902 die Mühlenstraße. Später wurde sie abgerissen.


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Apotheker will ein Kurbad
Anfang des 19. Jahrhunderts kam der Oldesloer Apotheker August Lorenzen ins Spiel.
Er war auch Saline-Inspektor.
"Heute würden wir 'Manager der Salzfabrik' dazu sagen", erklärt Demiss-Voigtmann.
Er entdeckte, dass die Oldesloer Sole neben Salz auch Schwefel enthielt, dass es im Untergrund der Stadt außerdem noch Moorwasser gab.
Und er wusste, dass das alles eine lindernde Wirkung bei bestimmten Leiden, wie zum Beispiel Atemwegserkrankungen, haben könnte.
Also stellte Lorenzen 1813 den Antrag, ein Kurbad zu errichten.
"Das machte er in Kopenhagen, denn verwaltungstechnisch gehörte Bad Oldesloe damals ja noch zum dänischen Königreich", sagt Demiss- Voigtmann.


Der Platz mit dem Marktbrunnen am Stadthaus hat sich von 1900 bis heute nicht groß verändert.


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Kurort mit Casino und Pferderennbahn
Lorenzen, erzählt sie, muss ein Verhandlungsgenie gewesen sein.
"Denn eigentlich war im dänischen Königsreich Glücksspiel verboten.
Er hat aber trotzdem die Genehmigung erhalten, hier ein Casino zu errichten."
Diese Ausnahmegenehmigung und der Fakt, dass damals nur in Travemünde ein weiterer Kurort war, machten die Stadt als Kurort attraktiv.
"Und dann gab es noch einen pferdeverrückten Adligen, den Herzog von Augustenburg, der hat hier eine Pferderennbahn eröffnet.
Das zog die Leute an", erzählt Demiss-Voigtmann.

Erst stand an dieser Stelle ein Gefängnis, um 1964 prägte das Amtsgericht den Platz am Beer-Yaacov-Weg, wo heute das Kultur- und Bildungszentrum zu Hause ist.


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Krönungsfeierlichkeiten im Bad
Die Kunde vom neuen Kurort machte die Runde - und die Gäste reisten an, vor allem die gut betuchten.
"Es kamen sehr viele Adlige hier zum Kuren.
Man hatte die entsprechende Gesellschaft", erklärt Demiss-Voigtmann.
Auch Angehörige des Königshauses ließen sich immer wieder im Kurbad blicken.
Und Christian VIII., dänischer König und Herzog von Holstein, hielt hier seine Krönungsfeierlichkeiten ab.
Noch heute gebe es in der Umgebung von Oldesloe viele adlige Güter, so die Stadtführerin.

Um 1975 stand die Gastwirtschaft "Alte Börse" noch. Später wurde sie abgerissen.


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Restaurierte Kurwanne im Seniorenheim
Eine Frau steht an einer Badewanne und lächelt in die Kamera.
Janina Riedel vom "Haus am Kurpark" hat sich darum gekümmert, dass die historische Holzwanne in Stand gesetzt wurde.


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Wer weiß, vielleicht saß Christian VIII. ja sogar in der lederausgeschlagenen Holzwanne, die heute, tadellos restauriert, im Seniorenheim "Haus am Kurpark" steht. Janina Riedel vom "Haus am Kurpark" kümmerte sich darum, dass das Stück in Stand gesetzt wurde und nun in ihrem Haus ausgestellt ist. "Ich selbst bin quasi hier im Kurpark aufgewachsen, habe da viele Erinnerungen dran. Der Kurpark gehört zu Bad Oldesloe und die Wanne erzählt davon. Deshalb hab' ich sie ins Haus geholt", erklärt sie.

Eingepackt werden im Kurschlamm
Und dann gibt sie einen Einblick, wie man im 19. Jahrhundert in solchen Wannen kurte.
"Ich hab' mir erzählen lassen, es wurde ein kleiner Holzhocker in die Wanne gesetzt, so dass man einigermaßen erhöht saß.
Ein Teil des Bads, ob das Moorbad oder Fango war, lag schon unten auf dem Grund.
Dann wurde mit Holzeimern in einer guten Temperatur zugefüllt, so dass der Kurgast das wohlige Gefühl hatte, eingepackt zu werden in diesen Kurschlamm."

Neben Holzwannen gab es einst auch Zinn-, Kupfer- oder eben Steinwannen wie die, die heute noch im Park steht und in der Demiss-Voigtmann schon als Kind spielte.
"Die Wannen standen damals in Badepavillions, wo die Herrschaften sie dann nutzen konnten", so die Stadtführerin.

Um 1914 stand dieser Aussichtsturm am Salzteich. Heute wuchern Bäume und viel Grün.


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Die Herrschaften badeten im Salzteich
Im Bewegungsbad ihres Seniorenwohnheims hat Janina Riedel noch etwas, das an die Kurzeit erinnert.
Ein lokaler Künstler hat die Wand des Bades im Keller des Hauses mit einer idyllischen Landschaft mit See und Badekarren verschönert.
"Das ist unser Salzteich", erklärt Riedel.
Den Teich gibt es noch immer, die Badehäuschen längst nicht mehr.
"Die standen hier Anfang des 19. Jahrhunderts.
Dort zogen sich die Herrschaften um, bevor sie in den See zum Baden gingen", erklärt Demiss-Voigtmann.

Sie selbst kennt den Salzteich nur allzugut.
"Der ist nicht sehr tief.
Wir sind früher als Kinder drinnen rumgewatet und haben Stichlinge gefangen.
Die haben wir dann gegessen - als Mutprobe, einfach so, wie sie waren."

Zu Kurortzeiten zogen sich die Herrschaften in den Badekarren um, bevor sie im Salzteich badeten.
Heute schwimmen hier nur noch Enten und Fische.


