Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember 2025

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frische Luft
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

Beitrag von frische Luft »

11.) Mister Santa
von Tilde Michels

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Diese Geschichte hat John Berry vor einigen Jahren in New York erlebt.
Er schreibt sie hier auf, genauso wie sie sich zugetragen hat:
Es war wie verhext. Ich konnte einfach keine Arbeit finden. Von Beruf bin ich Installateur, aber ich hätte auch jede andere Stelle angenommen; als Koch oder Ausfahrer oder sonst was.
Drei Monate war ich schon arbeitslos. Ich wohnte in einer kalten verwahrlosten Bude. Wenn ich mich aufwärmen wollte, ging ich in eine Kneipe.
Das war Anfang Dezember. Immer um diese Zeit sind die breiten Prachtstraßen von New York mit bunten Lichterketten überspannt, und aus allen Schaufenstern der Innenstadt glänzt ein Weihnachtszauber von Glitzersternen, Elfen, Zwergen und Spielzeugstädten. Auf dem Platz im Rockefeller Center steht der größte Weihnachtsbaum der Welt. Er ist so hoch wie ein Haus mit Zehn Stockwerken, und unter diesem riesigen Weihnachtsbaum gibt es in jedem Jahr eine Schlittschuhbahn.
Aber damals interessierte mich das alles nicht. Ich hatte kein Geld, ich war hungrig und durchgefroren, und ich suchte Arbeit. Jeder Job war mir recht.
So kam es, dass ich Weihnachtsmann in einem großen Warenhaus wurde.
Vor Weihnachten hat jedes Kaufhaus seinen eigenen Weihnachtsmann; in Amerika heißt er Santa Claus. Zu dem gehen die Kinder und flüstern ihm zu, was sie sich wünschen. Der Kaufhaus-Santa-Claus schreibt ihre Namen und Wünsche auf. Später holen sich die Mütter die Wunschzettel ab. Und weil das von den Kaufhausleuten so praktisch eingerichtet ist, kaufen sie auch gleich alles an Ort und Stelle.
Als Santa Claus also saß ich auf einem Weihnachtsthron in der Spielzeugabteilung. Auf alt und würdig geschminkt, mit angeklebtem weißem Bart, rotem Umhang und roter Zipfelmütze. Meiner Stimme gab ich einen tiefen und vollen Klang.
Vor mir standen die Kinder in einer langen Schlange und warteten, bis sie an der Reihe waren.
Die Kleinen glaubten, ich sei der echte Weihnachtsmann; die Größeren natürlich nicht. Die kamen oft nur, um mich zu ärgern. Sie zerrten an meinem Bart, rissen mir die Mütze herunter und flüsterten mir statt ihrer Weihnachtswünsche Schimpfworte ins Ohr.
Scharen von Kindern kamen jeden Tag. Ich habe längst vergessen, was sie sich alles wünschten und wie sie aussahen - nur Paco habe ich nicht vergessen. Sein braunes Gesicht mit den dunklen Augen sehe ich noch genau vor mir.
Eines Abends stand er da. Nicht gläubig wie die Kleinen, nicht übermütig wie die Größeren. Ganz ernst blickte er mich an. Seine Hände hielt er geballt in den Taschen. Er nannte mir seinen Namen und die Straße, in der er wohnte. Sie lag im Norden der Stadt in einem elenden Viertel, wo nur die ärmsten Farbigen leben.
"Mister Santa", sagte er mit einer rauhen Stimme in holprigem Englisch, "ich brauche Schlittschuh."
"Schlittschuh?" fragte ich.
"Ja, Schlittschuh", wiederholte er. "Größe 6. Direkt am Stiefel festgemacht, verstehst du?"
Ich antwortete nicht gleich.
Paco senkte den Kopf. "Meine Mutter sagt, sie kann die Schlittschuh nicht kaufen. Aber du, Mister Santa...vielleicht kannst du..."
Die anderen Kinder drängten vor. Sie wollten endlich drankommen und schubsten Paco weg. Er wehrte sich nicht.
Auf dem Nachhauseweg kam ich an der Eisbahn unter dem riesigen Weihnachtsbaum vorbei. Dort sah ich Paco wieder. Seine dunklen Augen folgten den Kurven und Kreisen der Schlittschuhläufer auf dem hellerleuchteten Eis. Die Musik aus den Lautsprechern dröhnte über den Platz.
Es war kalt, und Paco hatte nur einen dünnen Pullover an. Aber er stand unbeweglich und schaute auf die glitzernde Eisfläche.
Als er zum zweiten Mal ins Warenhaus kam, fragte ich ihn: "Paco, warum brauchst du eigentlich Schlittschuhe? Es gibt doch viel nützlichere Sachen."
Da warf er die Arme in die Luft und sagte:
"Mister Santa, Schlittschuhlaufen, das ist..." Er suchte nach Worten und sagte dann nur: "Das ist schön."
Er fuchtelte mit seiner kleinen Faust vor meinem Bart herum. "Ich muss Schlittschuh haben, verstehst du?"
Ich sah, dass der Abteilungsleiter uns beobachtete. Er merkte natürlich, dass Paco allein war, dass niemand etwas für ihn kaufen würde. Und ohne lange zu überlegen, flüsterte ich Paco zu, "Komm morgen wieder, Paco. Morgen ist Heiliger Abend, da ist alles möglich... vielleicht sogar ein Wunder."
Der Abteilungsleiter trat heran und sagte höflich, aber mit deutlichem Tadel:
"Santa Claus, da sind noch andere liebe Kinder, die warten."
Paco ging ohne ein Wort weg.
Am Vormittag des Heiligen Abends - es war mein letzter Tag als Santa Claus - kaufte ich ein Paar Schlittschuhe mit Stiefeln Größe 6. Sie kosteten eine Menge Geld. Fast die Hälfte meines Wochenlohns als Weihnachtsmann. Und da fiel mir noch dazu ein, dass es mit den Schlittschuhen nicht genug war, dass Paco auch Eintrittsgeld für die Eisbahn brauchte. Er hatte bestimmt keinen Cent.
Wohl oder übel musste ich ihm noch ein paar Dollar extra in die Stiefel stecken. Ich tat es nicht gern, und ich ärgerte mich dabei über mich selbst. "Total übergeschnappt", dachte ich. "Die Hälfte eines Wochenlohns für einen fremden Jungen. Wohltätigkeitsfimmel! Weihnachtsmann spielen!"
Trotzdem wartete ich ungeduldig auf Paco.
Aber Paco kam nicht.
Die letzten Kinder waren abgezogen. Das Kaufhaus schloss seine Tore.
Ich legte die Santa-Claus-Verkleidung ab und zog meine eigene Jacke über. Dann ging ich hinaus auf den Platz mit dem großen Weihnachtsbaum. In der Hand trug ich die Tüte mit den Schlittschuhen.
Von der Eisbahn schallte die Musik herüber.
Langsam überquerte ich den Platz. Dann aber begann ich zu laufen, weil ich plötzlich fürchtete, zu spät zu kommen. Ich drängte mich nach vorn an die Eisfläche und suchte die Zuschauerreihen ab... und da entdeckte ich Paco. In seinem dünnen Pullover stand er wieder dort und starrte auf die Schlittschuhläufer. Die Fäuste hielt er vor den Mund gepresst.
"Guten Abend, Paco", sagte ich.
Paco blickte zu mir auf. Er erkannte mich nicht. "Wer sind Sie, Mister?"
"Ich komme von Santa Claus", sagte ich. "Ich mache manchmal Besorgungen für ihn. Er hat auf dich gewartet. Warum bist du nicht gekommen?"
Paco schüttelte den Kopf. "Meine Mutter hat gesagt, es gibt keine Wunder. Für uns nicht."
Da reichte ich ihm die Tüte mit den Schlittschuhen. "Von Santa Claus", sagte ich.
Mit offenem Mund schaute Paco in die Tüte. Es dauerte lange, bis er begriff, dass die Schlittschuhe ihm gehören sollten.
"Von Santa?" fragte er leise. "Wirklich?"
Er deutete mit dem Kopf hinüber zum Kaufhaus. "Wartet er noch?"
"Es ist schon geschlossen", sagte ich. "Santa Claus ist fort. - Aber wenn du willst, kann ich ihm sagen, dass du dich freust."
Paco nickte. Er drückte die Schlittschuhe an sich. Und dann lachte er. Seine kleinen weißen Zähne blitzen aus dem dunklen Gesicht. Alles an ihm leuchtete.
"Jetzt probiere ich's", sagte er.
Dann rannte er zur Schlittschuhbahn.
Nach ein paar vorsichtigen Bögen auf dem Eis drehte er sich noch einmal zu mir um. Er wedelte mit den Armen und schrie:
"Ich kann's! Sagen Sie's ihm! Sagen Sie Santa Claus, dass ich's kann! Und - fröhliche Weihnachten, Mister!"
"Fröhliche Weihnachten, Paco", rief ich zurück.
Ich sah ihn davonkurven
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santa37.gif (26.83 KiB) 2551 mal betrachtet
er tauchte unter in der Menge der anderen Schlittschuhläufer.
Zuletzt geändert von frische Luft am Di 23. Dez 2025, 16:51, insgesamt 2-mal geändert.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

Beitrag von frische Luft »

12.) Das Weihnachtsmanngedicht
Verfasser unbekannt

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santa58.gif (6.39 KiB) 2547 mal betrachtet

Im Wald stand einst ein Weihnachtsmann
und schaute sich die Bäume an.
Sein Bart war lang und weiß wie Schnee
er träumte von Wiesen und von Klee.

Man müsste einfach Urlaub machen,
dachte er und musste lachen.
Er schnappte sich Sack und Kleiderpacken,
und fing an durch den Wald zu tappen.

Am ersten Bahnhof hielt er an
und stellte sich am Schalter an.
Eine Fahrkarte, das wollte er
in den Süden, und nicht mehr.

Doch wie sollte er bezahlen?
Wo Weihnachtsmänner doch kein Geld haben.
Da ging er erst zur nächsten Bank,
und pumpte die erst kräftig an.

Mit dem dicken Portemonnaie
ging es dann in den Zug “Oh je”
Welch ein Geschieb’ und ein Gedrück’
der Weihnachtsmann war viel zu dick.

Er quetschte sich in ein Abteil
und schlief dort erst mal selig ein.
der neue Morgen dämmerte schon,
da war er an der Endstation.

Im Süden war es heiß und schwül,
wie war’s zu Hause so schön kühl.
Die Menschen konnt’ er nicht versteh’n,
so eine Gegend hatte er auch noch nie geseh’n.

Kein Klee war dort und keine Wiesen,
nur Menschen die durch’s Wasser schießen.
Es war ein Jubel und ein Trubel,
da ging er die Weihnachtsstimmung suchen.

Er irrte durch die lauten Gassen
und konnte es noch gar nicht fassen.
Von Weihnachtsstimmung keine Spur,
nur Discosound in einer Tour.

Da ging er in das Land hinaus,
die Gegend sah so trostlos aus.
Ausgedörrt von Sommerhitze,
kein Weihnachtsbaum mit schöner Spitze.

Doch was war das dort in der Ferne,
ein kleines Licht auf einem Berge.
Er nahm die Beine in die Hand,
und rannte übers flache Land.

Außer Atem kam er dann,
an einer kleinen Hütte an.
Ein kleines Mädchen, zart und fein,
ließ ihn in das Haus hinein.

Das Hüttchen das war ziemlich klein,
geteilt mit Hühner Hund und Schwein.
Doch in der Ecke, klitzeklein,
stand ein geschmücktes Bäumelein.

Mit dickem Mantel, oh wie schwer,
schwitzte der Nikolaus doch sehr.
Das Mädchen drehte sich gleich um,
und reichte Wasser zur Erfrischung.

