Tradition seit 670 Jahren: Das Matthiae-Mahl in Hamburg

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frische Luft
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Tradition seit 670 Jahren: Das Matthiae-Mahl in Hamburg

Beitrag von frische Luft »

Tradition seit 670 Jahren: Das Matthiae-Mahl in Hamburg
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 06.03.2026 05:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronolog ... hl124.html

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Zum Matthiae-Mahl, dem ältesten noch begangenen Festmahl der Welt, hat Hamburg schon viele Staatsgäste begrüßt.
Was hat es mit der Geschichte des traditionsreichen Banketts auf sich, das in diesem Jahr am 6. März stattfindet?


von Marc-Oliver Rehrmann

Für viele Hamburger wäre es ein Traum, dabei zu sein: Im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses treffen in der Regel jedes Jahr Ende Februar, Anfang März Hunderte Gäste zum Matthiae-Mahl ein. Erwähnt wird das Festmahl erstmals im Jahr 1356. Der Name bezieht sich auf den evangelischen Matthiae-Tag am 24. Februar, den Ehrentag für den Heiligen Matthias. Der Tag galt im Mittelalter als Frühlingsbeginn und Auftakt des Geschäftsjahres. Für Hamburg hieß das: Die Senatoren erhielten ihre neuen Aufgaben und wählten den Ersten Bürgermeister.

Jacqueline Heemann erklärt das Matthiae-Mahl.2 Min
Darum geht's: Matthiae-Mahl
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Eine üppig gedeckte Festtafel im Rathaus - dazu lädt Hamburgs Erster Bürgermeister einmal im Jahr Hunderte Gäste ein. Doch was genau hat es mit dem "Matthiae-Mahl" auf sich?

Mal früher, mal später - und in der Corona-Pandemie digital
Der Matthias-Tag am 24. Februar galt im Mittelalter als Frühlingsbeginn und Auftakt des Geschäftsjahres. Aber mit dem Datum nimmt es die Stadt nicht mehr so genau: Eigentlich galt der Grundsatz, dass das Fest am Freitag vor dem 24. Februar stattfindet. Aber auch das kommt nicht immer hin, manchmal ist das Fest erst Tage später. Zudem wird das Vier-Gänge-Menü auch mal verschoben, wenn die Ehrengäste es nicht anders einrichten können. In diesem Jahr wird es am 6. März ausgerichtet.

Auch wenn das Fest eine lange Tradition aufweisen kann, gab es zwischendurch mal eine Pause: Nach 1724 wurde das Matthiae-Mahl mehr als 200 Jahre lang ausgesetzt. Warum, weiß heute niemand mehr. Eine historische Anordnung besagt aber, dass das Fest nur stattfindet, "wenn die Zeitläufte es erlauben." Auch 1999 fiel das Matthiae-Mahl aus. Aus einem ganz profanen Grund: Der Festsaal im Rathaus wurde renoviert.

Auch während der Corona-Pandemie sprachen die "Zeitläufte" dagegen, dass das Festmahl traditionell ausgerichtet wurde. 2021 und 2002 lief die Veranstaltung digital ab. Erst 2023 konnte das Matthiae-Mahl wieder ohne Beschränkungen stattfinden.

Der "Holbein-Pokal" steht beim Matthiae-Mahl auf einem Tisch im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses.
15 Bilder, kann man sich im o.g. Link ansehen !
Großer Aufwand für das Matthiae-Mahl


Das traditionelle Matthiae-Mahl: Wer ist eingeladen?
Die Tafelrunde in ihrer klassischen Form ist im Laufe der Jahrhunderte immer größer geworden. Zum ersten historisch belegten Matthiae-Mahl im Jahr 1356 waren 40 Gäste geladen. Mittlerweile sind es unter normalen Umständen zehn Mal so viele. Üblich ist es seit jeher, das gesamte Konsularische Korps der Hansestadt einzuladen. Da es rund 100 Konsulate in der Hansestadt gibt und jeder Konsul eine Begleitung mitbringen darf, sind so auf einen Schlag 200 Plätze vergeben. Wer einen der restlichen Plätze erhält, überlegen die Mitarbeiter des Protokolls jedes Jahr neu. Eine Tradition, die sich hält: Alle Altbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt sind eingeladen. Für die Ehrenbürger und -bürgerinnen müssen aber nicht viele Stühle reserviert werden. Nur wenige von ihnen leben noch: Ballett-Choreograf John Neumeier, der Unternehmer und Mäzen und Michael Otto, Schriftstellerin Kirsten Boie und Musiker Udo Lindenberg.