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Kurpark oder Kurwald?
In ihrer Kinderzeit war der Kurpark ein großes, wildes Spielparadies.
Bäume und Sträucher wachsen hier auch heute noch ziemlich wild, weshalb der Kurpark von manchen Menschen auch als Kurwald bezeichnet wird.
In der Innenstadt von Bad Oldesloe stehtnoch eine Wasserpumpe, mit der man die Sole, die es ja immer noch gibt, an die Oberfläche pumpen kann.

Ein paar mal käftig pumpen - und das Wasser sprudelt die Pflastersteine hinunter.
Es schmeckt salzig - "und es stinkt manchmal ganz schön nach faulen Eiern hier", erzählt Demiss- Voigtmann.
"Das kommt von dem Schwefel in dem Wasser.
Die Anwohner stört das natürlich. Deshalb wird die Pumpe zwischendurch auch immer mal wieder abgestellt."

Der Bahnhof in Bad Oldesloe hat sich von 1910 bis heute stark verändert. - Anmerkung:
Nach Auskunft eines Lesers zeigen historisches und nachfotografiertes Bild nicht dieselbe Stelle.
1910 gab es nach den Informationen des Lesers einen Inselbahnhof zwischen den heutigen Gleisen 5 und 4, nachfotografiert wurde auf dem Gleis 3.


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Wandeln zwischen gepflegten Beeten und Kastanienallee
Auf die schwefelhaltige Sole können einige Bad Oldesloer heutzutage also gern verzichten, auf ihren Kurpark nicht. In Nicht-Corona-Zeiten findet hier einmal im Jahr das Kurparkfest statt. Ein privater Theaterverein führt auf der kleinen steinernen Bühne im Park regelmäßig historische Stücke zur Stadt auf. Der THC Bad Oldesloe hat hier seine Tennisplätze. Und täglich nutzen unzählige Sportler und Spaziergänger den Park.

Auch Demiss-Voigtmann ist hier oft unterwegs - und stellt sich manchmal vor, wie es hier ganz früher ausgesehen haben muss.
Der Apotheker Lorenzen habe Anfang des 19. Jahrhunderts extra einen Gartenkünstler hergeholt, um den Kurpark zu gestalten, erzählt sie.
Neben den akkuraten Blumenbeeten gab es "eine Kastanienallee, es gab eine Eichenallee.
Wenn man sich heute umsieht, kann man vielleicht noch zwei oder drei Kastanien oder Eichen am Stück sehen.
Aber sonst haben wir aus unserer Badezeit wirklich nichts mehr", bedauert sie.

In der Hindenburgstraße hat sich seit 1939 viel getan.


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Verspäteter Titel: Oldesloe erst 1913 ein "Bad"
Die Kurbad-Zeit endete nach nicht allzulanger Zeit.
1850 wurde die Erlaubnis für das Casino wieder entzogen, Kurbäder an den Küsten wurden für die Erholungssuchenden interessanter.
In das Kurbad Oldesloe kamen kaum noch Gäste.
Aber immerhin, 1910, als die Stadt als Kurort schon gar nicht mehr relevant war, bekam sie den Titel "Bad".
Und den hat die Stadt bis heute - als Andenken an die Zeit, in der sich hier Adlige in Solebädern aalten, sich im Casino verlustierten und zwischen gepflegten Blumenrabatten spazieren gingen.
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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frische Luft
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Pferde und Motorräder: Bad Segebergs Rennkoppel
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 26.07.2019 19:12 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... rg172.html

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badsegeberg260_v-contentgross.jpg (59.47 KiB) 1126 mal betrachtet
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von Anne Passow

Bilder von früher im Vergleich mit Fotos von heute - möglichst aufgenommen von derselben Position:
Das ist das zentrale Element der Serie "Schleswig-Holstein früher und heute".
So wollen wir den Wandel der Städte im nördlichsten Bundesland dokumentieren.
Ein interaktiver Foto-Vergleich macht das besonders deutlich.

Hans-Werner Baurycza vor den Tribünen des Landestunierplatzes in Bad Segeberg.
Als kleiner Steppke erlebte Hans-Werner Baurycza in den 1950er-Jahren die Grasbahnrennen hautnah.


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Den Sand zwischen den Zähnen spürt Hans-Werner Baurycza auch heute noch - aufgewirbelt von unzähligen Motorrädern samt Beiwagen.
Mitte der 1950er-Jahre erlebt Baurycza als damals Vierjähriger die Grasbahnrennen auf dem Landesturnierplatz in Bad Segeberg.
"Es war richtig laut. Die Menschen schrien und waren begeistert", erzählt er.
"Neben der Tribüne war das Fahrerlager.
Da kamst du als kleiner Steppke auch rein. Alle waren am Schrauben. Die Fahrer nahmen einen auch mal beiseite und zeigten einem was."


Zur 800-Jahres-Feier der Stadt Bad Segeberg marschieren die Nationalsozialisten 1937 auf der Rennkoppel auf. Anschließend findet das Schleswig-Holsteinische Landesturnier statt.
Heute nutzen die Bad Segeberger den Landesturnierplatz auch als Naherholungsgebiet.


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Stadtgeschichte mit Rennkoppel verknüpft
Wenn der 68-Jährige davon erzählt, meint man die Motorräder noch lärmen zu hören.
Auch wenn es an diesem Tag ruhig ist auf dem Landesturnierplatz, der in Bad Segeberg auch als Rennkoppel bekannt ist.
Vögel zwitschern, eine Joggerin trabt vorbei, Baurycza steht auf der Tribüne des Platzes und erzählt.
Der Bad Segeberger beschäftigt sich mit der Geschichte der Kreisstadt, hält Vorträge dazu, verfasst Bücher und hütet ein umfangreiches Fotoarchiv.
Die Geschichte der Stadt ist seiner Meinung nach eng mit der des Landesturnierplatzes verknüpft.

Polizisten und Dienstmädchen in Uniform laufen 1910 über den Bad Segeberger Marktplatz. Grundsätzlich hat sich an dem Platz heute nicht viel geändert: Die Fassaden sind aber erneuert und ein Brunnen steht in der Mitte.