Der Nikolaus, der schaute dann,
das kleine Mädchen lange an.
Ein Wesen das so zart und klein,
das darf doch nicht alleine sein.

Ich habe Hühner, Hund und Schwein,
mehr brauch ich nicht zum Glücklich sein.
Und immer in der Weihnachtszeit,
dürfen die mit in das Haus hinein.

Dort teilen wir uns Tisch und Bett,
mit einem Bäumlein in der Eck.
Gedenken in der ruhigen Stunde,
der großen weihnachtlichen Kunde.

Der Ort hier, der hat ganz gewiss,
die Stimmung die er so vermisst.
Das, was den meisten heute fehlt,
weil es nur um Geschenke geht.

Doch auch für einen Nikolaus,
da ist der Urlaub einmal aus.
Doch am Heilgen Abend dann,
klopfte er wieder an der Hütte an.

Er öffnete den großen Sack,
indem er seine Sachen hat.
Heraus, da kamen viele Sachen,
die dem Mädchen Freude machen.

Zusammen bauten sie sodann,
ein großes Haus gleich nebenan.
Mit Stall für Hühner und das Schwein,
und Hütte für das Hundilein.

Das Mädchen lachte und sie freute sich,
mit strahlenden Augen im Gesicht.
Doch Weihnachten, räumte sie ein,
soll alles so wie früher sein.

Mit Hühner und mit Hund und Schwein,
und dem geschmücktem Bäumelein.
Und jedes Jahr an Heilgen Abend,
kam Nikolaus mit seinen Gaben.

Und Urlaub? Da muss er heute lachen,
den Stress will er sich nicht mehr machen.
Er bleibt lieber in seinem Wald,
und sei es auch noch so bitterkalt.
Zuletzt geändert von frische Luft am Di 23. Dez 2025, 16:51, insgesamt 2-mal geändert.
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

Beitrag von frische Luft »

13.) DIE WEIHNACHTSMANN GESCHICHTE

Anmerkung:
die personalisierten Daten sind Musterdaten und in GROSS SCHRIFT hervorgehoben.
Bezugsquelle, siehe unten !


santa47.gif
santa47.gif (9.57 KiB) 2543 mal betrachtet

Bald ist es wieder soweit. - Das schönste Fest im Jahr steht bevor!

Der fünfjährige FLORIAN MAYER aus Wien kann es kaum noch erwarten.
An dem Abend, als er zuvor mit KONSTANTIN und JULIA durch OBERURSEL bummelte und die weihnachtlich geschmückten Fenster gesehen hatte, träumte er vom Weihnachtsmann.
Er lag im Bett, als es draußen in dicken Flocken zu schneien begann.
Da plötzlich hörte er eine freundliche Stimme am Fenster.
Erstaunt sah FLORIAN ein rotnäsiges Rentier, das ihn liebevoll ansah.
"Ich heiße Rudolf und komme vom Weihnachtsmann. Er braucht deine Hilfe. Kommst du mit?"

"Oh ja, natürlich komme ich mit," und FLORIAN sprang sogleich in den bereitstehenden Schlitten. In Windeseile flogen sie den Sternen entgegen. Nach langer Reise durch den monderleuchteten Himmel kamen sie in eine tief verschneite Landschaft. Inmitten dieser lag blau schimmernd und glitzernd ein Schloss aus Eis und Schnee.

"Rudolf, was ist das für ein Schloss da unten", fragte FLORIAN. "Das ist das Schloss des Weihnachtsmannes, wir sind nun da. Halte dich gut fest, wir landen gleich." Ganz sanft hielt der Schlitten vor dem großen Tor. "Komm mit, FLORIAN, der Weihnachtsmann erwartet uns." Da öffnete sich das Tor. FLORIAN klopfte das Herz bis zum Hals, als sie in eine wohlig warme Stube kamen, wo es nach Lebkuchen und Weihnachtskeksen duftete. "Herzlich willkommen", begrüßte der Weihnachtsmann FLORIAN, "Ich bin froh, dass du mitgekommen bist!"

"Sicherlich hast du Lust auf ein paar Süßigkeiten", meinte er und führte ihn in die Backstube. "Hier sind besondere Kekse, speziell für dich, FLORIAN", sagte eine nette Frau und gab ihm ein Päckchen mit köstlichen Leckereien. Ich backe hier die Lebkuchen-Kekse und all' die Süßigkeiten für das Weihnachtsfest." "Die riechen ja köstlich", sagte FLORIAN und kostete sofort davon.

Dann zeigte Rudolf ihm die Werkstatt des Weihnachtsmannes. Viele tausend Zwerge arbeiten da Tag und Nacht und bauen die tollsten Spielsachen, die du dir vorstellen kannst! FLORIAN konnte sich nicht satt sehen an den schönen Spielsachen und wusste nicht, was er am liebsten gehabt hätte.

Im anderen Raum gab es Puppen und Stofftiere. "Ich habe noch nie so viele hübsche Puppen und Kuscheltiere gesehen", rief FLORIAN, "Ich wünschte, CARINA, SIMON und JULIAN könnten auch hier sein!"

Rudolf meinte:
"Der Weihnachtsmann denkt an jedes Kind und weiß, welche Spielsachen es sich am meisten wünscht. Es fehlt ihm nur noch ein Wunsch, welchen die Menschen heute schon vergessen haben." "FLORIAN, dieser Wunsch soll Friede, Freude und Liebe in die Herzen der Menschen bringen", sagte der Weihnachtsmann. "Würdest du für alle Menschen diesen Weihnachtswunsch aussprechen?" FLORIAN versprach dem Weihnachtsmann: "Gerne werde ich diesen Wunsch aussprechen."

Er dachte an die Weihnachtszeit, an die schönen Dinge, an Stille, ans Freudeschenken und an die Liebenswürdigkeit der Menschen.
Auf einmal - WING! - erschien ihr Wunsch als strahlender Stern.
Der Weihnachtsmann freute sich und meinte: "Das war ein perfekter Wunsch, FLORIAN, dieser Wunsch wird als Weihnachtsstern die Botschaft von Frieden, Liebe, Freude und Hoffnung in die Herzen der Menschen bringen. Ich lege ihn bis zum Weihnachtsabend in diese schöne Schatulle."

Rudolf freute sich ebenso und meinte:
"Mit deiner Hilfe werden alle Menschen ein frohes Weihnachtsfest haben. Nun ist es aber zeit, ich muss dich wieder nach Hause bringen."
"Danke", sagte FLORIAN, "du hast mir sehr geholfen", und er verabschiedete sich vom Weihnachtsmann.

Im hellen Mondschein winkte er Auf Wiedersehen, als der Schlitten sich in Bewegung setzte. Langsam verschwand das Schloss in der Ferne, und FLORIAN dachte: "Ich freue mich schon darauf, KONSTANTIN und JULIA von meinem herrlichen Weihnachtserlebnis zu erzählen."


KOPIE der Bezugsquelle:
Das personalisierte Buch "Der Weihnachtsmann" mit dem Namen Ihres Kindes kann bei:
www.kinderbuch.at

als persönliches Weihnachtsgeschenk bestellt werden.

Home: https://kinderbuch.at/weihnachtsgeschenke/
Zuletzt geändert von frische Luft am Di 23. Dez 2025, 16:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

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14.) Die rechte Weihnachtsfreude
von Elke Bräunling


»Vati, was wünschst du dir zu Weihnachten?«
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Seit Tagen verfolgten wir Vater mit dieser Frage; denn wir wollten ihm gerne etwas Besonderes schenken, etwas, was ihn immer an uns erinnerte. Und, ganz wichtig, es durfte nichts kosten. Unser Taschengeld war nämlich längst alle. Außerdem sagte Vati, etwas Selbstgemachtes sei viel schöner. Über unsere Basteleien hatte er sich ja auch immer mächtig gefreut, doch nach Weihnachten landeten sie in einer dunklen Ecke im Schlamperschrank, wo alles Überflüssige aufbewahrt wurde.

Dieses Mal musste es deshalb ein Geschenk sein, das er so schnell nicht vergessen würde. Aber was? Wir dachten lange darüber nach und löcherten jeden, der uns über den Weg lief, mit bohrenden Fragen. Aber alles Grübeln half nichts. Wir hatten keine Idee.

»Was sollen wir dir schenken?« Zum x-ten Male störten wir Vati bei der Arbeit, und sein Gesicht wurde immer unfreundlicher.

»Weiße Mäuse mit karierten Schwänzen«, brummte er.

»Hihi.« Wir kicherten albern. »Das gibt es doch gar nicht.« »Müssen es karierte Schwänze sein?« fragte Lenk, meine kleine Schwester, vorsichtig nach. »Hm?« Er sah uns erstaunt an. »Bitte, was?« Wir waren sauer. Er hatte uns gar nicht zugehört. »Karierte Schwänze!« brüllten wir ihm ins linke Ohr.

Vati starrte uns entgeistert an. »Ihr wollt mich wohl zum Narren halten?« Stöhnte er. »Raus jetzt!«

Doch wir ließen nicht locker. Schließlich rückte Weihnachten immer näher. »Du musst nur sagen, was du dir wünschst! Dann lassen wir dich arbeiten.« »Schenkt mir zwei ganz liebe brave Mädchen, die mir nicht dauernd auf die Nerven gehen«, knurrte Vati.

Zwei liebe brave Mädchen? Lena war empört. »Aber du hast doch uns«, sagte sie und zupfte ihn am Ärmel. »Wozu brauchst du noch zwei Mädchen?«

Vati, der schon wieder in seine Arbeit vertieft war, sprang auf und brüllte. »Es würde mich unglaublich freuen, wenn ihr auf der Stelle verschwindet. Das wäre für mich das allerschönste Geschenk. Wie soll ich sonst ruhig arbeiten?« Er fuchtelte mit den Armen und scheuchte uns aus dem Zimmer.

Wir waren ratlos. Verschwinden? Ob das die rechte Weihnachtsfreude für Vati war? Wir konnten daran nichts Erfreuliches sehen, wenigstens nicht für uns. »Man muss nicht immer alles so wörtlich nehmen«, trösteten wir uns und schlichen leise zu Vati zurück.

»Könnte es nicht sein«, flötete ich ihm ins Ohr, »dass es etwas gäbe, was dir noch mehr Freude macht? Vielleicht ein Wunsch, bei dem wir nicht verschwinden müssten?«

»Hä?« Vati kapierte überhaupt nichts mehr. »Was wollt ihr?«

Verlegen drucksten wir herum. »Es ist noch immer wegen Weihnachten!«

Vati fuhr sich verzweifelt durch die Haare, und er sah uns so mitleiderregend an, dass wir freiwillig gingen. »Wünschen ist doch langweilig«, rief er hinter uns her. »Ich lasse mich lieber überraschen. Das ist schöner.«

Grrr! Wir nahmen uns vor, ihn nie wieder nach einem Wunsch zu fragen. Eher würden wir uns die Zunge abbeißen. Doch wir beschlossen, wie die Luchse aufzupassen. Irgendwann wird er sich bestimmt verraten, dachten wir. Jeder hat schließlich Wünsche. -
Jawohl! Er sollte seine Überraschung haben! Und wir belauerten Vati bei allem, was er sagte, und konnten es nicht erwarten, daß ihm versehentlich ein Wunsch herausrutschte.

So verging die Zeit, und Weihnachten war nicht mehr weit. Und eines Tages hatten wir Glück: Beim Frühstück fragte Mutti: »Soll ich heute Nachmittag Tante Ida zum Tee einladen?«

Vati drehte gequält die Augen und stöhnte: »Die fehlt mir gerade noch zu meinem Glück!«

Tante Ida? Es würde Vati glücklich machen, Tante Ida zu sehen?