Ein Rekord für Helmut Schmidt

Dänemarks Kronprinz Frederik (r.) sitzt am 17.02.2006 im Rathaus in Hamburg beim Matthiae-Mahl neben Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD).
Helmut Schmidt (l.) war vier Mal Ehrengast des Festes.
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Zusätzlichen Glanz verleihen der Abendveranstaltung die Ehrengäste, unter ihnen Staatspräsidenten, Regierungschefs und gekrönte Häupter. Um nur einige Namen zu nennen: Königin Silvia von Schweden speiste ebenso als Ehrengast im Rathaus wie Jordaniens König Abdullah II. und Kronprinz Frederik von Dänemark mit seiner Frau Mary. Die Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schörder folgten ebenfalls der Einladung. Angela Merkel war im Jahr 2016 schon zum zweiten Mal dabei. Rekordhalter unter den Ehrengästen ist Helmut Schmidt. In den Jahren 1976 bis 1982 war er als Bonner Regierungschef gleich vier Mal Ehrengast und Redner. Generell gilt: Es werden ein ausländischer und ein deutscher Ehrengast eingeladen.

Italiens Ministerpräsident sagt in letzter Minute ab
In der jüngeren Vergangenheit des Matthiae-Mahls kam es nur einmal vor, dass ein geladener Ehrengast nicht anreiste. 2007 sagte der italienische Ministerpräsident Romano Prodi nicht einmal 24 Stunden vor dem Festessen ab. Er hatte kurz zuvor seinen Rücktritt eingereicht. So wird als offizielle Begründung für die Absage auch die Regierungskrise genannt. Aber das "Hamburger Abendblatt" fand heraus: Prodi wäre trotzdem gekommen, habe aber als Bedingung gemacht, dass keine Presse vor Ort ist und nicht fotografiert und gefilmt werden darf. Bei einer Krisensitzung entschied der Senat: Darauf lassen wir uns nicht ein. Und so blieb Prodi zu Hause. Die Hauptrede hielt dann der zweite Ehrengast des Abends: Bischof Wolfgang Huber.

Als Putin aus dem Saal stürmte
Wladimir Putin
Nicht als Russlands Präsident, sondern als Vizebürgermeister von St. Petersburg sorgte Wladimir Putin für Aufsehen bei einem Matthiae-Mahl.
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Für den einzigen handfesten Skandal in der langen Geschichte der Matthiae-Mahlzeit sorgte Wladimir Putin. Im Februar 1994 saß er als Vizebürgermeister der russischen Stadt St. Petersburg an der Tafel. Die Rede an diesem Abend hielt Estlands Staatspräsident Lennart Meri. Als dieser den Russen vorwarf, sie wollten wieder die Vorherrschaft im Osten, zögerte Putin nicht: Er warf seine Serviette auf die Festtafel und marschierte "mit durchgedrückten Knien aus dem Saal, jeder Schritt begleitet vom Knarzen des Parketts", wie es eine Augenzeugin schilderte. Putin ließ es sich nicht nehmen, dem Gastgeber - dem damaligen Bürgermeister Hennig Voscherau - vor Verlassen des Raums noch einen verächtlichen Blick zuzuwerfen.

Ein Messer nur für die besonderen Gäste
Ein Silber-Aufsatz in Form eines Fisches steht auf einem Tisch im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses.
Fisch gibt es auch - sogar als prunkvolle Dekoration auf dem Tisch.
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Das Matthiae-Mahl ist reich an Besonderheiten:
Für die geladenen Minister und andere hohe Gäste deckte man zum Matthiae-Mahl ein Messer ein. Im 14. Jahrhundert, als man für gewöhnlich mit den Fingern aß, war dies ein Ausdruck besonderer Ehre. Heute sind die Tafeln am Festabend mit Tafelaufsätzen, Vasen und Schalen aus dem Silberschatz des Rathauses dekoriert. Ein besonders prunkvolles Stück ist der "Holbein-Pokal", den König Eduard VII. von Großbritannien und Irland der Hansestadt im Jahr 1904 schenkte. Der mit Edelsteinen besetzte Pokal gilt als das wertvollste Geschenk, das ein ausländischer Staatsgast dem Hamburger Senat jemals überreicht hat. Beim Matthiae-Mahl steht der Pokal so, dass der Bürgermeister und die Ehrengäste ihn gut im Blick haben.

Matthiae-Mahl ursprünglich rein männliche Angelegenheit
Ursprünglich war das Matthiae-Mahl eine rein männliche Angelegenheit. Erst um 1622 wurden auch Frauen eingelassen - mit Einschränkungen: Sie wurden zunächst nur in einem Nebenraum bewirtet und mussten warten, "bis sich die Herren ihrer bedienten". Was so viel hieß wie: bis die Herren sie zum Tanzen aufforderten.