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1905 erster Pferderenntag
"Ursprünglich war hier alles Ackerland, betrieben von Bauern aus Klein Niendorf", berichtet er.
Doch 1902 kauft Bad Segeberg laut Baurycza die Fläche, baut sie als Turnierplatz mit Zuschauertribüne aus, gründet einen Pferderennverein und veranstaltet 1905 den ersten Pferderenntag.
"In der Zeit nach der Jahrhundertwende war es sozusagen modern, Trab- und Galopprennen durchzuführen.
Das war bei der Bevölkerung damals sehr beliebt", erklärt Baurycza.
Die Rennkoppel Bad Segeberg taucht damals neben Rennbahnen wie Hamburg Horn in großen Sportzeitungen auf. "Sonntagnachmittags kamen auch mal 6.000 Besucher zu so einem Pferderennen", berichtet Baurycza.

Läden gibt es bereits 1910 viele in der Hamburger Straße. Auch heute geht der Bad Segeberger hier einkaufen und Kaffee trinken.

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Nach dem Krieg wieder Kartoffelacker
Die Tribüne, auf der der 68-Jährige jetzt steht, baut die Stadt Bad Segeberg 1937 zu ihrer 800-Jahr-Feier.
Es ist die Zeit der Nationalsozialisten.
Zeltlager und andere Naziveranstaltungen finden auf der Rennkoppel statt.
Und ein damals gefragter Mann lässt sich auf der neuen Tribüne umjubeln:
NS-Propagandaminister Joseph Goebbels.

Lange ist das Kurhaus, hier ein Bild aus dem Jahre 1910, am Großen Segeberger See einer der Vorzeigebauten Bad Segebergs. 1968 wird es abgerissen. Anschließend entstehen dort Klinik- und Rehaeinrichtungen in - damals als modern geltenden - schmucklosen Hochhäusern.

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Später besuchen Größen wie der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer oder der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann den Platz. Sie alle wollen sich auf der Rennkoppel sehen lassen, die nicht immer nur für Pferderennen genutzt wird. "Nach dem Krieg wurden hier auch Kartoffeln angebaut und 1947 hat der HSV hier mit Erwin Seeler gespielt - für 16 Zentner Kartoffeln und einen Wagen voll Brot", erzählt Baurycza.

Um 1900 sieht es auf der Burgfeldstraße noch weitaus beschaulicher aus, als heutzutage.

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"Wir wollten Teil der ganzen Sache sein"
Mitte der 1950er-Jahre dann kommen die Grasbahnrennen nach Bad Segeberg - und begeisterten bis zu 16.000 Besucher an einem Tag.
Ab diesem Zeitpunkt war Baurycza dabei, wenn etwas los war auf der Rennkoppel.
"Da kamen die Menschen zusammen. Da war was los.
Das ist wahrscheinlich das, was für Jugendliche heute der Fernseher bietet", meint er - und erinnert sich:
"Als ich älter war, hab ich hier mit meinem Bruder auf einer Imbissbude mitgeholfen.
Wir haben Eis verkauft - und wollten so Teil der ganzen Sache sein."

Auch 1950 ziert der Wasserturm schon Bad Segeberg. Erbaut wurde der Garant für ausgeglichenen Wasserdruck bereits 1910. Aktuell wird er gerade zum Hotel umgebaut.

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Acht Hektar für Pferdesport und andere Veranstaltungen
Bis heute ist das acht Hektar große Gelände ein Multifunktionsplatz:
Zirkusse schlagen hier ihre Zelte auf, ebenso wie Pfadfinder.
Jahrmärkte, Laternenumzüge, Musikveranstaltungen, Vogelschießen - all das findet hier statt.
Und wenn gerade nichts los ist, nutzen die Bad Segeberger das Gelände als Parkplatz und Naherholungsgebiet- zum Spazierengehen und Joggen.

1910 betreibt die Familie Sorgenfrey die Gastwirtschaft Solbad Segeberg. Auch später wird hier bewirtet. Von der letzten Schenke, dem Höhlenkrug, zeugt heute allerdings nur noch die Aufschrift an dem Gebäude. Die Wirtschaft wird nicht mehr betrieben.

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Und natürlich tummeln sich auf dem Turnierplatz nach wie vor regelmäßig Pferd und Reiter zu Renn-, Spring- und Dressurveranstaltungen.
Die Deutsche Meiterschaft der Ponyfahrer, das Fest des Pferdesports, das Deutsche Quadrillen-Championat, das Bundesbreitensportfestival und die Landespferdeleistungsschau finden hier unter anderem statt.

Das Rathaus hat sich von 1970 bis heute äußerlich nicht groß verändert.

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Treffpunkt für Menschen
"Ich versuche, bei möglichst vielen Veranstaltungen dabei zu sein", sagt Baurycza.
Auch wenn er heute nicht mehr die Begeisterung aus seiner Kindheit spürt, wenn er auf den Zuschauerrängen eine Veranstaltung verfolgt.
Der Bad Segeberger schätzt seine überschaubare Stadt, die trotzdem viel zu bieten hat - eben auch durch den Landesturnierplatz.
"Ohne die Rennkoppel gäbe es in Bad Segeberg nur die Karl May-Spiele", sagt er.
"Es ist ein Treffpunkt für viele Menschen, die sich hier wiederfinden", sagt er.

1953 ist das Bühnenbild der Karl May-Spiele noch etwas sparsamer als heutzutage.

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Wer mehr über die Geschichte Bad Segebergs erfahren will, kann sich dazu zum Beispiel auf der Website der Stadt informieren.