Als ersten Wunsch notierten wir: >Tante Ida zu Weihnachten einladen!< Das fiel uns nicht leicht, denn von allen Tanten mochten wir Tante Ida am allerwenigsten leiden. Doch wenn sie Vati glücklich machte, sollte es uns recht sein. Vatis zweiter Wunsch folgte bald. Wir saßen noch immer am Frühstückstisch, und Vati meckerte über seinen Chef, den Herrn Kniesig. »Dem würde ich gerne ein Liedchen singen«, knurrte er böse, »wenn ich nur könnte.«

Wir notierten unter zwei: >Für Vati dem Herrn Kniesig ein Lied singen. In Klammern: Vielleicht ein Weihnachtslied?< Na bitte, schon zwei Wünsche! Es war unser Glückstag.

Wir konnten noch mehr wundervolle Wünsche notieren: »Ein Königreich für einen hungrigen Kater«, schrie Vati laut, als eine Maus im Keller an ihm vorbeihuschte. >Einen Kater für die Mäusejagd ausleihen<, schrieben wir auf unsere Liste.

Dann die Sache mit der Heinoplatte, die Mutti für Oma gekauft hatte. Vati lachte und verzog das Gesicht. »Diese Schmalzplatte«, rief er aus, »würde ich nur meinem größten Feind schenken, aber nicht Oma!«

Mutti legte die Platte ärgerlich zur Seite, und wir schrieben: >Heinoplatte zu Weihnachten an Vatis größten Feind verschenken. In
Klammern: Das ist bestimmt Nachbar Locke, der alte Meckerkopf, der keine Kinder und Tiere mag.<

Ja, und dann Vatis Weihnachtswunsch für die olle Meyer: Viele im Ort mochten sie nicht leiden. Ich weiß nicht, warum das so war. Zu uns Kindern war die olle Meyer immer nett. Sie sprach nie mit uns, doch wenn wir ihr begegneten, lächelte sie uns freundlich an. Das gefiel uns. Auch Vati konnte nicht verstehen, warum alle über sie schimpften.
»Was habt ihr nur gegen die olle Meyer«, sagte er an unserem Glückstag. »Ich finde, die ist ganz okay, wenn sie auch nicht ganz richtig tickt.« Und er tippte sich mit der Fingerspitze an die Stirn. »Dafür kann sie nichts«, fuhr Vati fort. >Ich würde der Meyer mein letztes Hemd hergeben, wenn ich ihr damit eine Freude machen könnte«.
So sprach Vati! Und wir notierten: >Vatis Weihnachtsfreude an Frau Meyer: Sein letztes Hemd!< Da wir aber nicht wussten, welches wohl sein letztes Hemd war, schrieben wir dazu: >Bestimmt werden sich Vati und die olle Meyer noch mehr freuen, wenn es nicht nur ein Hemd ist.< Damit waren wir fein heraus.

Wir jubelten: Schon fünf Wünsche, und keiner kostete Geld.

Toll! Welchen aber sollten wir Vati erfüllen?

»Schenken wir ihm alles«, schlug Lena vor und grinste. »Wo's doch kein Geld kostet!«

Ich war einverstanden. »Vati wird sehr glücklich sein.«

»Hihi!« Wir freuten uns diebisch.

In den nächsten Tagen hatten wir viel zu tun. Gleich fünf Wünsche, die man noch dazu nicht kaufen konnte, zu erfüllen, war nicht einfach, und wir machten uns einen richtigen Plan.

Dann kam auch schon Heiligabend. Was waren wir aufgeregt!

Gleich nach dem Mittagessen machten wir uns leise davon. Zuerst gingen wir zu Nachbar Locke, und unsere Knie fühlten sich an wie Pudding! Den Herrn Locke fürchteten wir nämlich fast so sehr wie die Poltergeister aus dem Gruselbuch.

»Wir werden es schon schaffen!«

»Ja, Vati zuliebe.«

Unsere Herzen pochten laut, als wir dem verdutzten Locke die Heinoplatte überreichten und stotternd unsere Weihnachtsgrüße aufsagten. Und dann staunten wir ganz schön: Nachbar Locke beschimpfte uns nämlich nicht wie sonst. Er sah uns nur ganz komisch an, und mir war, als hätte er auch ein bisschen gestottert. »Das ist ... das ist ...«, sagte er ein um das andere Mal.

Mehr hörten wir nicht, denn wir rasten wie der Blitz davon.
Aber merkwürdig war's trotzdem.

Auch der Besuch bei der ollen Meyer verlief anders als geplant: Wir wollten nur unser Paket mit Vatis Hemden abgeben und frohe Weihnachten wünschen. Die Meyer aber machte uns einen Strich durch die Rechnung. Zuerst lächelte sie uns wie immer freundlich an, doch dann purzelten die Worte wie ein Wasserfall aus ihrem Mund: »Danke, danke, danke schön. Ach, wie mich das freut. Was für eine nette Überraschung. Ich danke euch. Ach, ist das schön ...«

Sie redete und redete, lachte zwischendurch und redete weiter.

Wir erschraken. Nie hätten wir gedacht, dass die olle Meyer soviel reden konnte. Und sie unterbrach ihren Redefluss nicht ein einziges Mal. Das war uns unheimlich, und wir zogen uns vorsichtig zurück. Doch Frau Meyer kam uns zuvor. Sie packte uns, schloss uns in die Arme und murmelte: »Was seid ihr für liebe nette Mädchen. Denkt an einem Tag wie heute an eine olle Frau wie mich. Das ist lieb von euch, so lieb ...«
Und dicke Tränen kullerten über ihr faltiges Gesicht. Wir hielten mucksmäuschenstill. Nun mochten wir die olle Meyer noch besser
leiden, und insgeheim wünschten wir uns, wir hätten sie auch ohne Vatis Weihnachtswunsch besucht. Einfach so!
Später zog uns Frau Meyer in die Küche, wo es süß nach Lebkuchen duftete. Dort saßen wir dann gemütlich auf der alten Eckbank, tranken heiße Schokolade und probierten alle Lebkuchensorten aus. Frau Meyer zündete Kerzen an und erzählte uns von früher, von Weihnachten, damals, als sie ein kleines Mädchen war. Das war richtig kuschelig gemütlich, und wir vergaßen alle Zeit.
Als wir endlich wieder an Vati dachten, war es schon spät. Wie gerne wären wir noch in der gemütlichen Küche sitzen geblieben,
doch wir mussten weiter. Aber wir versprachen, bald wieder zu kommen. Ich glaube, Frau Meyer hatte sich arg über unseren Besuch gefreut. Und dabei hatte sie Vatis Hemden gar nicht ausgepackt. Merkwürdig!

Merkwürdig verlief auch unser Singen bei den Kniesigs: Den Herrn Kniesig hatten wir uns als einen dicken, mürrischen Mann vorgestellt. Aber er war ganz anders und sehr nett. Seine Frau übrigens auch, und ganz besonders der wuschelige Hund der Kniesigs, der uns gleich begrüßte und fröhlich bellte, während wir Weihnachtslieder sangen.

Das klang ungefähr so: »Leise - wau, wau - rieselt der - wau - Schnee - wau, wuff...«

Es machte großen Spaß. Ja, und zum Schluss mussten die Kniesigs sogar ein bisschen weinen, weil sie sich so freuten. »Noch nie haben Kinder für uns gesungen«, sagte Frau Kniesig und umarmte uns. Und Herr Kniesig rief ein um das andere Mal: »Danke schön. Danke. Vielen, vielen Dank!« Dann wollten die beiden uns noch zu einem Stück Kuchen einladen, aber wir waren schon so satt. Wir hatten auch keine Zeit mehr. So riefen wir nur schnell »Frohe Weihnachten« und rannten weiter.

Es war höchste Zeit, denn nun mussten wir zu Onkel Udo sausen und Kater Mimo abholen, den wir uns für Vati ausleihen wollten. Wegen der Mäuse! Onkel Udo und Mimo standen am Fenster und warteten auf uns.

»Wir dachten schon, ihr kommt nicht mehr«, rief uns Onkel Udo entgegen. Er packte Mimo in einen großen Korb und deckte ihn mit einem bunten Tuch zu. »Damit es eine Überraschung wird«, sagte er und grinste. Das war merkwürdig, denn immer, wenn Onkel Udo grinste, passierte etwas Schreckliches. Onkel Udo ist nämlich Vatis kleiner Bruder, und es macht ihm immer Spaß, Vati zu ärgern. Auch heute noch, wo er doch längst erwachsen ist.
»Dann feiert mal schön«, rief Onkel Udo uns lachend nach. Wirklich merkwürdig! Wir hätten gerne gewusst, warum er so grinste. Heute war doch Weihnachten.

Doch zum Nachdenken blieb keine Zeit. Wir mussten uns sputen. Bald nämlich würde Tante Ida mit Dackel Püppi zu Hause eintreffen, und wir wollten sie bis zur Bescherung in unserem Zimmer verstecken.

Wir rannten so schnell wir konnten, und weil wir es so eilig hatten, achteten wir nicht auf den Schneematsch, der schmierig auf der Straße lag. So spritzte >plitsch, platsch< ein grauer Matschfleck nach dem anderen auf unsere Festtagsröcke und die neuen weißen Strümpfe. Au weia! Als wir endlich vor unserer Haustür standen, sahen wir aus wie die Räuber: über und über mit Schmutz bespritzt. Eine schöne Bescherung!

Aber das war erst der Anfang. Was jetzt noch alles passierte, werde ich bestimmt nie mehr vergessen: Wir wollten uns leise ins Haus schleichen, doch da riss Vati schon die Tür auf. Im Unterhemd stand er vor uns, und er sah überhaupt nicht weihnachtlich-fröhlich aus. 0 nein! Er musterte uns von oben bis unten, atmete tief durch, und dann brüllte er los: »Wo habt ihr gesteckt? Wisst ihr eigentlich, wie spät es ist? Und überhaupt: >>Wie seht ihr nur aus? Ihr Schmutzfinken! Und das an Weihnachten...«
Seine Stimme wurde immer lauter. »... und was habt ihr mit meinen Hemden angestellt? Im ganzen Haus ist kein einziges Hemd zu finden.« Er zerrte wild an seinem Unterhemd. »Soll ich vielleicht soo Weihnachten feiern?« Oh weh!

Vati tobte wirklich.

Und weil er gar nicht mehr aufhörte, kam Mutti pitschnass aus der Badewanne gerannt, denn sie dachte, es sei etwas passiert.

Tropfend, in ein Badetuch gehüllt, Lockenwickler auf dem Kopf und eine hellgrüne Gurkenmaske im Gesicht, stand sie neben Vati und starrte uns an. Doch gerade als sie etwas sagen wollte, hörten wir hinter uns eine meckernde Stimme: »Was ist hier los! Feiert man heutzutage sooo Weihnachten?« Tante Ida! O je!

Die hatten wir ja ganz vergessen!

Vati und Mutti standen wie zwei Steinfiguren an der Haustür und stierten Tante Ida an, die in ihren besten Festtagskleidern auf uns zu trippelte. Was war sie voll beladen: rechts ein Koffer, links ein Korb mit Weihnachtspäckchen und Püppis Hundeleine, unter dem Arm Tannenzweige. Ein Bild, das keiner von uns so bald vergessen wird.
»Frohe Weihnacht«, sagte Tante Ida und reichte Mutti den Korb mit den Geschenken. »Nimm das mal ab!« befahl sie. »Und schau nicht zu, wie sich deine alte Tante abschleppt! Und überhaupt: Wie seht ihr denn aus? Bin ich etwa zu früh?« Sie schob Mutti beiseite und betrat das Haus.

»Ah, wir freuen uns, mit euch Weihnachten zu feiern«, rief sie fröhlich. »Das ist schön, nicht wahr, Püppilein?« Vorsichtig hob sie Püppi hoch und setzte ihn auf Muttis Lieblingssessel.