Jahrhunderte altes Protokoll
Das strenge Protokoll zum Ablauf des Matthiae-Mahls gilt ansonsten im Wesentlichen seit mehr als einem halben Jahrtausend unverändert. Der Erste Bürgermeister erwartet die Ehrengäste an einer ganz bestimmten Stelle im Rathaus: auf dem oberen Absatz der Senatstreppe. So gerieten frühere Bürgermeister nicht in die Verlegenheit, zu Pferde anreisenden Gästen aus dem Steigbügel helfen zu müssen. Nach der Begrüßung steht für die Ehrengäste der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt auf dem Programm, bevor es in den geschmückten Festsaal geht.

Interessante und kuriose Fakten zum Matthiae-Mahl 2025
Zehn Ratsdienerinnen und -diener sind an der Vorbereitung und dem Festmahl selbst beteiligt.
Zwei Personen brauchen eine Arbeitswoche zum Polieren des Senatssilbers.
Zwölf Sicherheitskräfte sind beim Mahl im Einsatz.
15 Polizeischülerinnen und -schüler dienen in alten Gala-Uniformen.
Elf Reinigungskräfte kümmern sich um die Sauberkeit.
20 Köchinnen und Köche richten die Speisen an.
47 Meter lang, 18 Meter breit und 15 Meter hoch ist der Große Festsaal im Rathaus
Rund 40 Silber-Aufsätze zieren die Tische.
80 Kellnerinnen und Kellner bewirten die Gäste.
142 Meter sind die Festtafeln insgesamt lang, an denen die Gäste sitzen.
140 Kilogramm Servietten und Tischdecken werden benötigt.
Rote Trossnelken, gestreifte "Happy Clown"-Tulpen, grünes Viburnum, rote Ranunkeln und Anemonen, sowie Spargelranken schmücken die Tische im Saal.
44 hohe fünfarmige Silberleuchter mit 220 Leuchterkerzen beleuchten die Tische.
3.425 Gläser werden verwendet.
3.000 Porzellanteile und ca. 3.400 Silber-Besteckteile werden genutzt.
(Quelle: Senatskanzlei)

Das Menü ist ein Geheimnis
Bei der Menüwahl gilt die Tradition nicht:
Es gibt keine typische Matthiae-Mahlzeit. In der Neuzeit wird stets ein Vier-Gänge-Menü serviert:
kalte Vorspeise, Suppe, Hauptspeise und Dessert. Welche Speisen auf die Teller kommen, ist bis zum Beginn des Abends ein gut gehütetes Geheimnis. Früher waren die Köche des Ratskellers fürs das leibliche Wohl zuständig. Heutzutage können sich Hamburger Köche um die Ausrichtung des Festmahls bewerben.

Menü des Matthiae-Mahls 2025

Menü
Nordseeallerlei in weißem Tomatengelee,
gebackener Apfel-Fenchel, Crunchy Salat,
Wald- und Wiesentatar mit Meeresfrüchten und Lachs,
Gurkenmousse
*
Kalbsloin und Sauerbraten vom Seeteufel,
Walnuss-Petersilien-Gremolata,
Hummer-Zitronengras-Schaum, Morchelnudeln,
soufflierte Artischockentarte,
Petersilienwurzelgemüse
*
Dessertvariation im Flying Service
Mokka, Tee
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Vegane Variante
Topinamburmus in der Schale, gebackener Apfel-Fenchel,
Crunchy Salat, Wald- und Wiesentatar
*
Panierter gestovter Kürbis-Spitzkohl,
Walnuss-Petersilien-Gremolata, Morchelnudeln,
soufflierte Artischockentarte,
Petersilienwurzelgemüse, Rieslingvelouté, Petersilienpesto
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Dessertvariation im Flying Service
Mokka, Tee

Weine
2023 Grauburgunder, Weingut Trautwein, Baden
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2021 Syrah, Weingut Oliver Zeter, Pfalz
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Digestif

"Es soll keine Völlerei geben!"
Die Gäste sitzen am 4. März 2025 beim traditionellen Matthiae-Mahl des Hamburger Senats im Großen Festsaal im Rathaus.
Während das Essen früher sehr fleischlastig war, geht es heutzutage etwas ausgewogener zu.
Früher ging es auch darum, sich mit viel Fleisch die Bäuche vollzuschlagen. So sah die Menüfolge von 1715 drei überaus fleischreiche Gänge vor, darunter "ein ganzes gebratenes Reh garniert mit Rebhühnern, Wildschweinrücken garniert mit Krammetsvögeln und Fasanen garniert mit Finken". Heute geht es zeitgemäß zu. Zum einen gibt es auch vegetarische Gerichte, zum anderen ist die Küche leichter. Davon zeugt folgende Anekdote: Ausgerechnet als der genussfreudige Bundeskanzler Helmut Kohl 1996 auf der Gästeliste stand, gab der damalige Chefkoch Günter Liebert die Generalorder aus: "Es soll keine Völlerei geben!" Und so fiel das Menü entsprechend kalorienarm aus.