SIEHE HIER HINEIN:
https://www.bad-segeberg.de/Stadt-Polit ... adtchronik

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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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frische Luft
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Brunsbüttel: Eine Stadt zwischen Industrie und Hafen-Romantik
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 15.01.2024 05:00 Uhr

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... el588.html
brunsbuettel736_v-contentxl.jpg
brunsbuettel736_v-contentxl.jpg (239.32 KiB) 1096 mal betrachtet
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Erst seit 1970 trägt die Stadt Brunsbüttel ihren Namen.
Das Stadtrecht bekommt die Gemeinde Brunsbüttelkoog bereits am 15. Januar 1949.
Die Serie "Schleswig-Holstein früher und heute" vergleicht alte und neue Fotos.


von Laura Albus

Der Hafen und Schleswig-Holsteins größter Industriepark prägen Brunsbüttel im Kreis Dithmarschen, sowohl im Stadtbild als auch in der Bevölkerung.
Das war nicht immer so.
Denn bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte Brunsbüttel mehrere Sturmfluten nur knapp überstanden, Armut prägte die Gegend.
Den wirtschaftlichen und damit auch sozialen Wendepunkt bildete der Bau des Nord-Ostsee-Kanals (NOK).
Nach sechs Jahren Bauzeit wurde er 1895 als "Kaiser-Wilhelm-Kanal" eingeweiht.
Mit ihm kam der Aufschwung nach Brunsbüttel, das damals noch Brunsbüttelkoog hieß und eine Gemeinde war.
Das Stadtrecht bekommt Brunsbüttelkoog am 15. Januar 1949.
Erst am 1. Januar 1970 ändert sich der Name der Stadt aufgrund einer Gebietsreform und einiger Eingemeindungen.


Prächtige Farben am Markt: Die Telefonzelle ist inzwischen abgebaut, und auch die wenigsten Autos im alten Bild dürften heute (2020) noch durch Brunsbüttels Straßen fahren.

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Viele Menschen der Region bauten am NOK mit
Ute Hansen ist Stadtarchivarin in Brunsbüttel. Beruflich setzt sie sich täglich mit der Geschichte der Dithmarscher Hafenstadt auseinander.
Auch bei ihrer Arbeit spielt der Nord-Ostsee-Kanal eine zentrale Rolle.
Denn nicht zuletzt seit der Ausstrahlung einer NDR Dokumentation über den Bau des Kanals bekommt sie Such-Anfragen von Menschen aus der ganzen Region.
"Von vielen hier haben Urgroßvater oder weitere Verwandte am Bau mitgeholfen", erklärt die Stadtarchivarin.

Wenn die Recherche bei Erzählungen endet
Dann beginnt für sie die Suche. In Dokumenten der Familienangehörigen, Unterlagen des Stadtarchivs und Chroniken versucht Ute Hansen dann herauszufinden, wo die Angehörigen am Bau beteiligt waren.
Oft, aber nicht immer erfolgreich.
"Manchmal gibt es die Informationen nur aus Erzählungen, die Recherche ist dann für mich besonders schwierig", sagt Hansen.

1954 wurde das Freibad Ulitzhörn gebaut. Im selben Jahr entstand das alte Foto, das Dusche und Sprungturm zeigt. Beides wurde inzwischen saniert (Stand: 2020).


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Vom Freibad Ulitzhörn auf die Elbe schauen

Aber nicht nur Menschen aus der Region zeigen Interesse.
Heute lockt gerade die Mischung aus Industrie und Hafen viele Touristen nach Brunsbüttel.
Badegäste können im Freibad Ulitzhörn von der Liegewiese auf die großen Schiffe auf der Elbe schauen.
Und auch die kleinen Segelboote kommen in Brunsbüttel auf ihre Kosten.
Die Skipper können im "Alten Hafen" festmachen, wo schon seit 1925 Sportboote anlegen.

Der Blick vom "Alten Hafen" auf das Schöpfwerk hat sich seit Ende der 1960er-Jahre kaum verändert.
Und auch der Zweck ist 2020 derselbe geblieben: Brunsbüttel vor Hochwasser zu schützen.


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Braake teilt Brunsbüttel in zwei Hälften
Wer zum Shoppen in die Stadt kommt, landet schnell in der Koogstraße, der knapp einen Kilometer langen Haupteinkaufsstraße. Fußgänger, Rad- und Autofahrer sind dort unterwegs - und sie alle müssen über eine kleine Brücke, die die Braake überquert.

Nichts deutet darauf hin, dass der Fluss kein gewöhnlicher Fluss ist.
Die Braake (Plattdeutsch für Bruch) entstand mit der Weihnachtsflut 1717.
In der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember brach der Elbdeich.
Heute ist die Braake ein ruhiges Gewässer, sie wird durch ein Schöpfwerk in die Elbe geleitet.


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Heute herrscht hier deutlich mehr Verkehr als 1937, auch wenn davon auf dem Foto von 2020 nicht viel zu sehen ist.
Die Koogstraße ist die Haupteinkaufsstraße in Brunsbüttel und besonders am Wochenende gut besucht.


1.000 Menschen müssen 1973 umziehen
Die Industrie prägt das Stadtbild vor allem südlich des Nord-Ostsee-Kanals.
Im 2.000 Hektar großen "ChemCoast Park" haben sich inzwischen 14 Unternehmen angesiedelt, darunter Chemieindustrie, Mineralölwirtschaft, Energieerzeuger und Logistiker.


Vor allem der 134 Meter hohe Kamin des heutigen Chemiekonzerns Covestro sticht hervor.
Er entstand 1973, als der Chemiepark im ehemaligen Dorf Ostermoor gebaut wurde.
Die etwa 1.000 Bewohner mussten umgesiedelt werden.

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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Damp 2000: Von der Wiese zum Ferienresort
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 09.11.2019 05:00 Uhr

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... mp200.html


damp202_v-contentgross.jpg
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Bilder von früher im Vergleich mit Fotos von heute - möglichst aufgenommen von derselben Position: Das ist das zentrale Element der Serie "Schleswig-Holstein früher und heute". So wollen wir den Wandel der Städte im nördlichsten Bundesland dokumentieren. Ein interaktiver Foto-Vergleich macht das besonders deutlich.


von Sebastian Parzanny

"Hier war vorher wirklich nichts, nur Wiesen und Strand.
Wir waren als Jugendliche manchmal hier zum Schwimmen und hatten den ganzen Strand noch für uns allein", sagen zwei Bewohner von Damp lachend.
Vor ihnen der helle Sandstrand und die offene Ostsee, hinter ihnen die Skyline von Damp.
Wuchtige Hochhäuser ragen in den Himmel.
Sie könnten auch in Kiel-Mettenhof oder Lübeck-Buntekuh stehen, aber auf der kleinen Halbinsel Schwansen im Kreis Rendsburg-Eckernförde? Noch heute ist das ungewöhnlich.