Mutti atmete laut ein, doch es war, als hätte sie ihre Sprache verloren. Kein Wort kam über ihre Lippen. Vati faßte sich als erster. »Guten Tag, Tante Ida«, sagte er leise und hustete. »Was machst du eigentlich ...« Weiter kam er nicht; denn Püppi hatte sich neugierig Mimos Korb, den wir noch immer in den Händen hielten, genähert.

Erst schnupperte er, dann begann er wütend zu bellen. Das war zu viel für Mimo, der sich die ganze Zeit mäuschenstill verhalten hatte. Mit einem schrillen Miau sprang er aus dem Korb und jagte an uns vorbei ins Wohnzimmer. Püppi war empört.

Ein Kater! Mit einem wütenden Knurren, den Schwanz steil aufgerichtet, sauste er wie eine Rakete hinter Mimo her.

Was waren wir erschrocken, doch es blieb keine Zeit für Erklärungen. Als der ganze Schreck vorbei war, rannten wir fast gleichzeitig den beiden Kampfhähnen hinterher.

»Püppi, mein armes Püppilein!« schrie Tante Ida ein um das andere Mal. »Mistköter, wirst du wohl still sein!« »Wo kommt nur dieser wildgewordene Kater her?«

Schimpfend und fluchend versuchten Vati und Mutti, die beiden Ausreißer einzufangen. Das sah vielleicht komisch aus: Mutti im Badetuch, mit grünem Gesicht und Lockenwicklern, Vati im Unterhemd und Tante Ida auf hohen Stöckelschuhen - so rannten sie um den Weihnachtsbaum herum.

Wir konnten nichts dafür, doch es war wirklich so komisch, dass wir einfach lachen mussten. Wir lachten und lachten, und das machte die drei noch wütender. Natürlich schafften sie es nicht, Mimo und Püppi einzufangen. Die Jagd wurde immer wilder und Vatis Gesicht immer röter. Und als es gerade am schönsten war, erklang plötzlich von draußen Weihnachtsmusik - laut und falsch:
>O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit... < Im gleichen Moment sauste ein großes weiß-braunes Wollbündel mit lautem Gebell ins Wohnzimmer. Es war Hüna, der freundliche Hund der Kniesigs. Der Gesang wurde auch immer lauter, und dann standen die Kniesigs mit vielen Tüten im Arm mitten im Wohnzimmer.

»Die Tür war offen«, sagte Herr Kniesig entschuldigend. »Wir wollten nur frohe Weihnachten wünschen und danke schön sagen!«

»Ich auch!« rief es von hinten. Eine knurrige Stimme, die uns schon so manchen Schrecken eingejagt hatte. Nachbar Locke.

Und in den Händen balancierte er eine schöne große selbstgebackene Weihnachtstorte. Nun fehlt nur noch die olle Meyer...

Lena zupfte mich am Ärmel. »Glaubst du nicht, es wäre besser, wir würden verschwinden?« fragte sie leise. Ein guter Vorschlag.

Ich nickte. »Ja, weg! Nichts wie weg!«

Und während unsere Eltern, hilflos und nichts begreifend, unsere Weihnachtsüberraschungen »auspackten«, zogen wir uns vorsichtig zurück. Langsam, Schritt für Schritt. Fast wäre uns die Flucht geglückt. Wir hatten schon die immer noch offenstehende Haustür erreicht, doch da plötzlich packte uns eine Faust am Kragen.

»Na, herrscht bei euch schon das große Chaos? Wie geht's denn dem armen Mimo? « Uh! Onkel Udo. Gott sei Dank, nur Onkel Udo: »Ich war einfach neugierig«, sagte er grinsend. »Und ich habe etwas mitgebracht!«

Er ging zur Tür und trug einen Korb Flaschen herein, und - hinter ihm - stand die olle Meyer. Sie hatte ein richtig freundliches Weihnachtsmannlächeln im Gesicht, und sie war beladen mit einem köstlich bunten Esskorb - und unserem Hemdenpaket. Au weia!

Es wurde dann doch noch ein schönes Weihnachtsfest. Irgendwann hatte Vati den ersten Schreck überwunden. Dann dauerte es auch nicht mehr lange, und alle hatten sich beruhigt. Vieles wurde gesagt, erklärt und belächelt. Zum Schluss rief Mutti:
»Und nun feiern wir Weihnachten - gemeinsam!«

Da freuten sich alle, denn eigentlich fand es jeder schöner, mit uns zu feiern, als an diesem Tag alleine zu sein. Und - wer hätte das vorher gedacht? - alle verstanden sich ganz prima. Es war ein Weihnachtsfest, das keiner von uns jemals vergessen würde - lustig, fröhlich, feierlich und sehr weihnachtlich -, und am allerwenigsten würde Vati unsere fünf Geschenke, die kein Geld kosteten, jemals irgendwo in einer Ecke im Schlamperschrank vergraben.


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Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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frische Luft
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

Beitrag von frische Luft »

Zu den Weihnachtsgeschichten.

Die Adventszeit, es ist die Zeit für schöne Weihnachtsgeschichten.
Unter dem Begriff "schön" mag jeder etwas anderes verstehen, doch diese -älteren- Erzählungen sind ganz bestimmt für viele Menschen genau das Richtige. Zu den langen Wochen, die wir mit der Vorbereitung auf das Fest und mit viel erwartungsvoller Freude verbringen, gehören Weihnachtsgeschichten unbedingt dazu.

Schöne Erzählungen zur Weihnachtszeit stehen für eine harmonische Stimmung, eine wunderbare Fantasie und für glückliche Seufzer.
Sie sorgen für leuchtende Augen, und dies nicht nur bei Kindern. Solche Geschichten werden gern selbst gelesen oder am besten sogar vorgelesen. So hat die ganze Familie Anteil an einer Atmosphäre, die das Herz mit warmer Freude erfüllt.
Überhaupt ist das ein schöner Ritus:
Jeden Tag am Abend, wenn die Familie zusammensitzt, gibt es eine neue schöne Geschichte. So findet jeder mit der Zeit seine neue Lieblings-Weihnachtsgeschichte.

Ich beobachte in diesem Thread die täglichen Zahlen "der Betrachter", es werden "täglich" immer mehr, deshalb bedanke mich für das Interesse.
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Es folgt eine Geschichte von "Theodor Storm", der in Husum geboren wurde.

https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Storm

Diese Stadt sie liegt in Schleswig-Holstein an der Nordsee, sie wird auch:
"Die graue Stadt am Meer" genannt, sie ist aber doch recht bunt !

siehe hier:
viewtopic.php?t=33



In dieser Stadt, gibt es auch "DAS WEIHNACHTSHAUS" !
hier ist der Eingang:
viewtopic.php?t=106



15.) Da stand das Kind am Wege
Autor: Theodor Storm


Weihnachtabend kam heran. – Es war noch nachmittags, als Reinhard mit andern Studenten
im Ratskeller am alten Eichentisch zusammensaß.
k-Ratskeller Husum0009 (2).JPG
k-Ratskeller Husum0009 (2).JPG (19.57 KiB) 2522 mal betrachtet
Die Lampen an den Wänden waren angezündet, denn hier unten dämmerte es schon; aber die Gäste waren sparsam versammelt, die Kellner lehnten müßig an den Mauerpfeilern.
In einem Winkel des Gewölbes saßen ein Geigenspieler und ein Zithermädchen mit feinen zigeunerhaften Zügen; sie hatten ihre Instrumente auf dem Schoße liegen und schienen teilnahmlos vor sich hinzusehen.
Am Studententische knallte ein Champagnerpfropfen.
"Trinke, mein böhmisch Liebchen!" rief ein junger Mann von junkerhaftem Äußern, indem er ein volles Glas zu dem Mädchen hinüberreichte.
"Ich mag nicht", sagte sie, ohne ihre Stellung zu verändern.
"So singe!" rief der Junker und warf ihr eine Silbermünze in den Schoß.
Das Mädchen strich sich langsam mit den Fingern durch ihr schwarzes Haar, während der Geigenspieler ihr ins Ohr flüsterte; aber sie warf den Kopf zurück und stützte das Kinn auf ihre Zither.
"Für den spiel ich nicht", sagte sie.
Reinhard sprang mit dem Glase in der Hand auf und stellte sich vor sie.
"Was willst du?" fragte sie trotzig.
"Deine Augen sehn."
"Was gehn dich meine Augen an?"
Reinhard sah funkelnd auf sie nieder. "Ich weiß wohl, sie sind falsch!" – Sie legte ihre Wange in die flache Hand und sah ihn lauernd an.
Reinhard hob sein Glas an den Mund. "Auf deine schönen, sündhaften Augen!" sagte er und trank.
Sie lachte und warf den Kopf herum. "Gib!" sagte sie, und indem sie ihre schwarzen Augen in die seinen heftete, trank sie langsam den Rest.
Dann griff sie einen Dreiklang und sang mit tiefer, leidenschaftlicher Stimme:
Heute, nur heute
Bin ich so schön;
Morgen, ach morgen
Muss alles vergehn!
Nur diese Stunde
Bist du noch mein;
Sterben, ach sterben
Soll ich allein.


Während der Geigenspieler in raschem Tempo das Nachspiel einsetzte, gesellte sich ein neuer Ankömmling zu der Gruppe.
"Ich wollte dich abholen, Reinhard", sagte er.
"Du warst schon fort; aber das Christkind war bei dir eingekehrt."
"Das Christkind?" sagte Reinhard, "das kommt nicht mehr zu mir."
"Ei was! Dein ganzes Zimmer roch nach Tannenbaum und braunen Kuchen."
Reinhard setzte das Glas aus der Hand und griff nach seiner Mütze.
"Was willst du?" fragte das Mädchen.
"Ich komme schon wieder."
Sie runzelte die Stirn. "Bleib!" rief sie leise und sah ihn vertraulich an.
Reinhard zögerte. "Ich kann nicht", sagte er.
Sie stieß ihn lachend mit der Fußspitze. "Geh!" sagte sie.
"Du taugst nichts; ihr taugt alle miteinander nichts." Und während sie sich abwandte, stieg Reinhard langsam die Kellertreppe hinauf.

Draußen auf der Straße war es tiefe Dämmerung; er fühlte die frische Winterluft an seiner heißen Stirn.
Hier und da fiel der helle Schein eines brennenden Tannenbaums aus den Fenstern, dann und wann hörte man von drinnen das Geräusch von kleinen Pfeifen und Blechtrompeten und dazwischen jubelnde Kinderstimmen.
Scharen von Bettelkindern gingen von Haus zu Haus oder stiegen auf die Treppengeländer und suchten durch die Fenster einen Blick in die versagte Herrlichkeit zu gewinnen.
Mitunter wurde auch eine Tür plötzlich aufgerissen, und scheltende Stimmen trieben einen ganzen Schwarm solcher kleinen Gäste aus dem hellen Hause auf die dunkle Gasse hinaus;
anderswo wurde auf dem Hausflur ein altes Weihnachtslied gesungen; es waren klare Mädchenstimmen darunter.
Reinhard hörte sie nicht, er ging rasch an allem vorüber, aus einer Straße in die andere.