100.000 Euro für ein Abendessen
Der Große Festsaal im Hamburger Rathaus ist für das Matthiae-Mahl eingedeckt.
Preiswert ist das Matthiae-Mahl wahrlich nicht.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.

Ganz unumstritten ist das Matthiae-Mahl nicht. Die Hamburger Linken sprechen von einer überflüssigen "Protzveranstaltung". Denn das Fest kostet jedes Jahr etwa 100.000 Euro. Mal etwas mehr, mal etwas weniger. Ein Beispiel: 2013 stand auf der Rechnung der Gesamtbetrag von 104.226,15 Euro. Für Speisen und Getränke wurden 30.000 Euro ausgegeben, für die Blumen waren 6.500 Euro fällig. Und für "Sonstiges" wie Fahrdienste und Übersetzer für den ausländischen Ehrengast fielen 17.000 Euro an. Den größten Posten auf der Rechnung machen aber die Personalkosten mit mehr als 40.000 Euro aus. Immerhin sorgen allein 80 Kellner und Kellnerinnen im Festsaal dafür, dass die Speisen perfekt serviert werden.

Musik beim Matthiae-Mahl 2025

Ludwig van Beethoven (1770-1827), 9. Sinfonie; Ode an die Freude, “Europahymne“
Georg Friedrich Händel (1685-1759), Concerto Grosso Op. 6 Nr. 1 in G-Dur
Solomon, Die Ankunft der Königin von Saba, HWV 67
Georg Philipp Telemann (1681-1767): Aus der Tafelmusik: Sonata à 4, TWV 43:e2
Johann Sebastian Bach (1685-1750), Suite (Ouvertüre) Nr. 2 h-Moll, BWV 1067
Johann Pachelbel (1653-1706), Kanon in D-Dur
Henry Purcell (1659-1695), Chaconne in g-Moll, Z.730
Johann Joachim Quantz (1697-1773), Konzert für Flöte und Orchester in G-Dur
Antonio Vivaldi (1678-1741), Konzert für Flöte in D-Dur, RV 428, Il Gardellino
Johann Sebastian Bach (1685-1750), Air aus der Suite Nr. 3 in D-Dur, BWV 1068
Edvard Grieg (1843-1907), Aus Holbergs Zeit: Suite, op. 40
Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Serenade Nr. 13 „Eine kleine Nachtmusik“, KV 525
Kammerorchester der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Musikalische Leitung: Prof. Ulrich Windfuhr

(Quelle: Senatskanzlei)

Ole von Beust: Völlerei der Selbstverliebten

Ole von Beust empfängt im Hamburger Rathaus 2003 Steffi Graf (links) und Königin Silvia von Schweden.
Als Bürgermeister empfing Ole von Beust 2003 die beiden Ehrengäste des Matthiae-Mahls: Tennis-Ikone Steffi Graf (links) und Königin Silvia von Schweden.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.

Nicht jeder Gast(geber) behält das Matthiae-Mahl in guter Erinnerung. Altbürgermeister Ole von Beust bezeichnete das Traditionsessen einmal als eine Art sechsstündiger Völlerei mit nicht besonders gutem Essen und pflichtschuldigen Reden. All die Menschen, die einem dort Visitenkarten zusteckten, hätten letztlich nur eines im Sinne: sich selbst, sagte von Beust 2012 in einem "Zeit"-Interview. Zudem erzählte er, wie "die Ehefrauen mancher Hamburger Herren, die sich offenbar für sehr wichtig halten, in seinem Vorzimmer telefonisch um eine Einladung zum Matthiae-Mahl bettelten".

Oder doch "Werbung für Hamburg im besten Sinne"?
Wohlgemerkt zog von Beust erst nach seinem Rücktritt über das Fest her. Als er noch im Amt war, lobte er die Matthiae-Mahlzeit als "Werbung für unsere Stadt im besten Sinne". Das Matthiae-Mahl sei mehr als alte Zeremonie und gepflegtes Essen, es sei die Versinnbildlichung guter hanseatischer Tradition, schrieb der CDU-Politiker 2003 in einem Gastbeitrag für "Die Welt". "Ich halte nichts von barockem Pomp. Aber damit hat die Matthiae-Mahlzeit auch nichts zu tun. Es geht um Stil. Guter Stil und Form sind für mich vor allem ein Zeichen der Anerkennung und des Respekts für unsere Gäste. Und um die geht es." Und das seit nunmehr 670 Jahren.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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