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1972 war das Apartmenthaus von "Damp 2000" noch im Bau, es entstand eine der damals modernsten Ferienanlagen Deutschland, und auch eine der größten:
Allein der Hotelblock hat mehr als 400 Zimmer.
Zurzeit sind wieder Bauarbeiter dort, denn das Haus wird umfangreich saniert.


Damp 2000: Eine Ferienanlage mit 7.000 Betten

Bilder aus der Zeit ohne Hochhäuser sind bei der Gemeinde nicht archiviert.
Es gab ja auch nichts was man hätte fotografieren können.
Ein Stück abseits vom Strand standen lediglich einige Häuser in wenigen Siedlungen.
Das änderte sich 1970 schlagartig:
Es rollten Bagger, Baumaschinen und Kräne an.
Ein Baukonsortium aus Nordrhein-Westfalen hatte sich die Felder direkt am Ostseestrand gesichert, um für rund 200 Millionen Mark eine gigantische Ferienanlage mit 7.000 Betten sowie einen Jachthafen und eine Promenade mit Geschäften bauen zu lassen.
Hinzu kamen 300 sogenannte Nurdachhäuser.
Die Planer hatten sie in der DDR gesehen und wollten dieses Harzer Modell auch an der Ostsee.
Angeliefert und aufgebaut wurden die ungewöhnlichen Ferienhäuser von Arbeitern aus der DDR.


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"Zeltdachhäuser" oder auch "Nurdachhäuser" sind eigentlich eine Erfindung aus der DDR.
Die Damp-2000-Bauherren hatten diese ungewöhnlichen Ferienhäuser im Harz gesehen und bestellten mehrere Hundert davon in der DDR.
Die Arbeiter kamen Anfang der 70er-Jahre extra rüber um die Häuschen aufzubauen.
Damals eine Besonderheit - und noch heute sind diese Ferienhäuser im Sommer meistens ausgebucht.


Aus der Ferne ein Schock
Während der Bauphase war Damp 2000 häufig in der Presse, insbesondere als sich Protest regte:
Als "bösen Eingriff in die Natur" bezeichnete der Kieler Ostsee-Experte Uwe Muuß die riesige Ferienanlage im Sommer 1972 in einem "Spiegel"-Artikel.
Ein anderer Experte, der in dem Bericht nicht namentlich genannt wurde, wird zitiert mit:
"In zehn Jahren sind das hier Slums".
Selbst der damalige Chef des Fremdenverkehrsverein Schleswig-Holstein, Gerd Kramer, gab im NDR Interview zu:
"Das ist im ersten Moment schon ein Schock, wenn sie aus der Ferne die Ferienanlage Damp 2000 sehen."

Arbeitskräfte aus Spanien an der Ostsee
Die Ostsee-Residenz in Damp © NDR Foto: Sebastian Parzanny

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Rollrasen zu bestellen, damit es grüner wird, dass war die erste Aufgabe von Horst Böttcher, als er 1972, noch während der Bauphase, in Damp als Einkäufer anfing. Später wurde er Bürgermeister der Gemeinde.

Aber die ersten Manager der Mammut-Anlage hatten noch ganz andere Sorgen:
Auf die 700 Stellenausschreibungen bewarben sich nicht genug Kräfte.
In der Provinz gab es schlicht nicht so viel Fachpersonal.
Kurzerhand ließ man 50 Saisonarbeiter von Gran Canaria einfliegen, die für den ersten Besucheransturm angelernt wurden.
Außerdem warb der Küchenchef persönlich auf einer Messe in Hannover um neue Kräfte.

Erste Aufgabe: Rollrasen organisieren
Im Messezentrum Hannover hörte auch der junge Berliner Horst Böttcher zum ersten Mal von Damp 2000.
Der spätere Bürgermeister erinnert sich:
"Schon ein paar Tage später war ich hier zum Vorstellungsgespräch.
Am liebsten hätten sie mich gleich hierbehalten. Da hab ich aber gesagt:
Halt. Stop. Zumindest meine Zahnbürste würde ich gern noch aus Berlin holen", erzählt Böttcher noch immer im Hauptstadt-Dialekt.
Im Frühling 1973 begann er im Einkauf der Ferienanlage.
"Die Häuser waren fast fertig, aber Damp 2000 war noch sehr, sehr kahl.
Fast wie eine Wüste.
Meine erste Aufgabe war es daher, kilometerlange Ballen Rollrasen zu organisieren, damit es schnell grün wird."

Auch ein neuer Jachthafen wurde Anfang der 70er-Jahre in Damp gebaut.
Mit dem Segelrevier warben schon die ersten Manager von "Damp 2000".
Auch heute ist das noch ein Argument für viele Touristen, die extra zum Segeln anreisen.
Mittlerweile gibt es 14 Stege mit über 350 Liegeplätzen in Damp.
Rechts im Bild:
Das Museumsschiff "Albatros", eines der Wahrzeichen von Damp.