Als er an seine Wohnung gekommen, war es fast völlig dunkel geworden;
k-Im Haus der Treppenaufgand zur Wohnung.JPG
k-Im Haus der Treppenaufgand zur Wohnung.JPG (22.88 KiB) 2522 mal betrachtet
...er stolperte die Treppe hinauf und trat in seine Stube. Ein süßer Duft schlug ihm entgegen; das heimelte ihn an, das roch wie zu Haus der Mutter Weihnachtsstube.
Mit zitternder Hand zündete er sein Licht an; da lag ein mächtiges Paket auf dem Tisch, und als er es öffnete, fielen die wohlbekannten braunen Festkuchen heraus; auf einigen waren die Anfangsbuchstaben seines Namens in Zucker ausgestreut; das konnte niemand anders als Elisabeth getan haben.
Dann kam ein Päckchen mit feiner gestickter Wäsche zum Vorschein, Tücher und Manschetten, zuletzt Briefe von der Mutter und von Elisabeth.
Reinhard öffnete zuerst den letzteren; Elisabeth schrieb:
"Die schönen Zuckerbuchstaben können Dir wohl erzählen, wer bei den Kuchen mitgeholfen hat; dieselbe Person hat die Manschetten für Dich gestickt. Bei uns wird es nun Weihnachtabend sehr still werden; meine Mutter stellt immer schon um halb zehn ihr Spinnrad in die Ecke; es ist gar so einsam diesen Winter, wo Du nicht hier bist.
Nun ist auch vorigen Sonntag der Hänfling gestorben, den Du mir geschenkt hattest; ich habe sehr geweint, aber ich hab ihn doch immer gut gewartet. Der sang sonst immer nachmittags, wenn die Sonne auf sein Bauer schien;
Du weißt, die Mutter hing oft ein Tuch über, um ihn zu geschweigen, wenn er so recht aus Kräften sang.
Da ist es nun noch stiller in der Kammer, nur dass Dein alter Freund Erich uns jetzt mitunter besucht.
Du sagtest einmal, er sähe seinem braunen Überrock ähnlich. Daran muss ich nun immer denken, wenn er zur Tür hereinkommt, und es ist gar zu komisch; sag es aber nicht zur Mutter, sie wird dann leicht verdrießlich.
-– Rat, was ich Deiner Mutter zu Weihnachten schenke!
Du rätst es nicht? Mich selber!
Der Erich zeichnet mich in schwarzer Kreide; ich habe ihm schon dreimal sitzen müssen, jedesmal eine ganze Stunde.
Es war mir recht zuwider, dass der fremde Mensch mein Gesicht so auswendig lernte. Ich wollte auch nicht, aber die Mutter redete mir zu; sie sagte, es würde der guten Frau Werner eine gar große Freude machen.
Aber Du hältst nicht Wort, Reinhard.
Du hast keine Märchen geschickt. Ich habe Dich oft bei Deiner Mutter verklagt; sie sagt dann immer, Du habest jetzt mehr zu tun als solche Kindereien. Ich glaub es aber nicht; es ist wohl anders."

Nun las Reinhard auch den Brief seiner Mutter, und als er beide Briefe gelesen und langsam wieder zusammengefaltet und weggelegt hatte, überfiel ihn unerbittliches Heimweh.
Er ging eine Zeitlang in seinem Zimmer auf und nieder; er sprach leise und dann halb verständlich zu sich selbst:
Er wäre fast verirret
Und wusste nicht hinaus;
Da stand das Kind am Wege
Und winkte ihm nach Haus!

Dann trat er an sein Pult, nahm einiges Geld heraus und ging wieder auf die Straße hinab.
-– Hier war es mittlerweile stiller geworden; die Weihnachtsbäume waren ausgebrannt, die Umzüge der Kinder hatten aufgehört. Der Wind fegte durch die einsamen Straßen; Alte und Junge saßen in ihren Häusern familienweise zusammen; der zweite Abschnitt des Weihnachtabends hatte begonnen. –
Als Reinhard in die Nähe des Ratskellers kam, hörte er aus der Tiefe herauf Geigenstrich und den Gesang des Zithermädchens; nun klingelte unten die Kellertür, und eine dunkle Gestalt schwankte die breite, matt erleuchtete Treppe herauf.
Reinhard trat in den Häuserschatten und ging dann rasch vorüber. Nach einer Weile erreichte er den erleuchteten Laden eines Juweliers; und nachdem er hier ein kleines Kreuz von roten Korallen eingehandelt hatte, ging er auf demselben Wege, den er gekommen war, wieder zurück.
Nicht weit von seiner Wohnung...
k-Eingangstür vom Theodor Storm Haus (Neustadt).JPG
k-Eingangstür vom Theodor Storm Haus (Neustadt).JPG (24 KiB) 2522 mal betrachtet
...bemerkte er ein kleines, in klägliche Lumpen gehülltes Mädchen an einer hohen Haustür stehen, in vergeblicher Bemühung, sie zu öffnen.
"Soll ich dir helfen?" sagte er. Das Kind erwiderte nichts, ließ aber die schwere Türklinke fahren.
Reinhard hatte schon die Tür geöffnet.
"Nein", sagte er, "sie könnten dich hinausjagen; komm mit mir!
Ich will dir Weihnachtskuchen geben." Dann machte er die Tür wieder zu und fasste das kleine Mädchen an der Hand, das stillschweigend mit ihm in seine Wohnung ging.
Er hatte das Licht beim Weggehen brennen lassen.
"Hier hast du Kuchen", sagte er und gab ihr die Hälfte seines ganzen Schatzes in ihre Schürze, nur keine mit den Zuckerbuchstaben.
"Nun geh nach Hause und gib deiner Mutter auch davon."
Das Kind sah mit einem scheuen Blick zu ihm hinauf; es schien solcher Freundlichkeit ungewohnt und nichts darauf erwidern zu können. Reinhard machte die Tür auf und leuchtete ihr, und nun flog die Kleine wie ein Vogel mit ihren Kuchen die Treppe hinab und zum Hause hinaus.
Reinhard schürte das Feuer in seinem Ofen an und stellte das bestaubte Tintenfass auf seinen Tisch;
dann setzte er sich hin und schrieb, und schrieb die ganze Nacht Briefe an seine Mutter, an Elisabeth.
Der Rest der Weihnachtskuchen lag unberührt neben ihm; aber die Manschetten von Elisabeth hatte er angeknüpft, was sich gar wunderlich zu seinem weißen Flausrock ausnahm.
So saß er noch, als die Wintersonne auf die gefrorenen Fensterscheiben fiel und ihm gegenüber im Spiegel ein blasses, ernstes Antlitz zeigte.

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2.advent-00037.jpg (23.28 KiB) 2522 mal betrachtet
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Siehe auch hier:
viewtopic.php?t=1022


Das Gedicht "Knecht Ruprecht" von Theodor Storm
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1623597567.gif (15.82 KiB) 2474 mal betrachtet
Von draußen, vom Walde komm ich her;
'ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen,
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich strolch' durch des finstern Tann,
da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell',
heb deine Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan, alt und jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn,
und morgen flieg ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "Oh lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat."

"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
essen fromme Kinder gern."
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil den rechten!"
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von draußen, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hier innen find!
sind's gute Kind, sind's böse Kind?
Zuletzt geändert von frische Luft am Di 23. Dez 2025, 16:52, insgesamt 3-mal geändert.
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

Beitrag von frische Luft »

16.) Nikolaus und Nikola
von Rita Fehling

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Alle Jahre wieder im Dezember.
Ein Blick auf den Kalender sagt mir, dass das Fest der Feste nicht mehr fern ist.
Ich hätte es eigentlich wissen müssen, trotzdem kommt es mir wie in jedem Jahr so vor, als ob ausgerechnet dieses Mal Weihnachten wieder sehr plötzlich kommt.
Auf einmal steht die zur Verfügung stehende Zeit in einem äußerst ungünstigen Verhältnis zu den noch zu erledigenden Aufgaben. Die alljährliche Hetze kann beginnen.
Eins, zwei, drei, vier... neun Personen müssen mit Geschenken versehen und eine dreifache Anzahl mit Weihnachtskarten beglückt werden.
(Wo ist bloß die Liste, damit ich nicht wieder Onkel Alfred vergesse?).
Das ganze Fest vom Heiligabend angefangen bis zum Abend des zweiten Weihnachtstages muss organisiert und geplant werden. Schließlich wollen meine Lieben sowohl kulinarisch als auch geschenkemäßig versorgt und verwöhnt werden.
Meine beiden Männer (Sohne- und Ehemann) sehen meinem munteren Treiben zu und machen sich keinen Kopf drum.
Advent, Advent, die Mutti rennt...
Dieser Spruch ist zwar nicht neu, aber hat leider seine Gültigkeit nicht verloren.
Der Herr des Hauses glaubt, mit dem Aussuchen eines neuen Parfums (wahlweise auch Pullover, Pralinen oder Prosecco) und dem heiligabendlichen Aufstellen der Hallelujastaude seine Pflicht und Schuldigkeit getan zu haben. Weihnachten ist -und bleibt es wohl auch noch eine Zeit lang- Frauensache.
Warum eigentlich? Wer kann mir diese Frage beantworten?
Dabei ist es doch der Weihnachts-Mann, der an diesem Fest eine Hauptrolle spielt.
Mir ist aufgefallen, dass es neuerdings auch Weihnachts-Frauen gibt. Allerdings sind die wasserstoffblond, haben eine atemberaubende Figur, für Männeraugen zumindest, tragen einen roten Supermini und sind aus Schokolade.
Komisch, der Schoko-Weihnachtsmann oder -Nikolaus dagegen ist ein seriöser, älterer, untersetzter Herr mit Rauschebart - sein weibliches Gegenstück, die Nikola ist eine niedliche Kleine, die nicht den leisesten Anschein von Seriosität ausstrahlt.
Warum nicht mal einen Nikolaus mit Waschbrettbauch, sexy Po und Kleiderschrankkreuz?
Was wollen uns die Hersteller der weihnachtlichen Schokofiguren damit sagen?
Dass Frauen sich nicht von attraktiven (Weihnachts-)Männern ablenken lassen sollen, weil sie verdammt noch mal andere Pflichten in dieser Zeit haben?
Oder wollen sie damit beweisen, dass sie an die Gleichberechtigung gedacht haben?
Puh, von wegen Gleichberechtigung!
Die meiste Arbeit, die das Fest mit sich bringt, bleibt ja doch wieder an uns Frauen hängen. Dieses Jahr habe ich mich allerdings geweigert, die so beliebten wie arbeitsaufwendigen Kekse zu backen. Ich habe meine beiden unmissverständlich wissen lassen, dass ich nicht bereit sei, mehrere Stunden in der Küche zuzubringen, nur damit sie an einem, ich betone an einem Abend Kekse naschen können. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat mich gelehrt, dass die Kekse nur dann interessant sind, wenn sie gerade gebacken sind, danach wird den gekauften Dominosteinen, Lebkuchenherzen und dergleichen den Vorrang gegeben.
Warum weiß ich auch nicht, vielleicht weil meine Backkünste doch zu wünschen übrig lassen.
Egal warum, ich backe dieses Jahr nicht! Und ich bleibe hart.
Mann und Sohn gucken mich an, als hätte ich ihnen soeben den bevorstehenden Weltuntergang prophezeit.
"Aber das riecht doch so schön im Haus," murren sie.
Sollen sie doch selber Plätzchenduft produzieren!
Ich weiß ganz sicher, dass Männer das auch können. Ich habe ihnen schon mal die Zutaten und das Backbuch herausgestellt. Und die Weihnachtskeksdose. Darin befanden sich noch die Kekse vom letzten Jahr, die, die am Backtag nicht alle geworden sind.
Ich werde mich an dem Abend, an dem meine beiden Plätzchen backen, mit meiner Freundin auf ein lauschiges Plätzchen zurückziehen - beim Italiener vielleicht - und werde mal für einen Tag die Hektik vergessen.
Vielleicht unterhalten wir uns über Weihnachtsmänner. Sie wissen schon, über solche mit Waschbrettbauch - aber nicht aus Schokolade.
Zuletzt geändert von frische Luft am Di 23. Dez 2025, 16:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

Beitrag von frische Luft »