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Probeurlaub für 20 D-Mark
Im Sommer 1973 kamen die ersten Test-Touristen aus Hamburg. In zahlreichen Bussen wurden sie an die Ostsee gebracht.
Für nur 20 Mark durften sie übers Wochenende "probewohnen", in den damals hochmodernen Apartments, wie sich Horst Böttcher erinnert.
"Aber dieser Testlauf endete im totalen Chaos.
Die Busse mit den gut 2.000 Gästen trafen nahezu zeitgleich ein.
Hier ging gar nichts mehr", sagt er und lacht. Dann ergänzt er:
"Damals war der Zusammenhalt aber noch anders.
Egal ob Schwimmlehrer, Hafenmeister oder wir aus der Verwaltung, alle haben dann mitgeholfen an der Rezeption.
Das war schon eine tolle Zeit."
Absolutes Highlight war auch die offizielle Eröffnungsfeier am 13. Juni 1973.
Unter anderem sangen Roberto Blanco und Katja Ebstein - damals eine Sensation.


Plan B: Hotelturm wird zur Klinik
Allerdings gab es bald den ersten Rückschlag für die Mega-Anlage.
Schon während der Bauphase des dritten Hochhausturmes erkannten die Manager, dass die geplanten 7.000 Hotelbetten nie ausgelastet wären.
Kurzerhand wurde umgeplant:
Einer der Türme wurde zur Klinik.
Der ehemalige Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Hannes Schoberth baute die Klinik mit auf, und leitete sie viele Jahre.
So bekam das Großprojekt die Kurve.

Mischung aus Ferien- und Gesundheitsstandort
Die Mischung aus Hotelzimmern und Klinik setzte sich durch, bis heute:
Vor einigen Jahren übernahm dann sogar mit Helios ein Gesundheitskonzern die gesamte Anlage mit Hotels und Ferienhäusern.
"Auch keine leichte Zeit. Woran der Konzern nicht ganz unschuldig war", sagt Horst Böttcher rückblickend.
Er nennt allerdings keine Details.


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Die heutige Ostseeklink wurde ursprünglich auch als Hotel konzipiert, noch in den 70er-Jahren änderten die Manager ihre Pläne:
Das Haus wurde zur Klinik.
Während der Bauphase gab es noch kaum grün in der Anlage, dass sieht heute ganz anders aus.


Damp entwickelt sich weiter
Die Albatros liegt in Damp © NDR Foto: Sebastian Parzanny
Bild befindet sich im o.g. Link !
Das Wahrzeichen von Damp, die „Albatros“ liegt heute längst auf Land, in dem Traditionsschiff ist mittlerweile ein „Escape-Room“ untergebracht.

"Damp 3000, also diese Vision schaffe ich nicht ganz", sagt Hörst Böttcher nachdenklich über den Ort, der längst seine Heimat geworden ist.
"Aber ich wage mal Damp 2030:
Ein touristischer Ort muss sich immer weiterentwickeln.
Und das ist hier auch so:
Gerade werden wieder die Zimmer auf den neusten Stand gebracht, wir haben einen neuen Wikinger-Golfplatz.
Und eine Elektrotankstelle wird es bald geben.
Allerdings", ergänzt er und guckt die Betontower hinauf:
"Weitere Hochhäuser werden bestimmt nicht dazukommen.
Ich glaube nicht, dass man heute noch so bauen würde wie damals.
Man würde auch gar keine Genehmigungen mehr dafür bekommen."

.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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frische Luft
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Eckernförde: Der Fischer vom letzten Haus am Strand
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand 29.09.2018 06:00 Uhr

Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... de284.html

eckernfoerde266_v-contentgross.jpg
eckernfoerde266_v-contentgross.jpg (55.69 KiB) 676 mal betrachtet
Bild und Text-Kopie:

Bilder von früher im Vergleich mit Fotos von heute - möglichst aufgenommen von exakt derselben Position: Das ist das zentrale Element der Serie "Schleswig-Holstein früher und heute". So wollen wir den Wandel der Städte im nördlichsten Bundesland dokumentieren. NDR Autoren tauchen in die Stadtarchive ein. Dabei fördern sie persönliche Geschichten und historische Aufnahmen zu Tage, die teilweise in großem Kontrast zur Gegenwart stehen. Ein interaktiver Foto-Vergleich macht das besonders deutlich.

von Daniel Kummetz

Die Ostsee hatte ihn obdachlos gemacht.
Das Meer, das ihn und seine Familie sonst so gut ernährte, nahm Lorenz Marquardt im Jahr 1872 sein Zuhause.
Die Sturmflut zerstörte das Haus des Fischers in der Nähe der Eckernförder Innenstadt.
Er zog in den inzwischen eingemeindeten damaligen Nachbarort Borby auf der Nordseite des Hafenbeckens.
Erst wohnte Marquardt beim Bäcker, später baute er sich ein Haus direkt am Strand.
Und damit entstand ein zweites Standbein.
Aus dem einstigen Eckernförder Fischer wurde dann der Borbyer Bootsführer - jedenfalls für vier Monate im Jahr für die Touristen.


Der Blick über den Eckernförder Hafen auf die Borbyer Kirche hat sich kaum verändert.
Das Hafenbecken selbst sah 1924 allerdings etwas anders aus - damals gab es noch den Isern-Dükern-Steg.
Mit dem Schieberegler auf diesem und den weiteren Bildern können Sie das Eckernförde von früher und heute vergleichen. Verschieben Sie den Regler einfach mit der Maus oder dem Finger auf Smartphone und Tablet.


Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Ein Fischer dachte früh an den Tourismus
"Als er das Haus gebaut hat, dachte er schon an die Vermietung und hatte hier im Sommer Gäste", erzählt Lorenz Marckwardt.
Er ist ein Ur-Enkel des Teilzeit-Bootsführers, war selbst Fischer - und lebt in dem nach der großen Flut gebauten Haus. Von seinem Ur-Großvater erbte er auch seinen Namen.
Nur die Schreibweise des Nachnamens hat sich über die Jahrzehnte durch Behördenfehler verändert.


An diesem Steg am Borbyer Ufer legte Lorenz Marquardt um 1900 mit seinen Fischerbooten zu Ausflugstouren ab. Der Steg ist im Besitz der Familie geblieben - sein Ur-Enkel Lorenz Marckwardt hat hier noch ein Fischerboot liegen, mit dem er auch im Ruhestand rausfährt.

Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Im Sommer zwei Segeltouren am Tag
"Er hat mit den Touristen Segeltouren gemacht", sagt Marckwardt.
Motorisiert waren die Boote damals noch nicht.
Bei Flaute musste gerudert werden.
"Angeboten wurde das vormittags und nachmittags", erzählt Marckwardt.
Der Hintergrund war ganz praktisch:
Marquardt war Wadenfischer - und nur von September bis April unterwegs.
Im Sommer war er nicht auf See - und so konnte sich um die Touristen kümmern.

Sie ist eines der Wahrzeichen der Stadt Eckernförde: die Holzbrücke im Hafen. Sie verband auch 1917 schon die Innenstadt mit Borby - dem Ortsteil, der damals noch eine selbständige Gemeinde war.

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Nur noch wenige Fischerboote im Hafen
Erst fast nur Fisch, dann immer mehr Tourismus:
Diese Entwicklung hat ganz Eckernförde durchgemacht. Mit 100 Booten waren Fischer um 1900 unterwegs, heute sind es noch knapp über 20 - aber auch nur, wenn man die Nebenerwerbsfischer mitzählt.
Bis zu 35 Räuchereien verarbeiteten den frisch gefangenen Fisch damals in der Stadt - heute gibt es nur noch eine.
Den letzten Kutter aus Eckernförde fährt auch ein Nachfahre des Bootsführers:
der Sohn von Lorenz Marckwardt.


Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

1941 lagen noch deutlich mehr Fischerboote an der Kaimauer im Hafen als heute. Der Rundspeicher (l.) war damals zehn Jahre alt und wurde von einem Getreidehändler genutzt - bis 1986.

In Borby traf sich die "High-Society"
In Borby begann der Badetourismus - und kam erst viel später auf die andere Seite des Hafenbeckens.
Das Marie-Louisenbad in Borby lockte die Gäste an, oft auch wohlhabende, wie Lorenz Marckwardt erzählt.
"Hier hat sich die ganze High-Society aufgehalten".
Heute ist im Sommer das ganze Ufer voll von Touristen.
Marckwardt kennt die Geschichten von früher aus Familienerzählungen sowie alten Dokumenten - und hält die Erinnerung wach.
In einem Raum hängen an einer grünen Wand lauter alter Fotos von Vorfahren und anderen Fischern.
Sein Ur-Großvater ist ein paar Mal dabei.

Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Auch wenn der Tourismus 1905 in Eckernförde selbst noch nicht brummte, gab es am Südstrand schon eine gern genutzte Promenade.

Ein Ahnenbild - als Postkarte

Spuren vom Bootsführer Marquardt und der früheren Fischerei finden sich auch im Stadtarchiv von Eckernförde.
Hier gibt es viele Fotos und Postkarten von Fischerbooten, dem Hafen und eben von Fischern selbst.
Eine kleine Postkarten-Porträt-Serie schlummert dort in einem Aktenordner.
Zu ihr gehört auch eine Karte, auf der Marquardt mit feinem Hut, Weste und Hemd zu sehen ist.
Er guckt mit ernstem und klarem Blick leicht am Betrachter vorbei.
Was aussieht wie ein professionelles Porträt-Foto für die Ahnen-Galerie, war im Jahr 1900 tatsächlich ein Urlaubsgruß.
Ein Heiner schreibt an der Seite in schönster deutscher Schrift seiner "lieben Lene" aus den Ferien.
Auf einer anderen Karte sieht man "Bootsführer Marquardt" auch auf seinem Steg in dunklem Ölzeug und mit Südwester.

Diese Postkarte ist oben abgebildet !

Der Trend zum Fischerporträt
Solche Postkarten gibt es heute in Eckernförde nicht mehr zu kaufen.
Zwar bieten die Händler in der Innenstadt bestimmt drei Dutzend verschiedenen Motive an.
Doch Porträts von Fischern sind nicht darunter.
"Diese Postkarten sind aus heutiger Sicht auf jeden Fall besonders", sagt Stadtarchivarin Dorothee Bieske.
In der damaligen Zeit sei es nicht ungewöhnlich gewesen.
"Das sind sogenannte Typenporträts, die hat es damals genauso in der Malerei gegeben."
Bieske denkt dabei an Bilder der Maler, die in der berühmten Künstlerkolonie Skagen lebten.
"Die malten genau das, was wir hier auf den Postkarten sehen können", sagt sie.

Blick von der Frau-Clara-Straße auf die Kieler Straße - heute die Eckernförder Fußgängerzone. In dem Haus an der Ecke zur Ottestraße war um 1900 das Büro eines Reeders und Kaufmanns untergebracht. Heute hat hier die Commerzbank ihren Sitz.

Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Eine einladende Adresse
Die Porträts von Marquardt lagen damals also gewissermaßen voll im Trend.
Ob er sie selbst in Auftrag gegeben hat oder sie ein Fotograf aus künstlerischem Interesse erstellt hat, ist nicht klar. Werbung für sein Sommergeschäft waren sie allemal.
Das könnte man auch über die alte Adresse des Hauses sagen, in dem sein Einstieg in den Tourismus so richtig begann. Sie lautete:
"Bootsführer Marquardt, letztes Haus am Strand, Borby".


Alle Bilder "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

1908 gab es viel mehr Räuchereien und Speicher in Eckernförde als heute.
Sie prägten auch die Skyline - wie beim Blick von Borby auf die Stadt.