17.) Plätzchenduft im ganzen Haus
von Rita Fehling


Wieder diese dunkle Jahreszeit. Wieder Dezember.
Wieder diese langen Nächte und kurzen Tage. Und wieder die Familie, die quengelt, ich soll Plätzchen backen.
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Engel1.gif (15.5 KiB) 2470 mal betrachtet
"Nein!" sage ich dieses Mal entschieden.
"Ich backe in diesem Jahr keine Plätzchen. Mann und Sohn gucken mich an, als ob ich ihnen soeben mitgeteilt hätte, dass ich beabsichtige, nach Timbuktu auszuwandern. Alles, nur das nicht. Sie flehen. Sie nölen. Sie schimpfen. Und ich argumentiere damit, dass es keinen Spaß macht, viele Stunden in der Küche zuzubringen, nochmals Stunden mit deren Reinigung beschäftigt zu sein, die Produkte meiner Schweiß treibenden Arbeit sich noch am Backtag bis auf die Hälfte dezimieren zu sehen, um dann festzustellen, dass anschließend niemand mehr von den Keksen isst. Nicht nur nicht im Dezember, nein auch am Fest selbst wird alles Mögliche gegessen und genascht, nicht aber Mutters Kekse.
Ich schlug vor, in eine gute Konditorei zu gehen, und ein paar von diesen wunderbaren Keksen zu kaufen, die so schön aussehen, wie ich es niemals hinkriegen würde. Aber sie schüttelten beiden heftig die Köpfe und argumentierten:
"Aber das riecht doch so schön im ganzen Haus."
Okay, da hatten sie ja nun Recht. Trotzdem habe ich keine Lust, Kekse für den Mülleimer zu produzieren. Basta!
Im letzten Jahr hatte ich logisch überlegt und nur noch die Hälfte Kekse gebacken. In der Hoffnung, dass dann alle an einem Tag aufgegessen würden. Aber die Rechnung ging nicht auf.
1. hatte ich fast genau so viel Arbeit, weil es der verschmutzten Küche egal ist, ob zehn oder fünf Bleche gebacken wurden und
2. haben sie von der Hälfte eben wieder nur die Hälfte gegessen. Ob sie es unverschämt gefunden hätten, alles auf einmal zu essen, oder ob ausgerechnet im letzten November ihr Keksappetit nur halb so groß war, bleibt unbekannt.
Mein Entschluss stand fester den je:
In diesem Jahr keine Kekse.
Nun waren meine beiden Süßen nicht gewillt, auf selbst gebackene Weihnachtssüßigkeiten zu verzichten.
Und weil Muttern dieses Mal nicht als Produzentin zur Verfügung stand passierte, was passieren musste.
Die beiden wälzten Backbücher, kauften Frauenzeitschriften mit Plätzchenrezepten und bereiteten sich akribisch auf den großen Backtag vor.
Wenn eine Frau kocht oder backt, geht sie in die Küche, schmeißt Ofen und Herd in Gang und legt los.
Männer jedoch planen alles bis in die kleinste Kleinigkeit. Sie lasen die Rezepte, murmelten was von Kuvertüre, Petit Fours und viele andere leckere Ausdrücke.
Ich schmunzelte, denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie das hinkriegen würden.
Meine Kekse, die ich immer genau nach Anweisung backte, sahen nie so umwerfend toll aus, wie sie in den Zeitschriften oder Backbüchern abgebildet waren.
Aber die beiden hatten - so schien es - den Anspruch, es besser zu machen als ich.
Ich gebe zu, dass ich ein bisschen in meinem hausfraulichen Stolz gekränkt war. Und ein bisschen juckte es mich doch, ihnen zu zeigen, wer hier besser backen konnte.
Doch ein Zurück gab es nun nicht mehr für mich. Zu viel hatte ich daran gesetzt, mein Ziel zu erreichen. Um nicht in irgendeine Versuchung zu kommen, in den nachmittäglichen Backvorgang einzugreifen, verzog ich mich für einige Stunden.
Ja, es stimmt, ich war sehr neugierig, als ich nach Hause kam.
Was dort dekorativ in einer Schale angerichtet war, verschlug mir den Atem.
Vanillekipferl mit Puderzucker, Zimtsterne mit rosa Verzierungen und vieles mehr.
"Alle Achtung!" Das Kompliment meinte ich wirklich ernst.
Erst am Abend im Bett fiel mir auf, dass etwas gefehlt hatte.
Der Duft. Genau !

Der Plätzchenduft im ganzen Haus.
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Zuletzt geändert von frische Luft am Di 23. Dez 2025, 16:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

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18.) Die erste Zigarette
oder
Weihnachten ist erst morgen.

von Egon Oetjen

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Weihnachten ist ja schon etwas Besonderes, jedenfalls für mich.
Bis zum heutigen Tage ist der Heilige Abend etwas wunderbares für mich, nicht unbedingt der Geschenke wegen, nein, nein, dieser Tag überhaupt macht den Reiz aus.
So war das auch schon Weihnachten 1953.
Ich war nun ja gerade fünf Jahre alt und Heiligabend stand vor der Tür. Natürlich durfte ich ja nicht wissen, das es keinen Weihnachtsmann gab, also hatten wir Drei, dass heißt, meine beiden älteren Brüder und ich als kleiner Duddsack, die Wohnung, zu verlassen.
Vater und Mutter schickten uns nach draußen, was bei dem kalten und feuchten Dezemberwetter eigentlich nur hieß, rein in den alten Schuppen.
Darin waren wir jedenfalls so einigermaßen vor der nassen Kälte geschützt. Ein alter, zugiger Schuppen, in dem Brennmaterial wie Holz, Torf und Kohlen lagerte. Er bestand größtenteils aus zusammengenagelten Brettern und Blechtafeln, die aus alten Ölfässern hergestellt waren. Daher war das Ganze auch recht löchrig und der eisige Wind pfiff durch die Ritzen.
In diesem Verschlag saßen wir drei Buben nun und warteten auf den Weihnachtsmann.
Irgendwann wurde uns die ganze Geschichte zu langweilig und einer der beiden Großen kam auf die glorreiche Idee, irgendetwas nützliches zu machen.
Ich weiß ja nun nicht, wie er gerade darauf kam, aber Rauchen ist bei Jungens ja immer angesagt.
Die so genannte Zigarette sah dann aber eher aus wie eine Trompete. Außen zusammengerolltes Zeitungspapier und drinnen richtig guter Tabak, den die Beiden vom vielen Torfstreu, der dort auf dem Boden lag, "geerntet" hatten.
Ich brauchte in meinem zarten Alter nur einen guten Zug an dieser "Zieh-garette", natürlich auf Lunge.
Dann war Weihnachten für mich vorbei, denn erstens wurde eine neue Hose für mich benötigt und zweitens gab es gehörig welche vor den Hintern.
Dieser Zug hatte bei mir eine durchschlagende Wirkung.
Geschenke wurden dann übrigens erst am nächsten Tag verteilt.
Da war der Weihnachtsmann allerdings schon lange nicht mehr da, aber zum Glück hatte er die Geschenke dagelassen.
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

Beitrag von frische Luft »

19.) Eine seltsame Geschichte
von Heidi Subera

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Als der kleine Martin am Sonntag morgen aufwachte und sich umschaute, war irgendwas ganz komisch.
In seinem Zimmer stimmte etwas nicht. Er konnte aber nicht sagen, was es war.
Die Spielzeugkiste war an ihrem Platz und die Eisenbahn stand auch noch auf ihren Schienen.
Seltsam. Martin setzte sich auf und blickte noch einmal rund herum. Er konnte nichts entdecken. Da auf dem Regal neben dem Bett hatte er wie immer seine Stofftiere aufgereiht.
Moment mal!
Saßen die nicht anders als gestern Abend?
Martin kniff die Augen zu und machte sie wieder auf. Es war alles genau so wie vor einem Augenblick.
Er kletterte aus dem Bett und lugte vorsichtig darunter.
Heh! Was war denn das?
Da lagen lauter Papierschnitzel unter dem Bett und ein kleiner Stoffesel war auch auf den Boden gefallen!
' Ich habe das aber nicht gemacht ' dachte Martin bei sich. Er holte schnell seinen Papierkorb, sammelte die Schnipsel ein und setzte den Esel wieder auf das Regal. Dann zog er seine blaue Hose und sein rotes T-Shirt an.
Das konnte er schon, er war ja schon ein großer Junge. Immerhin schon fünf Jahre, drei Monate und zehn Tage.
Martin warf noch einen kurzen Blick zu den Stofftieren. Er war sich sicher, sie saßen anders als gestern!
Schnell schlüpfte er in seine Turnschuhe und lief aus dem Zimmer, die Stufen hinunter und in die Küche.
Seine große Schwester und die Mutter waren schon auf. Die Mutter kochte Kaffee und Kakao, Karin, so hieß seine Schwester, strich Butter auf die Frühstücksbrötchen, die herrlich dufteten.
"Schön, daß du schon auf bist" sagte die Mutter.
"Das Frühstück ist schon fertig". Martin setzte sich zum Tisch, der schon gedeckt war.
"Du, Mutti, hast du heute in der Nacht nichts gehört? " begann Karin.
"Da hat irgendwas einen ziemlichen Lärm gemacht"
"Wie meinst du das?" fragte die Mutter.
"Was für einen Lärm?"
"Ich weiß es auch nicht, aber zuerst hat es gekratzt und dann gescheppert" antwortete Karin.
" Und bei mir unter dem Bett sind gaaanz viele Papierschnipsel gelegen. Ich hab sie aber schon weggeräumt!" krähte Martin dazwischen.
" Ehrlich, Mutti, ich war das nicht!"
Die Mutter meinte, sie hätte nichts gehört.
"Im Gegenteil, ich habe heute sehr gut geschlafen." sagte sie. "Aber wir werden Papa fragen, wenn er aufgestanden ist".
Kurz darauf erschien der Vater in der Küche.
"Ich habe einen Bärenhunger, ich könnte ein ganzes Wildschwein aufessen" rief er.
Die Mutter goß Kaffee in eine Tasse und servierte ihn dem Vater zusammen mit einem frischen Brötchen.
"Hmmm, wie gut das riecht, einfach köstlich. Kann ich bitte etwas Marmelade haben? Auf diesen Brötchen brauche ich unbedingt Marmelade ".Sein Vater ließ sich das Frühstück schmecken. Nachdem alle gegessen hatten, räumte die Mutter den Tisch ab, Karin wusch das Geschirr und der Vater griff sich die Zeitung.
Gerade als er zu lesen beginnen wollte, zupfte ihn Martin am Ärmel:
"Papa, hast du heute Nacht nichts gehört?" fragte er.
"Nein" antwortete der Vater, "eigentlich nicht,... doch!
Da hat mich einmal ein Geräusch geweckt. Es war ein Kratzen. Hat sich angehört, als wollte die Katze in dein Zimmer". " Nein, das kann nicht stimmen, weil die Katze heute Nacht bei mir geschlafen hat" sagte Karin.
"Ich weiß, du willst es nicht, Mutti, aber was hätte ich denn tun sollen. Sie hat so laut miaut, da habe ich sie rein gelassen". "Ist ja auch egal, wird schon irgendwas gewesen sein.", meinte der Vater.
"Geht spielen, aber macht nicht so viel Lärm, heute ist Sonntag!"
Als Martin wieder in sein Zimmer kam, schaute er als erstes unter sein Bett. Als er nichts Verdächtiges feststellen konnte, begann er die Eisenbahn aufzubauen. Ein Bahnhof mußte her und die Brücke, dann stellte er Bäume dazu und einen Zaun. Hinter dem Zaun plazierte er ein paar Pferde, Kühe waren auch dabei und ein Bauernhof mit Traktoren, Anhänger und allem, was halt so zu einem Bauernhof gehört. Martin ließ Autos fahren, der Zug fuhr in den Bahnhof ein, in Martins Phantasie stiegen Leute ein, andere wiederum aus. Der Schaffner pfiff auf seiner Trillerpfeife und der Zug setzte sich wieder in Bewegung. Martin war so in sein Spiel vertieft, daß er nicht bemerkte, daß Etwas blitzschnell durch sein Zimmer vom Regal in Richtung Fenster huschte.
Was das wohl war?
Der kleine Junge sah erst von seinem Spiel auf, als die Mutter zum Mittagessen rief.
"Was, so spät ist es schon wieder?" rief er .
" Ich komme gleich, Mutti". Schnell räumte er seine Spielsachen weg, stellte die Autos samt Schachtel auf das Regal. Was war das? Da lagen ja schon wieder Papierschnipsel auf dem Boden! Martin verstand die Welt nicht mehr. ' Ich habe doch alle Papierschnipsel weggeräumt und in den Papierkorb getan.' dachte Martin. Er guckte im Papierkorb nach. Da waren aber keine Schnipsel mehr drinnen.
"Mutti, bitte komm schnell in mein Zimmer, da ist was echt Komisches!" rief Martin.
Als die Mutter in sein Zimmer kam, war Martin ganz aufgeregt.
"Heute Morgen ist ein Stofftier am Boden gelegen und unter dem Bett waren lauter Papierschnipsel. Hab ich aber alles aufgeräumt, ehrlich! Und jetzt sind schon wieder welche da. Schau! Die Schnipsel, die ich weggeworfen habe, sind nicht mehr im Papierkorb, die liegen schon wieder am Boden!"
Die Mutter zog die Augenbrauen in die Höhe und warf ihrem Sohn einen strengen Blick zu. "Martin, für so einen Unfug ist mir die Zeit zu schade. Ich habe auch noch was anderes zu tun, als mir solche Geschichten anzuhören.
"Aber es stimmt!" beteuerte Martin. "Ich habe gestern Abend ja gar kein Papier gebraucht. Mit den Stofftieren habe ich auch nicht gespielt und trotzdem ist eines am Boden gelegen."
"In Ordnung. Lass es gut sein. Ach Martin, würdest du bitte dein Fenster schließen?
Es ist mittlerweile doch schon ziemlich herbstlich." Die Mutter lächelte ihrem Kind zu und ging wieder in die Küche, um die Jause vorzubereiten. Martin war sehr verwundert, er war sich jetzt gar nicht mehr so sicher, ob er nicht doch mit den Stofftieren gespielt, oder Etwas aus Papierresten gebastelt hatte. Nein, das wüsste er doch. Kopfschüttelnd ging auch er in die Küche.
Etwas später kam der Vater vom Garten zurück.
"Stellt euch vor, was ich draußen gesehen habe." sagte er und machte ein geheimnisvolles Gesicht. Martin guckte ihn ganz neugierig an:
"Sag schon, was hast du denn gesehen, bitte, ich bin schon so neugierig!" bettelte Martin.
"Ihr wisst ja, dass schon sehr viele Blätter von den Bäumen gefallen sind. Der wilde Wein, der an unserer Mauer hoch wächst, ist auch schon ziemlich nackt. Na, ich war gerade dabei, das Laub zusammen zu rechen, da habe ich an der Hauswand, wo der Wein ist, ein Rascheln gehört. Was glaubt ihr, habe ich gesehen?
Ein Eichhörnchen! Es ist da herum geklettert, es hat so ausgesehen, als wollte es in dein Zimmer, Martin."
"Echt, ein Eichhörnchen?" rief Martin begeistert.
"Wollte es wirklich in mein Zimmer?" "Na, ja, es hat jedenfalls so ausgesehen." antwortete der Vater.
"Moment mal," mischte sich die Mutter ein, "das würde die seltsamen Dinge in Martins Zimmer erklären.
Martin hat heute Morgen lauter Papierschnipsel auf dem Boden gefunden. Das Fenster war auch offen. Könnte es sein, dass...?
"Der Vater nickte nachdenklich. " Dass es hinein geklettert ist? Das wäre natürlich möglich. Da wir die Eichhörnchen bis jetzt ja nie in irgendeiner Weise erschreckt haben, sind sie auch nicht besonders ängstlich. Natürlich ist so was ungewöhnlich, könnte aber durchaus sein."
"Toll" rief Martin. Er fand den Gedanken, ein Eichhörnchen in seinem Zimmer zu haben, irrsinnig aufregend. Ob man so ein Tierchen wohl als Haustier haben könnte?
Martin muß wohl so einen Ausdruck in seinem Gesicht gehabt haben, denn in diesem Augenblick sagte der Vater:
" Martin, so ein Eichhörnchen ist kein Kuscheltier, weißt du? Man kann ein Tier, welches die Freiheit gewohnt ist, nicht in einen Käfig sperren, das würde es sehr unglücklich machen" Martin verzog das Gesicht.
" Ich hab ja gar nichts gesagt, Papa, aber lustig wäre es schon."
Man kam zu dem Entschluß, daß man das Fenster in Martins Zimmer über Nacht wieder öffnen würde, ein paar Nüsse auf den Boden legen und am Morgen, wenn die Nüsse fort wären, hätte man Gewißheit, daß es das Eichhörnchen war, welches die Unordnung veranstaltet hatte.
Genau so geschah es dann auch. Am Abend, als es Schlafenszeit war, deponierte Martin einige Nüsse auf dem Boden, öffnete das Fenster, nur einen Spalt, gerade so weit, daß ein Eichhörnchen durch schlüpfen konnte und legte sich schlafen. Am nächsten Morgen, als Martin aufwachte, schaute er sofort nach, ob die Nüsse noch da waren.
Und wirklich! Alle Nüsse waren verschwunden! Martin freute sich. Hatte er doch schon gedacht, irgend ein Kobold hätte in seinem Zimmer Quartier bezogen und ihm einen Streich gespielt. Er seufzte erleichtert auf. Gleich beim Frühstück erzählte er den Eltern, daß alle Nüsse weg waren.
"Na, dann hätten wir ja den Missetäter entlarvt." stellte der Vater fest.
Alle mußten lachen, weil so eine seltsame Sache passierte nicht alle Tage.
Von da an legte Martin jeden Abend einige Nüsse auf sein Fensterbrett, damit das Eichhörnchen sie mitnehmen konnte.
Das Fenster allerdings machte er fortan immer zu... !
Zuletzt geändert von frische Luft am Di 23. Dez 2025, 16:54, insgesamt 1-mal geändert.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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Re: Jeden Tag eine NEUE Geschichte ! ENDE ist am 24. Dezember

Beitrag von frische Luft »