Siehe auch hier:
"Die letzten echten Kieler Sprotten"
viewtopic.php?t=356

.
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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frische Luft
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Flugplatz Eggebek: Das Gewerbegebiet auf der Tornado-Startbahn
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 15.05.2021 12:30 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... ek114.html

BILD und TEXT-KOPIE:

Das MFG2 war ein Dorf vor dem Dorf:
Mehr als 2.000 Soldaten und Zivilangestellte arbeiteten hier.
Jetzt dreht sich in dem Gewerbepark alles um erneuerbare Energien.


von Peer-Axel Kroeske

Die Alarmstraße - das ist der schnellste Weg von Tarp über Jerrishoe zum ehemaligen Militärflugplatz. Peter Blanquett nennt ihn so. Er ist ihn unzählige Male gefahren, um dem Kommodore im Stabsgebäude an den - inzwischen längst abgerissenen - Kasernen jeden Dienstag Bericht zu erstatten. Wenn es Probleme gab, war das wohl keine angenehme Aufgabe. Und einmal fuhr ein Kollege deshalb, vermutlich in Gedanken, in die Böschung. Bis zu 10.000 Flugstunden im Jahr sollten die Tornados damals im Übungsbetrieb leisten. Morgens, mittags, nachmittags starteten an jedem Werktag jeweils mehrere Maschinen. Dass die Kampfjets stets einsatzbereit waren - dafür war Blanquett als technischer Offizier mitverantwortlich.

Diesen Blick hatte ein Starfighterpilot Anfang der 1980er Jahre auf den Tower und die Feuerwache.

Bild "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Solarmodule bis an den Horizont

mfg160_v-contentxl.jpg
mfg160_v-contentxl.jpg (189.23 KiB) 634 mal betrachtet
Die Photovoltaik-Freiflächenanlage auf dem ehemaligen Flugplatz Eggebek. © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske
Mehr als 100 Hektar belegen die 2011 installierten Photovoltaikmodule.
Der Solarpark war zum Start einer der größten in Deutschland.

Oben im Tower war Blanquett seit 2005 nicht mehr, als der Flugplatz außer Dienst gestellt wurde.
Der Ausblick hat sich verändert:
In alle Richtungen reihen sich seit 10 Jahren Solarmodule bis an den Horizont.
Selbst die breite Startbahn ist überbaut.
"Alles hat seine Zeit," resummiert Blanquett.
Zur neuen Zeit gehören erneuerbare Energien:
Der Ertrag eines Windrad-Prototyps finanziert einen Lehrstuhl des Instituts für Windenergietechnik an der Hochschule Flensburg.
Außerdem hat sich ein Unternehmen für Wartung und Montage von Rotorflügeln angesiedelt.
Und auch eine Biogasanlage findet sich jetzt zwischen den alten Tornado-Hallen.

Im "Egmont" sind die Erinnerungen bewahrt
"Egmont" war einst der Funkrufname des Eggebeker Towers.
Nach ihm war auch die Standortzeitschrift benannt, an der Blanquett in seiner Eggebeker Zeit von 1981 bis 1996 mitwirkte.
Wer darin blättert, kann schnell nachvollziehen, dass das MFG2 mit zeitweise mehr als 2000 Soldaten und Zivilangestellten ein riesiges Sozialgefüge war.
Sonderhefte gab es zu jedem Tag der offenen Tür.
Interessant:
In einem Heft von 1984 kritisiert der Standortpastor in einem Spontaninterview zu seinem Abschied die Aufrüstung mit Pershing-Raketen.
Und auch Selbstironie fand ihren Platz - etwa in der frei erfundenen Dienstanweisung zur Aufstellung eines Weihnachtsbaums.

Die Wartungshalle wird heute als Lager eines Unternehmens für Werbepräsente genutzt.

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Ein Speditionsunternehmer wagt ein Abenteuer
Es ist deutlich zu spüren: Peter Blanquett ist es ein Anliegen, die Erinnerung an das MFG2 zu bewahren. Vieles hat er schon für die neuere Tarper Chronik aufgeschrieben.
Jetzt hofft er auf den Flensburger Speditionsunternehmer Hans-Peter Carstensen, dem das Gelände inzwischen gehört.
Unten im Tower treffen sich beide zum ersten Mal und kommen ins Plaudern.
Carstensen erzählt, wie er überhaupt zu dem Projekt kam:
Eigentlich wollte er nur einen Lagerplatz für ein Unternehmen vermitteln, das an die Flensburger Stadtwerke alternative Brennstoffe liefern sollte.
Inzwischen haben sich schon Dutzende Betriebe in den alten Hallen angesiedelt, die jetzt den "Gewerbepark Carstensen", kurz GPC, ausmachen.
Wer über die alten Betonplatten-Wege fährt, sieht am Wegesrand Windkraftflügel, Bierkisten oder auch Silage. An Platz fehlt es nicht. Der Standort entwickelt sich.
Konversion, also die Nachnutzung von Bundeswehrstandorten, ist im Zusammenspiel mit den Behörden aber auch ein unternehmerisches Abenteuer, lässt Carstensen klar durchblicken.

Die Shelter mit ungeraden Zahlen stehen im Nordbereich und werden jetzt zum Teil ebenfalls als Lager genutzt.

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Ausstellung in Vorbereitung

Carstensen plant inzwischen eine Ausstellung zur Geschichte des Standorts.
Die "Egmont"-Hefte, die Peter Blanquett dem Unternehmer nun vertrauensvoll überreicht hat, könnten ein Bestandteil sein.
Ein professioneller Film über den Standort ist bereits entstanden, der die gesamte Zeitspanne vom Fliegerhorst im Zweiten Weltkrieg über die Luftwaffe bis zu den Marinefliegern beleuchtet.
Vielleicht kann Peter Blanquett demnächst Besuchergruppen über seine Zeit berichten, schlägt Carstensen vor.
Zu erzählen hat er jedenfalls sehr viel.

Die Solarmodule bedecken den größten Teil der ehemaligen Nord-Süd-Landebahn, die in den 1950er Jahren gebaut wurde. Vorher gab es drei Landebahnen im Dreieck, die im zweiten Weltkrieg bombardiert wurden.

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Ältere Fotos EloKa, Shelter, Wartungshalle: © Friedrich List, Marineflieger Geschwader 2 - Das MFG 2 in Tarp-Eggebek, AirDOC Verlag 2005; Tower und Startbahn © Wehrgeschichtliche Sammlung der Marineschule Mürwik
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