20.) Die Leihgabe
von Wolfdietrich Schnurre



Am meisten hat Vater sich jedesmal zu Weihnachten Mühe gegeben.
Da fiel es uns allerdings auch besonders schwer, drüber wegzukommen, dass wir arbeitslos waren.
Andere Feiertage, die beging man, oder man beging sie nicht; aber auf Weihnachten lebte man zu, und war es erst da, dann hielt man es fest; und die Schaufenster, die brachten es ja oft noch nicht mal im Januar fertig, sich von ihren Schokoladenweihnachtsmännern zu trennen.
Mir hatten es vor allem die Zwerge und Kasperles angetan. War Vater dabei, sah ich weg; aber das fiel mehr auf, als wenn man hingesehen hätte; und so fing ich dann allmählich doch wieder an, in die Läden zu gucken.
Vater war auch nicht gerade unempfindlich gegen die Schaufensterauslagen, er konnte sich nur besser beherrschen. Weihnachten, sagte er, wäre das Fest der Freude; das Entscheidende wäre jetzt nämlich: nicht traurig zu sein, auch dann nicht, wenn man kein Geld hätte.
"Die meisten Leute", sagte Vater, "sind bloß am ersten und zweiten Feiertag fröhlich vielleicht nachher zu Silvester noch mal. Das genügt aber nicht; man muß mindestens schon einen Monat vorher mit Fröhlichsein anfangen. Zu Silvester", sagte Vater, "da kannst du dann getrost wieder traurig sein; denn es ist nie schön, wenn ein Jahr einfach so weggeht. Nur jetzt, so vor Weihnachten, da ist es unangebracht, traurig zu sein."
Vater selber gab sich auch immer große Mühe, nicht traurig zu sein um diese Zeit; doch er hatte es aus irgendeinem Grund da schwerer als ich; wahrscheinlich deshalb, weil er keinen Vater mehr hatte, der ihm dasselbe sagen konnte, was er mir immer sagte. Es wäre bestimmt auch alles leichter gewesen, hätte Vater noch seine Stelle gehabt. Er hätte jetzt sogar wieder als Hilfspräparator gearbeitet; aber sie brauchten keine Hilfspräparatoren im Augenblick. Der Direktor hatte gesagt, aufhalten im Museum könnte Vater sich gern, aber mit Arbeit müßte er warten, bis bessere Zeiten kämen.
"Und wann, meinen Sie, ist das?" hatte Vater gefragt.
"Ich möchte Ihnen nicht weh tun", hatte der Direktor gesagt.
Frieda hatte mehr Glück gehabt; sie war in einer Großdestille am Alexanderplatz als Küchenhilfe eingestellt worden und war dort auch gleich in Logis. Uns war es ganz angenehm, nicht dauernd mit ihr zusammenzusein; sie war jetzt, wo wir uns nur mittags und abends mal sahen, viel netter.
Aber im Grunde lebten auch wir nicht schlecht. Denn Frieda versorgte uns reichlich mit Essen, und war es zu Hause zu kalt, dann gingen wir ins Museum rüber; und wenn wir uns alles angesehen hatten, lehnten wir uns unter dem Dinosauriergerippe an die Heizung, sahen aus dem Fenster oder fingen mit dem Museumswärter ein Gespräch über Kaninchenzucht an.
An sich war das Jahr also durchaus dazu angetan, in Ruhe und Beschaulichkeit zu Ende gebracht zu werden. Wenn Vater sich nur nicht solche Sorge um einen Weihnachtsbaum gemacht hätte.
Es kam ganz plötzlich.
Wir hatten eben Frieda aus der Destille abgeholt und sie nach Hause gebracht und uns hingelegt, da klappte Vater den Band "Brehms Tierleben" zu, in dem er abends immer noch las, und fragte zu mir rüber: "Schläfst du schon?"
"Nein", sagte ich, denn es war zu kalt zum Schlafen.
"Mir fällt eben ein", sagte Vater, "wir brauchen ja einen Weihnachtsbaum."
Er machte eine Pause und wartete meine Antwort ab.
"Findest du?" sagte ich.
"Ja", sagte Vater, "und zwar so einen richtigen, schönen; nicht so einen murkligen, der schon umkippt, wenn man bloß mal eine Walnuß dranhängt."
Bei dem Wort Walnuß richtete ich mich auf. Ob man nicht vielleicht auch ein paar Lebkuchen kriegen könnte zum Dranhägen?
Vater räusperte sich. "Gott -", sagte er, "warum nicht; mal mit Frieda reden."
"Vielleicht", sagte ich, "kennt Frieda auch gleich jemand, der uns einen Baum schenkt."
Vater bezweifelte das. Außerdem: so einen Baum, wie er ihn sich vorstellte, den verschenkte niemand, der wäre ein Reichtum, ein Schatz wäre der.
Ob er vielleicht ein Mark wert wäre, fragte ich.
"Eine Mark -?!" Vater blies verächtlich die Luft durch die Nase:
"Mindestens zwei." "Und wo gibt's ihn?"
"Siehst du", sagte Vater, "das überleg' ich auch gerade."
"Aber wir können ihn doch gar nicht kaufen", sagte ich; "zwei Mark: wo willst du die denn jetzt hernehmen?"
Vater hob die Petroleumlampe auf und sah sich im Zimmer um. Ich wußte, er überlegte, ob sich vielleicht noch was ins Leihhaus bringen ließe; es war aber schon alles drin, sogar das Grammophon, bei dem ich so geheult hatte, als der Kerl hinter dem Gitter mit ihm weggeschlurft war.
Vater stellte die Lampe wieder zurück und räusperte sich. "Schlaf mal erst; ich werde mir den Fall durch den Kopf gehen lassen."
In der nächsten Zeit drückten wir uns bloß immer an den Weihnachtsbaumverkaufsständen herum. Baum auf Baum bekam Beine und lief weg; aber wir hatten noch immer keinen.
"Ob man nicht doch -?" fragte ich am fünften Tag, als wir gerade wieder im Museum unter dem Dinosauriergerippe an der Heizung lehnten.
"Ob man was?" fragte Vater scharf.
"Ich meine, ob man nicht doch versuchen sollte, einen gewöhnlichen Baum zu kriegen?"
"Bist du verrückt?!" Vater war empört. "Vielleicht so einen Kohlstrunk, bei dem man nachher nicht weiß, soll es ein Handfeger oder eine Zahnbürste sein.? Kommt gar nicht in Frage."
Doch was half es; Weihnachten kam näher und näher. Anfangs waren die Christbaumwälder in den Straßen noch aufgefüllt worden; aber allmählich lichteten sie sich, und eines Nachmittags waren wir Zeuge, wie der fetteste Christbaumverkäufer vom Alex, der Kraftriemen-Jimmy, sein letztes Bäumchen, ein wahres Streichholz von einem Baum, für drei Mark fünfzig verkaufte, aufs Geld spuckte, sich aufs Rad schwang und wegfuhr.
Nun fingen wir doch an traurig zu werden. Nicht schlimm; aber immerhin, es genügte, daß Frieda die Brauen noch mehr zusammenzog, als sie es sonst schon zu tun pflegte, und daß sie uns fragte, was wir denn hätten.
Wir hatten uns zwar daran gewöhnt, unseren Kummer für uns zu behalten, doch diesmal nicht; und Vater erzählte es ihr.
Frieda hörte aufmerksam zu. "Das ist alles?"
Wir nickten.
"Ihr seid aber komisch", sagte Frieda; "wieso geht ihr denn nicht einfach in den Grunewald, einen klauen?"
Ich habe Vater schon häufig empört gesehen, aber so empört wie an diesem Abend noch nie.
Er war kreidebleich geworden. "Ist das dein Ernst?" fragte er heiser.
Frieda war sehr erstaunt. "Logisch", sagte sie; "das machen doch alle."
"Alle -!" echote Vater dumpf, "alle -!" Er erhob sich steif und nahm mich bei der Hand. "Du gestattest wohl", sagte er darauf zu Frieda, "daß ich erst den Jungen nach Hause bringe, ehe ich dir hierauf die gebührende Antwort erteile."
Er hat sie ihr niemals erteilt. Frieda war vernünftig; sie tat so, als ginge sie auf Vaters Zimperlichkeit ein, und am nächsten Tag entschuldigte sie sich.
Doch was nützte das alles; einen Baum, gar einen Staatsbaum, wie Vater ihn sich vorstellte, hatten wir deshalb noch lange nicht.
Aber dann - es war der 23. Dezember, und wir hatten eben wieder unseren Stammplatz unter dem Dinosauriergerippe bezogen - hatte Vater die große Erleuchtung.
"Haben Sie einen Spaten?" fragte er den Museumswärter, der neben uns auf seinem Klappstuhl eingenickt war.
"Was?!" rief der und fuhr auf, "was habe ich?!"
"Einen Spaten, Mann", sagte Vater ungeduldig; "ob Sie einen Spaten haben."
Ja, den hätte er schon.
Ich sah unsicher an Vater empor. Er sah jedoch leidlich normal aus; nur sein Blick schien mir eine Spur unsteter zu sein als sonst.
"Gut", sagte er jetzt; "wir kommen heute mit zu Ihnen nach Hause, und Sie borgen ihn uns."
Was er vorhatte, erfuhr ich erst in der Nacht.
"Los", sagte Vater und schüttelte mich, "steh auf."
Ich kroch schlaftrunken über das Bettgitter. "Was ist denn bloß los?"
"Paß auf", sagte Vater und blieb vor mir stehen: "Einen Baum stehlen, das ist gemein; aber sich einen borgen, das geht."
"Borgen -?" fragte ich blinzelnd.
"Ja", sagte Vater. "Wir gehen jetzt in den Friedrichshain und graben eine Blautanne aus. Zu Hause stellen wir sie in die Wanne mit Wasser, feiern morgen dann Weihnachten mit ihr, und nachher pflanzen wir sie wieder am selben Platz ein. Na -?" Er sah mich durchdringend an.
"Eine wunderbare Idee", sagte ich.
Summend und pfeifend gingen wir los; Vater den Spaten auf dem Rücken, ich einen Sack unter dem Arm. Hin und wieder hörte Vater auf zu pfeifen, und wir sangen zweistimmig "Morgen, Kinder, wird's was geben" und "Vom Himmel hoch, da komm' ich her". Wie immer bei solchen Liedern, hatte Vater Tränen in den Augen, und auch mir war schon ganz feierlich zumute.
Dann tauchte vor uns der Friedrichshain auf, und wir schwiegen.
Die Blautanne, auf die Vater es abgesehen hatte, stand inmitten eines strohgedeckten Rosenrondells. Sie war gut anderthalb Meter hoch und ein Muster an ebenmäßigem Wuchs.
Da der Boden nur dicht unter der Oberfläche gefroren war, dauerte es auch gar nicht lange, und Vater hatte die Wurzeln freigelegt. Behutsam kippten wir den Baum darauf um, schoben ihn mit den Wurzeln in den Sack, Vater hing seine Joppe über das Ende, das raussah, wir schippten das Loch zu, Stroh wurde drübergestreut, Vater lud sich den Baum auf die Schulter, und wir gingen nach Hause. Hier füllten wir die große Zinkwanne mit Wasser und stellten den Baum rein.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, waren Vater und Frieda schon dabei, ihn zu schmücken. Er war jetzt mit Hilfe einer Schnur an der Decke befestigt, und Frieda hatte aus Stanniolpapier allerlei Sterne geschnitten, die sie an seinen Zweigen aufhängte; sie sah sehr hübsch aus. Auch einige Lebkuchenmänner sah ich hängen. Ich wollte den beiden den Spaß nicht verderben; daher tat ich so, als schliefe ich noch. Dabei überlegte ich mir, wie ich mich für ihre Nettigkeit revanchieren könnte.
Schließlich fiel es mir ein: Vater hatte sich einen Weihnachtsbaum geborgt, warum sollte ich es nicht fertigbringen, mir über die Feiertage unser verpfändetes Grammophon auszuleihen? Ich tat also, als wachte ich eben erst auf, bejubelte vorschriftsmäßig den Baum, und dann zog ich mich an und ging los.
Der Pfandleiher war ein furchtbarer Mensch, schon als wir zum erstenmal bei ihm gewesen waren und Vater ihm seinen Mantel gegeben hatte, hätte ich dem Kerl sonst was zufügen mögen; aber jetzt mußte man freundlich zu ihm sein.
Ich gab mir auch große Mühe. Ich erzählte ihm was von zwei Großmüttern und "gerade zu Weihnachten" und "letzter Freude auf alte Tage" und so, und plötzlich holte der Pfandleiher aus und haute mir eine herunter und sagte ganz ruhig: "Wie oft du sonst schwindelst, ist mir egal; aber zu Weihnachten wird die Wahrheit gesagt, verstanden?" Darauf schlurfte er in den Nebenraum und brachte das Grammophon an. "Aber wehe, ihr macht was an ihm kaputt! Und nur für drei Tage! Und auch bloß, weil du's bist!"
Ich machte einen Diener, daß ich mir fast die Stirn an der Kniescheibe stieß; dann nahm ich den Kasten unter den einen, den Trichter unter den anderen Arm und rannte nach Hause.
Ich versteckte beides erst mal in der Waschküche. Frieda allerdings mußte ich einweihen, denn die hatte die Platten; aber Frieda hielt dicht.
Mittags hatte uns Friedas Chef, der Destillenwirt, eingeladen. Es gab eine tadellose Nudelsuppe, anschließend Kartoffelbrei mit Gänseklein. Wir aßen, bis wir uns kaum noch erkannten; darauf gingen wir, um Kohlen zu sparen, noch ein bißchen ins Museum zum Dinosauriergerippe; und am Nachmittag kam Frieda und holte uns ab.
Zu Hause wurde geheizt. Dann packte Frieda eine Riesenschüssel voll übriggebliebenem Gänseklein, drei Flaschen Rotwein und einen Quadratmeter Bienenstich aus, Vater legte für mich seinen Band "Brehms Tierleben" auf den Tisch, und im nächsten unbewachten Augenblick lief ich in die Waschküche runter, holte das Grammophon rauf und sagte Vater, er sollte sich umdrehen.
Er gehorchte auch; Frieda legte die Platten raus und steckte die Lichter an, und ich machte den Trichter fest und zog das Grammophon auf.
"Moment", sagte ich; "dieser verdammte Trichter - denkst du, ich krieg' das Ding fest?"
Frieda hüstelte.
"Was denn für einen Trichter?" fragte Vater.
Aber da ging es schon los. Es war "Ihr Kinderlein kommet",; es knarrte zwar etwas, und die Platte hatte wohl auch einen Sprung, aber das machte nichts. Frieda und ich sangen mit, und da drehte Vater sich um. Er schluckte erst und zupfte sich an der Nase, aber dann räusperte er sich und sang auch mit.
Als die Platte zu Ende war, schüttelten wir uns die Hände, und ich erzählte Vater, wie ich das mit dem Grammophon gemacht hätte.
Er war begeistert. "Na -?" sagte er nur immer wieder zu Frieda und nickte dabei zu mir rüber: "na -?"
Es wurde ein sehr schöner Weihnachtsabend. Erst sangen und spielten wir die Platten durch; dann spielten wir sie noch mal ohne Gesang; dann sang Frieda noch mal alle Platten allein; dann sang sie mit Vater noch mal, und dann aßen wir und tranken den Wein aus, und darauf machten wir noch ein bißchen Musik; dann brachten wir Frieda nach Hause und legten uns auch hin.
Am nächsten Morgen blieb der Baum noch aufgeputzt stehen. Ich durfte liegenbleiben, und Vater machte den ganzen Tag Grammophonmusik und pfiff zweite Stimme dazu.
Dann, in der folgenden Nacht, nahmen wir den Baum aus der Wanne, steckten ihn, noch mit den Stanniolpapiersternen geschmückt, in den Sack und brachten ihn zurück in den Friedrichshain.
Hier pflanzten wir ihn wieder in sein Rosenrondell. Darauf traten wir die Erde fest und gingen nach Hause. Am Morgen brachte ich dann auch das Grammophon weg.
Den Baum haben wir noch häufig besucht; er ist wieder angewachsen. Die Stanniolpapiersterne hingen noch eine ganze Weile in seinen Zweigen, einige sogar bis in den Frühling.
Vor ein paar Monaten habe ich mir den Baum wieder mal angesehen. Er ist jetzt gute zwei Stock hoch und hat den Umfang eines mittleren Fabrikschornsteins.
Es mutet merkwürdig an, sich vorzustellen, dass wir ihn mal zu Gast in unserer Wohnküche hatten.
baum.gif
baum.gif (24.89 KiB) 2425 mal betrachtet
Zuletzt geändert von frische Luft am Di 23. Dez 2025, 16:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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